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Ein 6:0 und ein verdutzter Boris Becker

Zum vierten Mal treffen Roger Federer und Novak Djokovic in Ohio aufeinander. Jedes Duell war besonders – und wurde vom Schweizer klar gewonnen.

Roger Federer steht nach einem Forfait-Sieg gegen David Goffin wieder einmal im Final von Cincinnati. Dort trifft er auf einen alten Bekannten.
Roger Federer steht nach einem Forfait-Sieg gegen David Goffin wieder einmal im Final von Cincinnati. Dort trifft er auf einen alten Bekannten.
Keystone
Novak Djokovic konnte seinen Halbfinal gegen Marin Cilic ebenfalls für sich entscheiden. So kommt es nach zweineinhalb Jahren wieder zum Aufeinandertreffen der Giganten. Es ist das vierte Duell in Ohio.
Novak Djokovic konnte seinen Halbfinal gegen Marin Cilic ebenfalls für sich entscheiden. So kommt es nach zweineinhalb Jahren wieder zum Aufeinandertreffen der Giganten. Es ist das vierte Duell in Ohio.
Keystone
Final 2018: Nach drei weiteren Jahren stehen sich der aktuelle Australian-Open-Champion und der Wimbledonsieger erneut im Final von Cincinnati gegenüber. Ging es nach den bisherigen Duellen, müsste der Schweizer in zwei Sätzen gewinnen.
Final 2018: Nach drei weiteren Jahren stehen sich der aktuelle Australian-Open-Champion und der Wimbledonsieger erneut im Final von Cincinnati gegenüber. Ging es nach den bisherigen Duellen, müsste der Schweizer in zwei Sätzen gewinnen.
Keystone
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28. Januar 2016. Es ist der Tag, als Roger Federer und Novak Djokovic das letzte Mal gegeneinander spielten. Im Halbfinal des Australian Open. Es ist auch der Tag, an dem Federer vom Serben richtiggehend vorgeführt wurde, zwei Sätze lang völlig chancen- und ideenlos den Bällen hinterherrannte. Drei Nächte später feierte Djokovic seinen sechsten Titel in Down Under. Und Federer verletzte sich zuhause im Badezimmer am Knie.

Es ist viel passiert

Viel hat sich seit diesem letzten Aufeinandertreffen der beiden Tennis-Giganten vor zweieinhalb Jahren geändert. Djokovic schaffte seinen Karriere-Slam mit dem Sieg am French Open, verlor daraufhin jedoch das Momentum und zahlreiche Matches, engagierte einen Guru und trennte sich von Boris Becker, verletzte sich am Ellbogen, kämpfte sich nach einer Operation langsam zurück und gewann im Juli das Wimbledon-Turnier. Und er wechselte seinen Markenpartner: Von Uniqlo zu Lacoste.

Federers Halbfinal-Sieg gegen Goffin. Video: Tamedia

Federer ging fast den umgekehrten Weg. Nach langer Verletzungspause fügte er seiner Karriere drei weitere Grand-Slam-Triumphe (zweimal Melbourne, einmal Wimbledon) hinzu und sass zwischenzeitlich erneut auf dem Tennisthron. Und auch er hat einen neuen Sponsor: Uniqlo statt Nike.

Nun stehen sich die beiden wieder gegenüber – zur Freude der Tennisfans. Das Head-to-Head widerspiegelt die engen Duelle der Rivalen. 23-mal ging der Sieg an Djokovic, einmal weniger an Federer. Cincinnati könnte nun die passende Stätte sein, um die Statistik auszugleichen. Denn: In den bisherigen drei Final-Duellen in Ohio war es stets Federer, der seinen Gegner schlug, ja teilweise sogar überrumpelte.

2009: Auf der Euphorie-Welle zur Revanche

Es ist eine denkwürdige Saison für Roger Federer. Nach einer herben Enttäuschung im Australian-Open-Final gegen Raphael Nadal kann sich der Baselbieter in Paris seinen Traum des Karriere-Slams erfüllen. Beflügelt vom Erfolg siegt er Wochen später auch in Wimbledon und löst Pete Sampras mit den meisten Grand-Slam-Siegen ab. Nun gilt er endgültig als einer der Besten der Tennis-Geschichte, wenn nicht sogar als der Beste.

So ist logisch, dass Federer auch für das US Open 2009 als Favorit gehandelt wird – und dies stellt er Wochen zuvor in Cincinnati deutlich unter Beweis. Die damalige Weltnummer 1 stürmt wie ein Hurrikan durch das Turnier und sieht sich im Final nur noch einem jungen Serben gegenüber.

Federer hat mit Djokovic noch eine Rechnung offen. Die beiden letzten Duelle im gleichen Jahr gingen verloren, eines in Miami, das andere in Rom. Es ist Zeit für die Revanche. Der Schweizer, euphorisiert nach seinen beiden Grand-Slam-Siegen, dominiert zu Beginn die Partie nach Belieben, gewinnt den ersten Durchgang mit 6:1. In den vorherigen 11 Duellen ging noch nie ein Satz so deutlich zu Ende. Djokovic leistet im zweiten Umgang zwar mehr Gegenwehr, doch es reicht nicht. Federer gewinnt glatt in zwei Sätzen und seinen dritten Titel in Ohio.

2012: Das erste und einzige Mal

Drei Jahren später treffen sich die beiden zum zweiten Mal auf dem Centre Court von Cincinnati. Die Vorzeichen sind ähnlich wie 2009: Federer tritt als aktuelle Weltnummer 1 und neuer Wimbledonsieger an, scheint voller Selbstvertrauen. Und dies bekommt Djokovic mit voller Wucht zu spüren.

6:0 zugunsten des Schweizers endet der erste Satz. Diskussionslos. Die Fans applaudieren verhalten, wohl verwundert über das äusserst klare Resultat. Es ist eine Premiere und gleichzeitig eine Einmaligkeit. Zuvor wie auch danach gibt es niemals mehr einen Satz zwischen den beiden, der zu null endet.

Gleich wie im ersten Aufeinandertreffen in Ohio kann sich Djokovic erneut fangen und kämpft sich bis ins Tie-Break. Doch Federer behält die Oberhand und feiert seinen Titel Nummer 5 in Cincinnati.

2015: Der SABR treibt Djokovic fast zur Weissglut

Es geht im Drei-Jahres-Takt weiter. Nur ist 2015 die Ausgangslage neu. Im insgesamt 41. Spiel zwischen den beiden ist Djokovic als klare Nummer 1 der Favorit. Dies auch, da der Serbe zuvor den nervenaufreibenden Wimbledon-Final gegen Federer in vier Sätzen gewinnen konnte und somit mental im Vorteil ist.

Doch, wie immer in Cincinnati, spielt Federer besser. Dies hat mit einem Schlag zu tun, den der Baselbieter an diesem Turnier erstmals als Waffe nutzt: der SABR (Sneak Attack by Roger). Im ersten Satz schleicht sich Federer bei einem Service von Djokovic an die T-Linie, retourniert den Ball extrem früh und zwingt seinen Gegner so zum Fehler. Djokovic-Trainer Boris Becker reagiert verdutzt ob Federers unkonventioneller Taktik, schaut ungläubig umher. Als der Schweizer den Schlag später im Tie-Break wiederholt und erneut Erfolg hat, zerschmettert Djokovic aus Wut fast sein Racket. Federer gewinnt die Kurzentscheidung 7:1 und kurz darauf die Partie.

So perplex reagiert Becker auf den SABR. Video: Youtube

9 oder 99?

Es ist wie ein Naturgesetz. Seit 2009 treffen sich Federer und Djokovic alle drei Jahre für ein paar Stunden auf dem Court von Cincinnati. Eigentlich sollte der Schweizer, gemessen an den bisherigen Partien in Ohio, auch diesen Final gewinnen.

Doch beide Spieler sind genug motiviert. Djokovic könnte mit einem Sieg der einzige Spieler werden, der alle neun Masters-1000-Turniere gewinnen konnte. Und Federer könnte mit einem Triumph seine Anzahl Turniersiege auf 99 raufschrauben. Klar ist: Die Partie zwischen den beiden wird, wie immer in Cincinnati, besonders.

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