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Blut, Schweiss und Tränen

Stan Wawrinka gewann gestern seinen dritten Grand-Slam-Final. Er siegte nach knapp vier Stunden 6:7, 6:4, 7:5, 6:3 gegen Novak Djokovic und ist nun US-Open-Champion.

Erschöpfter Sieger: Stand Wawrinka umarmt Novak Djokovic nach dem Sieg am US-Open.
Erschöpfter Sieger: Stand Wawrinka umarmt Novak Djokovic nach dem Sieg am US-Open.
Keystone

Erst nach dem Matchball - nach 3 Stunden und 55 Minuten - erlaubte es sich Stan Wawrinka, doch noch eine Schwäche zu zeigen. Plötzlich zeigte auch er, der zuvor so bärenstark gewirkt hatte, dass er am Ende seiner Kräfte war. Er hatte den Titelverteidiger und Weltranglisten-Ersten niedergerungen, weil er entschlossener, mutiger und physisch stärker war. Sogar für einen ausgelassenen Jubel war Wawrinka zu müde. Fast schon quälend langsam stieg der Schweizer die Treppen hoch, um in der Spielerbox seine Liebsten - erst Coach Magnus Norman, dann Freundin Donna Vekic, seine Schwestern und Eltern - zu umarmen.

«Er war bei den Breakbällen mutiger als ich»

Es hatte eine Parforce-Leistung gebraucht, damit Wawrinka seine perfekte Bilanz in Grand-Slam-Finals wahren und nach dem Australian Open 2014 und dem French Open 2015 zum dritten Mal eine der vier grossen Trophäen des Welttennis in den Händen halten konnte. Djokovic, der auf dem Weg in den Final mit knapp neun Stunden nur halb so lange auf dem Platz gestanden hatte wie Wawrinka, war besser gestartet. Zwar holte der Waadtländer einen 1:4-Rückstand auf, doch mit einem miserablen Tiebreak (1:7) ging der erste Satz dennoch verloren. Nach dem gewonnenen zweiten Satz fiel eine Vorentscheidung im dritten Durchgang. Wawrinka brachte einen 3:0-Vorsprung nicht über die Runden, mit einer knallharten Vorhand schaffte er aber das Break zum 7:5.

Danach war der Serbe, der in nun sieben US-Open-Finals lediglich 2011 und 2015 triumphierte, deutlich angezählt. Er nahm sich noch zwei medizinische Auszeiten, um einen blutenden Zeh behandeln zu lassen, doch Wawrinka liess sich nicht mehr vom Weg abbringen. Beim zweiten Matchball unterlief Djokovic ein Rückhand-Fehler. Der Schweizer hatte nicht wie beim French Open 2015 mit spielerischer Brillanz gewonnen, sondern mindestens ebenso sehr dank Ausdauer und Nervenstärke. Während die Weltnummer 1 nur gerade 3 von 17 Breakchancen nutzte, machte Wawrinka aus seinen 10 Möglichkeiten 6 Breaks. «Er war bei den Breakbällen mutiger als ich», gestand der Serbe ein. Und so endete ein Abend, der für Wawrinka mit Tränen begonnen hatte, im schweissgebadeten Jubel.

Vor Spielbeginn geweint

Nach dem Spiel machte Wawrinka nämlich ein verblüffendes Geständnis. «Vier oder fünf Minuten vor Matchbeginn, während der letzten Besprechung mit Magnus (Norman, Wawrinkas Coach; d. Red.), liefen mir plötzlich die Tränen herunter.» Er sei unheimlich nervös gewesen und habe den Druck gespürt, diesen Final unbedingt gewinnen zu wollen. Dabei war er mit eher geringen Erwartungen nach New York gekommen, nachdem er seine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro wegen Rückenschmerzen hatte absagen müssen. In der Woche vor dem Turnier habe er aber eine seiner besten Trainingswochen überhaupt gehabt.

Dennoch musste er sich von Spiel zu Spiel steigern. Wawrinka gewann als erster Spieler seit Djokovic 2011 (im Halbfinal gegen Roger Federer) das US Open, nachdem er einen Matchball hatte abwehren müssen (in der 3. Runde gegen Daniel Evans). «Es braucht immer auch ein wenig Glück», stellte er fest. Vor allem aber brauchte es die richtige Einstellung und die nötige Fitness bei meist grosser Hitze und Luftfeuchtigkeit. «Ich habe gegen Del Potro, Nishikori und Djokovic extrem leiden müssen.» Er habe seine Grenzen, zu was er körperlich fähig sei, nach oben verschoben. Und vor allem: Wawrinka zeigte seinen Gegnern in keiner Phase, wie sehr er litt.

Für die ATP-Finals qualifiziert

Verblüffend ist die Fähigkeit des Lausanners, auf den Punkt genau bereit zu sein. Trotz der Nervosität vor dem Endspiel. Erst dreimal hat er in seiner Karriere eine Nummer 1 der Welt bezwungen - alle in seinen drei Grand-Slam-Finals. Zudem gewann er in New York, wo er der älteste Sieger seit Ken Rosewall 1970 ist, seinen elften Final in Serie. Lohn sind 3,5 Millionen Dollar Preisgeld und die Qualifikation für die ATP-Finals in London.

SDA/heb

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