Del Curto wird entsorgt wie ein x-beliebiger Trainer

Der Schuldige bei den ZSC Lions ist gefunden, die Anti-Arno-Fraktion hat gesiegt. Das ist ein Fehler – nicht nur in sportlicher Hinsicht.

Kaum angekommen, muss er schon wieder gehen: Arno Del Curto.

Kaum angekommen, muss er schon wieder gehen: Arno Del Curto. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Als Arno Del Curto Mitte Januar nach 25 Jahren zum ZSC zurückkehrte, verkaufte der Stadtclub ADC-T-Shirts und stellte seine Playlist im Hallenstadion um. Man holte ihn gerade deshalb, weil er kein Trainer ist wie jeder andere. Und hoffte wohl, mit seiner Arno-Magie verzaubere er die Mannschaft. Vielleicht sprinkle er Goldstaub über die Spieler oder sage einen Zauberspruch, und dann werde alles besser.

Doch der Engadiner ist kein Magier. Und er traf auf eine Mannschaft, die tief verunsichert war. Bei der ein Schlüsselspieler wie Kevin Klein verärgert reagierte auf die Entlassung seines Landsmannes Serge Aubin. Bei der schon bald der Nummer-1-Goalie ausfiel und sich viele andere mit Verletzungen plagten. Die Monate des Laissez-faire hinter sich hatte. Die als Meister nichts zu gewinnen, sondern nur zu verlieren hatte.

Noch nicht einmal richtig angekommen, muss Del Curto bereits wieder gehen.

So verpassten die ZSC Lions das Playoff. Einen Monat später hat man nun den Schuldigen dafür benannt: Es ist Arno Del Curto. Der 62-Jährige muss den Stadtclub nach nicht einmal zweieieinhalb Monaten wieder verlassen. Er wird entsorgt wie ein x-beliebiger Trainer. Dabei hätten die Zürcher nun gerade die Chance gehabt, mit Del Curto etwas aufzubauen, endlich wieder etwas Kontinuität in den Verein zu bringen. Der Engadiner hatte gar keine Zeit, bei den ZSC Lions anzukommen. Nun muss er schon wieder gehen.

Wenn die Zürcher nun sagen, man habe sich gemeinsam für die Beendigung des Engagements entschieden, so ist das eine fantasievolle Interpretation. Del Curto wollte bleiben, ihn hätte es gereizt, beim Stadtclub nochmals etwas aufzubauen. Der ZSC hat einen speziellen Platz in seinem Herzen. Darum übernahm er auch diesen Nothelferjob, nachdem ihm nach 22 Jahren HC Davos wohl auch eine längere Pause gutgetan hätte.

Fünf Trainer in knapp zwei Jahren

Man fragt sich: Welche Kräfte wirken bei den ZSC Lions im Hintergrund? Wer trifft die Entscheidungen? Der Sportchef? Der Geschäftsführer? Der Präsident? Andere Verwaltungsräte?

Nun hat sich offenbar die Anti-Arno-Fraktion gegen die Pro-Fraktion durchgesetzt, mit dem Argument der fehlenden Punkte unter Del Curto. Doch selbst für jene, die obsiegten, ist es kein Triumph. Denn die Trennung von Del Curto ist nicht nur sportlich ein Fehler, mit ihr verspielen die ZSC Lions nach einer völlig verpatzten Saison auch noch weiter Goodwill.

Und wenn nun unterschieden wird zwischen Trainerwechseln und Trainerentlassungen, so ist das Wortklauberei. Fakt ist: Innert weniger als zwei Jahren beschäftigen die Zürcher fünf verschiedene Headcoaches. Del Curto muss gehen, die ZSC Lions wursteln weiter.

Erstellt: 05.04.2019, 12:06 Uhr

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