Eishockey

Brutaler Überfall, unerwartet klarer Fall

Rögle ist zwar Aufsteiger in Schwedens höchste Liga, doch die Feier wurde durch die hinterhältige Tat eines kanadischen «Goons» zu Recht gestört. Ein Blick durch die Ligen von Ängelholm über Wien bis nach Kloten.

Zweitbester Spieler der Partie in Nashville war Calgary-Goalie Jonas Hiller, obwohl er hier gerade das 0:1 durch Roman Josi kassiert hat.

Zweitbester Spieler der Partie in Nashville war Calgary-Goalie Jonas Hiller, obwohl er hier gerade das 0:1 durch Roman Josi kassiert hat. Bild: Keystone

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Am Sonntagabend begann die Feier direkt nach dem 2:0 in Västeras. Gestern Montag erhielt Rögles Aufstiegsjubel in die SHL, wie die höchste Liga in Schweden seit eineinhalb Jahren heisst, einen ganz argen Dämpfer. Denn es war ein Video aufgetaucht, auf dem das höchst brutale Vorspiel zu sehen war, das sich am Donnerstag vor dem vierten Match ereignet hatte. Zu sehen ist auf dem Clip dies: Beim Aufwärmen beider Teams – als noch keine Schiedsrichter auf dem Feld und kaum Zuschauer in Rögles Lindab Arena waren – spricht der kanadische Rögle-Stürmer André De- veaux an der Bande kurz mit Assistenztrainer Mikael Gath. Dann fährt er von der Bande weg und macht sich in die Västeras-Spielhälfte auf. Dort schlägt er seinen Stock – einem Zweihänder gleich – von hinten Captain Per Helmersson in die Kniekehle. Der Västeras-Spieler, der seinen Gegenspieler nicht hat kommen sehen, stürzt nach diesem brutalen Überfall, doch Deveaux schlägt weiter auf ihn ein.

Da die Spielleiter eben noch fehlten, wurde der Kanadier, einer der wenigen Überlebenden aus der Spezies der «Goons» (Schläger), nicht einmal gesperrt, er war in beiden Partien auf dem Eis. Nun aber, nachdem das Video aufgetaucht ist, hat Västeras bei der Polizei Anzeige gegen De- veaux eingereicht. Und die Liga befasst sich (endlich) auch mit dem Fall. Einer Strafe könnte der 31-Jährige dennoch entgehen: wenn er nämlich das Land verlässt. Und vieles deutet dar­auf hin. Rögle-Präsident Hakan Eriksson auf jeden Fall gab noch gestern Abend bekannt, dass man sich von Deveaux getrennt habe.

Rögle in der Stadt Ängelholm war in der Saison 2012/13 der letzte Arbeitgeber von Martin Gerber, bevor der in die Schweiz nach Kloten wechselte.

Robbie Earl und Larry Huras zieht es nach Schweden

Den umgekehrten Weg geht der Amerikaner Robbie Earl. Der Stürmer, der nach seiner Ausmusterung in Rapperswil auch beim EV Zug nicht bedingungslos überzeugen konnte, unterschrieb beim Färjestads BK in Karlstad einen Vertrag über ein Jahr. Earl trifft mit seinem neuen Team gleich auf zwei «Schweizer» Trainer. Kent Johansson, der ehemalige Lugano-Spieler und Coach, verlängerte in Örebro seinen Kontrakt um eine Saison, und in Örnsköldsvik steht einer vor der Vertragsunterschrift, der in der Schweiz schon so manchen Klub unterhalten hat: Larry Huras soll MoDo-Trainer werden. Aktuell steht er mit dem deutschen Meister Ingolstadt im Playoff-Halbfinal gegen die Düsseldorfer EG (Stand 1:1).

Österreich setzt weiter auf Alpo Suhonen/Roger Bader

Der Österreichische Eishockeyverband setzt weiter auf finnisches und schweizerisches Eishockey-Wissen. Alpo Suhonen, dessen letztes von vielen Engagements in der Schweiz der Posten des Sportchefs in Kloten war, wird zwei weitere Jahre als Sportdirektor amten. Um ebenfalls zwei Jahre verlängert wurde der Vertrag mit Roger Bader als Ausbildungschef und Entwicklungsleiter. Suhonen und Bader stehen gemeinsam für das Ziel, dass österreichische Spieler österreichische Trainer für ihre Entwicklung brauchen.

«Die Entwicklung einer österreichischen Identität für Trainer und Spieler stand und steht im Vordergrund», erläutert Suhonen. Bader sei auf dem Weg zu einer österreichischen Trainerphilosophie und -identität ein wichtiger Baustein. Bader startete im Oktober ein Mentoring-Programm bei den Vereinen, aus dem eine neue Kommunikation hervorging. Und er wird zusammen mit Suhonen das Programm für den Nachwuchsbereich der österreichischen Nationalmannschaften zusammenstellen und intensivieren. «Ausbildung und sportliche Weiterbildung haben oberste Priorität», sagte Verbands- präsident Dieter Kalt.

Mit Österreichs Eishockey bekommen es die Schweizer in gut einem Monat zu tun: In ihrem ersten WM-Spiel in Prag treffen die Schweizer am Samstag (2. Mai) bereits um 12.00 Uhr auf den Aufsteiger aus dem Nachbarland. Es wird wegweisend sein.

Roman Josi skorte, doch Jonas Hiller siegte

Ein unerwartet klarer Fall wurde der Auftritt von Calgary im Stadion der bereits für die Playoffs qualifizierten Predators aus Nashville. Die Calgary Flames siegten in diesem Duell, in das auch die drei Schweizer Jonas Hiller, Raphael Diaz und Roman Josi involviert waren, 5:2. Sowohl Calgarys Goalie Hiller (27 Paraden) als auch Nashvilles Verteidiger Josi (1 Tor, 1 Assist) wurden bei der Ehrung der besten drei Spieler der Partie berücksichtigt, gemeinsam mit dem Tschechen Jiri Hudler, der für die Flames zwei Tore und einen Assist verbuchte. Jonas Hiller feierte seinen 22. Saisonsieg für die Flames. Josi brachte die Nashville Predators mit seinem bereits 15. Saisontor früh in Führung, und im Schlussabschnitt bereitete er auch noch den zweiten Treffer vor. Mit 15 Goals und 40 Assists hält sich Josi in der Skorerliste der NHL auf Platz 47. Lediglich zwei Verteidiger, Erik Karlsson von den Ottawa Senators und Brent Burns von den San Jose Sharks, sammelten mehr Skorerpunkte als der Berner.

Zwei Wochen vor Ende der Qualifikation belegen vier der sechs Teams mit Schweizer Beteiligung Playoff-Plätze. Nashville (Josi) hat das Playoff-Ticket bereits gelöst. Sehr gut sieht es für Minnesota (Niederreiter) aus. Auf Playoff-Plätzen mitten im Strichkampf liegen Calgary (Hiller, Diaz) und Vancouver (Sbisa, Weber), derweil San Jose (Müller) mit grosser Wahrscheinlichkeit und sicher Philadelphia (Mark Streit) die Playoffs verpassen werden.

Kowaltschuk traf bisher nur Radulows Knie

Der SKA St. Petersburg muss, so sieht es zumindest momentan aus, auch mit Trainer Slawa Bykow weiter auf einen grossen Titel warten. Denn im Halbfinalduell der KHL mit dem ZSKA Moskau liegen die St. Petersburger 0:3 zurück. Sie verloren das erste Heimspiel 1:3. Held der Serie ist bisher der 23-jährige Roman Lyubimow, ein ZSKA-Eigengewächs. Beim Verlängerungserfolg in Spiel 2 traf er zum 3:2 nach 102 Minuten, vorher hatte er schon das 2:2 erzielt. In St. Petersburg schoss er gestern die Moskauer in Führung. Bei Lyubimows Toren fast immer seinen Stock im Spiel hat Alexander Radulow. Ilja Kowaltschuk dagegen, der Starstürmer von SKA, ist bisher nicht durch Tore aufgefallen. Dafür durch einen hinterhältigen Schlag in Radulows Kniekehle. Radulow revanchierte sich gestern mit dem dritten Moskauer Tor.

Michael Fora – ein Schweizer Nationalteam-Verteidiger

Mit dem Berner Philippe Furrer hat nach Roman Wick und Julien Vauclair ein weiterer Spieler sein Desinteresse an der Nationalmannschaft öffentlich gemacht. Das gibt Platz für junge – und unbekannte – Spieler. Denn für die zwei Länderspiele dieser Woche gegen Finnland hat Nationalcoach Glen Hanlon einen Verteidiger mit dem Namen Michael Fora nachnominiert. Fora absolvierte noch kein NLA-Spiel, bestritt die vergangene Saison aber in der kanadischen Juniorenliga WHL für die Kamloops Blazers. Und der 19-Jährige aus Bellinzona, der in Ambri ausgebildet wurde, gehörte bei der letzten U20-WM dem Schweizer Team an, dessen GM Hanlon war.

Erstellt: 31.03.2015, 10:26 Uhr

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