Automobil

«Der Fanboost ist nicht fair»

Seit 2014 fährt Nick Heidfeld in der Formel E. Am Sonntag bestreitet der 41-Jährige, der mit seiner Familie in Stäfa wohnt, sein Heimrennen in Zürich. Das Mittagessen wird der langjährige Sauber-Fahrer wohl vor dem Computer einnehmen.

Am Üriker Seifenkistenrennen 2017 hatte Nick Heidfeld einen Heimauftritt. Der zweite folgt am Sonntag in Zürich in der Formel E.

Am Üriker Seifenkistenrennen 2017 hatte Nick Heidfeld einen Heimauftritt. Der zweite folgt am Sonntag in Zürich in der Formel E. Bild: Archivfoto: David Baer

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Der eGP vor zweieinhalb Wochen in Berlin wurde in den deutschen Medien als Ihr Heimrennen bezeichnet. Welche Bedeutung hat für Sie das Rennen am Sonntag in Zürich?
Nick Heidfeld: Das ist schon noch spezieller als jenes in Berlin. In Deutschland bin ich bereits einige Rennen gefahren. Zürich ist jetzt viel mehr meine Heimat, ich bin oft in der Stadt unterwegs. Und mein Wohnort am rechten Seeufer liegt nur eine halbe Stunde von der Rennstrecke entfernt.

Ein echtes Heimspiel hätten Sie aber am Üriker Seifenkistenrennen, das vor zehn Tagen zum zweiten Mal ausgetragen wurde.
(lacht) Bei der Premiere vor einem Jahr nahm ich die Ehrung der Tagesbesten vor. Nun musste ich leider passen, weil mein Terminkalender so voll ist.

Wünschen Sie sich, dass eines Ihrer drei Kinder dereinst im Motorsport in Ihre Fussstapfen tritt?
Das ist für mich eine extrem zwiespältige Sache. Zum einen weiss ich aus eigener Erfahrung, dass es ganz schwierig ist, an die Spitze zu kommen und davon leben zu können. Neben den immensen Kosten sind da auch die Gefahren, denen man seine Kinder als Vater nicht unbedingt aussetzen möchte. Dann ist der Rennsport aber auch meine Passion, weshalb ich keinem meiner Kinder im Weg stehen würde, wenn es sich für eine solche Karriere entscheiden würde.

Haben Sie einen Heimvorteil, da Sie in Zürich schon mehrfach auf der Strecke waren?
Ich spaziere gerade jetzt während unseres Telefongesprächs über die Strecke. Einen Vorteil bringt mir das aber nicht. Alle Fahrer in der Formel E haben Rennsimulatoren, auf welchen sie sich an die ausserhalb der Renntage nicht in hohem Tempo befahrbaren Stadtkurse gewöhnen können.

Eine Eigenheit der Formel E ist der sogenannte Fanboost. Anhand eines Online-Votings wird an drei Fahrer Zusatzenergie vergeben. Sie kamen in dieser Saison bisher noch nie in den Genuss davon. Betreiben Sie zu wenig Fanarbeit?
In den ersten beiden Jahren bekam ich diesen Vorteil häufig. Aber er gefällt mir eigentlich nicht, weil er unfair ist. Meine Follower will ich nicht damit belästigen, dafür Werbung zu machen. Zudem gibt es Gerüchte, dass bei dieser Wahl nicht alles mit rechten Dingen zu und her gehe.

«Die Lust am Fahren ist noch immer da.»Nick Heidfeld

Ausser im ersten eGP in Honkong, wo Sie Dritter wurden, lief es Ihnen in dieser Saison nicht nach Wunsch. In der Gesamtwertung belegen Sie bloss Platz 13. Wo orten Sie die Gründe?
Bei Mahindra dachten wir, in dieser Saison endlich ein Auto zu haben, mit dem wir um den Sieg mitfahren können. Die Performence war zu Beginn auch gut, zuletzt aber nicht mehr so stark.

Das lässt sich auch am Abschneiden Ihres Teamkollegen, dem Schweden Felix Rosenqvist, ablesen. Er ist zwar noch Gesamtdritter, kam in den letzten drei Rennen jedoch auch nicht mehr auf Touren.
Ja. Felix hat viele Toprennen abgeliefert. Seine beiden Siege feierte er im zweiten und dritten GP.

Inwiefern hilft Ihnen die Erfahrung aus 183 Formel-1-GPs?
Die half vor allem bei der Entwicklung des Autos enorm. Die Teams in der Formel E sind viel kleiner, Inputs der Fahrer deshalb besonders wertvoll. Auf der Strecke selbst bringt die Erfahrung nicht so viel.

Weil sich die Autos der beiden Klassen stark unterscheiden?
Ja, in der Formel E ist das Tempo mit 220 km/h viel geringer. Ich erinnere mich noch gut, als ich zum ersten Mal in einem Formel-1-Wagen sass und in Silverstone durch die Highspeed-Kurve Stowe fuhr. Da waren die Gedanken definitiv noch nicht dort, wo sich das Auto bereits befand. An die Tempi über 300 km/h gewöhnt man sich aber mit der Zeit.

Dann ist das Fahren in der Formel E also viel einfacher?
Weil weniger G-Kräfte wirken, ist die körperliche Fitness weniger entscheidend. Die Strecken – es wird ja meist auf einem Stadtkurs gefahren – sind aber komplizierter. Es gibt keine riesigen Auslaufzonen, die Fahrfehler verzeihen würden. Und mental ist es in der Formel E viel anstrengender. Die freien Trainings, das Qualifying und das Rennen finden alle an einem Tag statt. Dazwischen ist jede Minute vollgepackt mit weiteren Aktivitäten, etwa Autogrammschreiben. Da kommt es schon mal vor, dass ich das Mittagessen während der Besprechung mit den Ingenieuren vor dem Computer einnehme.

Sie stehen im dritten Jahr bei Mahindra Racing unter Vertrag. Wie sieht Ihre Zukunft im Rennsport aus?
Zu vertraglichen Dingen kann ich nichts sagen. Die Lust am Fahren ist noch da. Und ich mag es sehr, dass wir in der Formel E immer wieder auf neuen Kursen unterwegs sind. In der Formel 1 bin ich selbst auf den schönsten Strecken schon so oft gefahren, dass ich die Veränderung vorziehe. Die Stadtkurse in Monaco und Singapur waren immer speziell, in der Formel E haben wir nur solche.

* Das Interview wurde telefonisch geführt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.06.2018, 15:27 Uhr

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