Wädenswil

«Bin nicht so heikel oder eitel»

Im dritten Teil der Adventsserie beantwortet der 34-jährige Alain Nef Leserfragen. Der in Wädenswil aufgewachsene Innenverteidiger gehört zu den Ältesten der 1. Mannschaft des FCZ.

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Wann treibt Sie ein Schiedsrichter zur Weissglut?
Alain Nef: Wenn er vor dem Anpfiff einen auf Kollege macht und dann alles gegen einen pfeift oder gar nicht mehr mit sich reden lässt.

Welche Rote Karte werden Sie nie vergessen?
Sicher jene, die ich in der vergangenen Saison im zweitletzten Meisterschaftsspiel gegen Sion sah. Mein Frust war gross, weil ich gewusst habe, dass wir mit einem Remis (die Partie endete 2:2, Red.) zu 99,9 Prozent absteigen werden. Ich ahnte, dass St. Gallen in der letzten Runde gegen Lugano nicht gewinnt. Und auch die letzte, welche ich mir im Heimspiel (Mitte Oktober, Red.) gegen Le Mont beim Tumult in der Nachspielzeit einhandelte.

Wer war weshalb Ihr unangenehmster Gegenspieler?
Das war natürlich Messi in Spanien. Die Frage nach dem Warum erübrigt sich, schliesslich ist er einer der besten Spieler der Welt.

Welches war Ihr verrücktestes Auslandabenteuer?
Als ich in der Serie B bei Piacenza spielte (2006 bis 2008, Red.) , hatten wir eine Auswärtspartie in Crotone. Während der ersten Halbzeit wurde unsere Garderobe komplett leergeräumt.

Mit wem würden Sie gerne mal zusammenspielen?
Gerne wäre ich mal mit David Beckham in einem Team gewesen, um zu erfahren, wie er so ist. Ich glaube, er ist ein cooler Typ.

Wer ist bei Euch im Team der Witzbold?
Am Anfang war ich das, aber jetzt hat mich Adrian Winter abgelöst. (lacht) Er veräppelt aber auch gerne Journalisten. (schmunzelt)

Was schätzen Sie an Trainer Uli Forte?
Er ordnet alles dem Fussball unter und ist ein Workaholic. Forte kommt am Morgen als Erster und geht am Abend als Letzter. Er kann einen gut motivieren und ist sehr sprachgewandt.

Wann sind Sie besonders stolz auf die FCZ-Fans?
Immer. Vor allem aber, wenn sie am Montagabend um 19.45 Uhr trotz gefühlten Minustemperaturen so zahlreich in Chiasso erscheinen, wie dies vor gut zwei Wochen der Fall war. Wir alle sind ihnen sehr dankbar für ihre intensive Unterstützung in der Challenge League. Nicht zu sprechen von den Fans, die uns unter der Woche in der Europa League in Spanien, Rumänien oder in der Türkei unterstützten.

Was möchten Sie in Ihrer Karriere unbedingt noch erreichen?
Den Aufstieg mit dem FCZ. Das habe ich noch nie geschafft, wir spielen aber auch erstmals in der Challenge League. Und ein weiterer Meistertitel (2006 gewann Nef mit dem FCZ diesen, Red.) wäre auch nicht schlecht. Ich bin aber ein Realist und weiss, wie schwierig dies wird. Wichtig ist mir vor allem, dass ich gesund bleibe und noch möglichst lange spielen kann.

Gibt es im Fussball auch Freundschaften zwischen enorm rivalisierten Teams?
Ja, immer mehr sogar. Früher war das weniger der Fall. Heute gehen die Jungen zusammen in die Schule und spielen gemeinsam in Junioren- sowie Nationalteams, das verbindet. Meine ehemaligen Teamkollegen aus der Juniorenzeit spielen entweder nicht mehr oder nicht in der Challenge League. Ich habe aber immer wieder Kontakt zu Basels Trainer Urs Fischer und insofern sind wir befreundet.

Inwiefern haben sich die Hirarchien innerhalb Fussball-Mannschaften in den letzten Jahren gewandelt?
Sehr stark. Früher musste ein Junger weniger weit und bereit sein. Wir hatten damals mehr Zeit und wurden langsamer an die 1. Mannschaft herangeführt. Die älteren Spieler hatten das Sagen. Die jüngeren getrauten sich kaum, ihnen zu widersprechen. Im Bus mussten sie noch vorne sitzen, beim Einschiessen vor dem Spiel die Bälle holen oder waren die Wasserträger. Mir erging es auch noch so. Heute schiessen sich die Jungen mit mir ein oder würden sich dagegen wehren, einen Wassertank zu tragen. Es gibt weniger Typen, die zum Verein stehen und eine wirkliche Beziehung zu ihm aufbauen. Fussball ist vielmehr ein Business geworden.

Wovor haben Sie Angst?
Dass meiner Familie einmal etwas passieren könnte. Sonst fürchte ich mich vor nichts.

Womit kann man Sie am besten überraschen?
Da braucht es nicht viel. Ob mit einem Essen oder mit gemeinsamem Fischen, das spielt keine Rolle. Ich freue mich über alle schönen Momente im Leben.

Wie oft gehen Sie zum Coiffeur und wie wäre es mal mit einem Kurzhaarschnitt?
Ich wollte schon lange mal gehen. (schmunzelt) Da ich nicht so heikel oder eitel bin, verschob ich das immer wieder. Vor den Ferien ist ein Haarschnitt noch dringend nötig. Zu kurz will ich ihn aber nicht.

Erstellt: 09.12.2016, 12:04 Uhr

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