Rad

Eine WM unter schwierigen Vorzeichen

Zum zweiten Mal in Folge werden die Urban Cycling WM in Chengdu ausgetragen. In China am Start ist in der Sparte Trial Debi Studer vom VTC Stäfa. Die 33-Jährige würde eine von zwei schweren Verletzungen geprägte Saison gerne mit einer Medaille abschliessen.

Bei der WM-Premiere in China wurde Debi Studer Sechste und war enttäuscht. Heuer wäre sie mit diesem Resultat wegen zwei Verletzungen sehr zufrieden.

Bei der WM-Premiere in China wurde Debi Studer Sechste und war enttäuscht. Heuer wäre sie mit diesem Resultat wegen zwei Verletzungen sehr zufrieden. Bild: PD/Armin M. Küstenbrück

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Bei der Premiere im Reich der Mitte ergatterte Studer vor Jahresfrist im Teamwettkampf eine Bronzemedaille. Im Einzel stiess sie als Weltcup-Gesamtdritte in den Final vor, musste sich dort aber mit dem 6. und letzten Platz begnügen. Heuer wäre für sie «schon der Finalvorstoss genial». Das hat primär zwei Gründe.

Ende Januar erlitt die Trial-Fahrerin mehrere Knochenbrüche im linken Bein, die mit Schrauben und Platten stabilisiert werden mussten. Der Unfall passierte während eines Plauschtrainings auf dem BMX. «Es war wirklich ein einfacher Sprung», sagt sie über das Missgeschick kopfschüttelnd. Es folgte eine für den Bewegungsmensch Studer, der kaum still sitzen kann, vorab mental harte Rehabilitationsphase.

Spektakuläre Randsportart: Debi Studers Highlights von der letzten letzten Weltcup-Saison.

Keine Erinnerung an Sturz

Dank eines Spezialschuhs stand Debi Studer beim Weltcup-Auftakt Anfang Juli im österreichischen Vöcklabruck wieder am Start. «Es lief besser als ich dachte, obwohl ich das operierte Bein während des Wettkampfs schon spürte», sagt die 33-jährige Baslerin, die für den VTC Stäfa startet. Es resultierte Rang 9, den Final der Top 6 verpasste sie überraschend knapp. Zwei Wochen später stiess Studer an den Heim-Europameisterschaften in Moudon auf Platz 5 vor. Dann folgte der zweite herbe Rückschlag.

Ende August vor dem Weltcup in Val di Sole vergnügte sich die Basler Kantonspolizistin in ihrer Freizeit auf einem Pumptrack. An den Sturz hat sie bis heute keine Erinnerung. Ihr Helm war entzwei. Sie verlor Zähne und trug eine Hirnerschütterung sowie einen gebrochenen linken Daumen davon. Die ehemalige MMA-Kämpferin liess sich davon allerdings nicht unterkriegen. Einen Monat später wurde sie am Weltcup in Antwerpen Zehnte. Beim Weltcup-Final Mitte Oktober in Berlin belegte die mit Abstand älteste Fahrerin im Feld den 12. Platz. Im UCI-Ranking liegt Studer bloss an 14. Stelle.

Das Schweizer Trial Team um die Stäfnerin Debi Studer ist in China angekommen und scheint sich dort pudelwohl zu fühlen. Quelle: facebook.com/swisstrialteam.

Plus- statt Minuspunkte

Am Sonntag flog sie als einziges weibliches Mitglied der Delegation von Swiss Cycling via Amsterdam nach Chengdu. Im Südwesten Chinas steht am Mittwoch der Teamwettkampf auf dem Programm. Die Mannschaft besteht neben ihr aus zwei Männern und zwei Junioren – je einer mit einem 20- und einem 26-Zoll-Rad. «Eine Medaille ist wieder möglich. Alle haben nur eine Chance», sagt Studer. 2017 patzte Kronfavorit Spanien, Frankreich erbte den WM-Titel. Die Schweiz wurde hinter dem punktgleichen Deutschland Dritte. Da jeder Athlet pro Sektor einen Schwierigkeitsgrad wählen kann, gilt es, sich taktisch klug selbst einschätzen zu können. Vor Jahresfrist hatte Studer genau das umsetzen können, was sie sich vorgenommen hatte.

«Der Daumen ist der limitierende Faktor.»
Debi Studer

Im Einzel liebäugelte sie bei der WM-Premiere in China mit einer Medaille. Nun wäre sie mit einem Top-10-Platz zufrieden. Der havarierte Daumen und das gebrochene Bein machen sich noch immer bemerkbar. Wobei die Hand der limitierendere Faktor sei. «Dafür ist die Erwartungshaltung nicht so gross.» Der Halbfinal steht am Donnerstag im Programm, der Final am Samstag. Gewertet wird nach dem neuen Pluspunktesystem, das im kommenden Jahr auch im Weltcup zur Anwendung gelangt. Bisher wurde jede Bodenberührung mit einem Fuss als Strafpunkt gewertet (maximal fünf pro Sektor). Neu wird jedes fehlerfrei passierte Tor mit zehn Punkten belohnt. «Weil das an der letzten WM schon so war, ist es für mich wohl etwas einfacher», sagt Debi Studer, die nach den Titelkämpfen ihre Blessuren auskurieren will, damit sie 2019 wieder voll angreifen kann. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.11.2018, 13:54 Uhr

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