Rapperswil-Jona

Dem NHL-Traum näher – doch noch so fern

Timo Haussener hat geschafft, wovon andere träumen: Der Lakers-Junior spielt künftig in Kanada bei Guelph Storm. Wie viel in der weltbesten Junioren­liga abver­langt wird, dessen ist sich der 18-Jährige bewusst.

Timo Haussener durchlief bei den Lakers alle Juniorenabteilungen – nun versucht er, seine Karriere bei Guelph Storm in der höchsten CHL-Juniorenliga so richtig zu lancieren.

Timo Haussener durchlief bei den Lakers alle Juniorenabteilungen – nun versucht er, seine Karriere bei Guelph Storm in der höchsten CHL-Juniorenliga so richtig zu lancieren. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

So manches Schweizer Talent ver­suchte sein Glück schon in Nord­amerika. Der einstige Lakers-Junior Tanner Richard beispielsweise. Mike Richards Sohn wechselte 2011 zu Guelph Storm in die Ontario Hockey League (OHL), die innerhalb der Canada Hockey League (CHL) zur besten Juniorenliga der Welt zählt. 2012 wurde er beim NHL Entry Draft von Tampa Bay gezogen. «Die NHL war sein Ziel, doch er spielt immer noch in der AHL», weiss Timo Haus­se­ner. Denn der Rap­pers­wi­ler verfolgte Richards Weg, welcher den 22-Jäh­rigen mittlerweile zu Syra­cuse Crunch führte, und schlägt einen ähnlichen ein.

Im CHL Import Draft wurde der 18-jäh­rige Lakers-Nachwuchsstürmer an 39. Stelle gezogen und wechselt auf die nächste Spielzeit ebenfalls zu ­Guelph Storm. Dort waren letzte Saison mit Pius Suter und Phil Baltisberger bereits zwei Schweizer im Einsatz. Die beiden kehren nun jedoch wieder zu ihrem Stammklub, den ZSC Lions, zurück.

«Will ein Teamleader sein»

Haussener ist sich bewusst, dass ihm das gleiche Schicksal blühen könnte. «Ich muss mich in Ka­nada zuerst einleben, und das wird nicht einfach», sagt er. Doch der Hüne (1,94 m) glaubt fest dar­an, dies «mit einer guten Einstellung problemlos» zu schaffen. Zumindest in der Gastfamilie, wo auch schon Richard und Suter waren. «Beide erzählten mir nur Gutes», sagt deren Nachfolger. Am Montagabend konnte Haus­se­ner seine Gastgeber erstmals kennenlernen, da sie derzeit bei der Familie Richard in Rap­pers­wil im Urlaub weilen. «Mein erster Ein­druck vom Ehepaar und den drei kleinen Kindern war sehr posi­tiv», verrät er. Sie seien ihm jedenfalls ­alle sympathisch. So ist dieses Eis schon einmal gebrochen.

Im Team Fuss zu fassen wird ­ für den 18-Jährigen eine weit grös­sere Herausforderung. «Das braucht sicher seine Zeit, wie über­all», meint er. Was ihn keinesfalls davon abhält, sich ehrgei­zige Ziele zu stecken: «Als einer von zwei Ausländern will ich im ­Team eine Leaderposition übernehmen.» In den letzten drei Jahren sammelte Haus­se­ner als Mitglied der Junioren-Natio­nalmann­schaf­ten (U16 bis U19) internationale Erfahrungen. In 30 Spielen im Schweizer Dress gelangen dem Stürmer 6 Tore und 4 Assists. «Ich gehe zum Lernen nach Nord­amerika, und um mir das kana­dische Hockey anzueignen», betont er.

Trainings mit dem NLB-Team

Sein grösster Traum ist «sicher die NHL». Doch für ihn gehe ­bereits ein erster Bubentraum ­in Erfüllung. «Denn ich ­wollte schon immer in Kanada spielen.» Am 20. August reist Haus­se­ner voraussichtlich ab. «Bis dahin kann ich mich mit der ersten Mannschaft hier in Rap­pers­wil-Jona darauf vorbereiten.» Und eine Woche Ferien liege im Sommer auch noch drin.

Über seine weitere Zukunft macht sich der junge Laker, der im Verein alle Juniorenstufen durchlief und vor zwei Wochen seine Lehre als Detailhandelsangestellter erfolgreich abschloss, noch keine Gedanken. «Was sie bringt, weiss man sowieso nie», meint er. Für ihn sei aber durchaus vorstellbar, dass er nach zwei Jahren wieder in die Schweiz zurückkehre und hier in der NLA spiele.

«Jeden Tag das Beste geben»

«Er kommt bestimmt gestärkt ­retour», ist sein Vater Hans­peter überzeugt, der von 1983 bis 1989 beim SCRJ stürmte. Die höchste Juniorenliga biete seinem Sohn eine gute Plattform. Mit auf den Weg gibt er ihm den Ratschlag: «Er soll jeden Tag sein Bestes geben.» Als Timo gedraftet wurde, erfüllte dies den Vater mit grossem Stolz. «Wir verfolgten den Draft gemeinsam am TV und freuten uns beide sehr», verrät der Junior. Gut eine Stunde später habe sich bereits der Teammanager von ­Guelph Storm gemeldet. Und danach sei ein Anruf vom Equipementmanager gekommen, der die Materialbestellung aufgenommen habe.

Dass Haussener künftig südwestlich von Toronto in der OHL spielen kann, verdankt er seinem Agenten Georges Müller. «Er leitete mit seinen Kontakten alles in die Wege», verrät der Lakers-Junior. Er ist sich bewusst, dass es auch Glück braucht, um in Nordamerika bestehen zu können. Im U20-Trainingslager Mitte ­Juli in Arosa könne Pius Suter ihm ­sicher noch wertvolle Tipps geben. Seinem grössten Ziel kommt Haus­se­ner zwar näher, doch ihm ist klar: «Bis in die NHL ist es noch ein weiter, steiniger Weg.» ()

Erstellt: 09.07.2015, 08:47 Uhr

Junge Spieler in Nordamerika

Die Verantwortlichen der Swiss Ice Hockey Federation (SIHF) befassen sich mit dem Trend, dass Schweizer Talente nach Nordamerika abwandern, um in dortigen Juniorenligen zu spielen. «Die einen haben mehr ­Mühe, so früh auf sich alleine gestellt zu sein, andere weniger», sagt U18-Nationalcoach Thierry Pater­lini (Bild). Daher falle auch ihre Entwicklung ganz unterschiedlich aus. «Der eine macht grosse Fortschritte, andere kehren mit weniger zurück», weiss der Ex-Profi, der in der Saison 2009/10 bei den Lakers stürmte.

Dies sei primär von der Organisation, aber auch der Gastfamilie abhängig. «Wenn die Jungen gute Erfahrungen sammeln können, ist dies sicher auch für die Entwicklung des Schweizer Eishockeys positiv», ergänzt Paterlini. In der globalisierten Welt könne die SIHF jedenfalls nicht den Anspruch stellen, dass ­alle Talente hier blieben. «Auch wenn wir in der Schweiz ebenfalls sehr gute Ausbildungen anbieten», wie er betont. Letztlich sei es wie bei allem im Leben: «Jeder muss den eigenen Weg finden. Richtig oder falsch gibt es nicht.» So gebe es auch Junge, die sich für eine Weiterentwicklung in Schweden entscheiden würden.(ddu)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!