Hitzewelle

Ab in den Keller

Nicht nur die Strassenarbeiter schwitzen derzeit literweise. Die Sportlerinnen und Sportler rund um den Zürichsee müssen ihre Trainingseinheiten den hohen Temperaturen anpassen.

Wasser zum Kühlen von aussen und von innen ist für Sporttreibende derzeit unverzichtbar.

Wasser zum Kühlen von aussen und von innen ist für Sporttreibende derzeit unverzichtbar. Bild: Christian Pfander

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Für Schneesportler sind die aktuellen Temperaturen besonders weit von jenen während ihrer Wettkämpfe entfernt. Ohne Schweiss (im Sommer) kein Preis (im Winter) fordert aktuell aber einen besonders hohen Tribut. Der Thalwiler Skifahrer Reto Mächler absolviert den Hauptteil seines Konditionstrainings in Engelberg, wo er die Sportmittelschule besucht. «Wir sind oft in der Halle, da ist es mit der Hitze nicht so schlimm», relativiert der U-18-Schweizer-Meister im Riesenslalom.

Viel zu trinken, sei wichtig. Zum Essen müsse er sich bei diesen Bedingungen fast etwas zwingen. Und wenn Mächler von zu Hause in Thalwil eine Ausfahrt mit dem Velo macht, muss der Skifahrer ans Auftragen der Sonnencreme denken. Abkühlung gibt es für den 17-Jährigen dann sicher in den Sommerferien. Er plant Trainings in der Skihalle im französischen Amnéville und danach auf den Gletschern ob Saas-Fee sowie Zermatt.

Stechende Sonne

«Ich musste im Winter in eiskalten Hallen trainieren und fand das viel schlimmer als die Hitze im Sommer», sagt Pedja Milicic, der aus Bosnien stammende Trainer der SG Wädenswil/Horgen. In der Halle sei es zudem gar nicht so schlimm wie draussen. Den NLB-Handballern gönnt er in diesen heissen Tagen in den Trainings etwas mehr Trinkpausen. Ansonsten seien keine Anpassungen nötig, findet Milicic. Sein Sohn, der Fussballtrainings besucht, leide momentan aber schon. «Das grösste Problem ist dabei die stechende Sonne», sagt der 43-Jährige.

Die Fussballer am Zürichsee, die eben die Meisterschaft abgeschlossen haben, dürften froh sein, genau jetzt eine Pause einlegen zu können. Beim Zweitligisten Männedorf ist dies jedoch nicht der Fall. «Wir ziehen noch bis Anfang nächster Woche durch und machen dann drei Wochen Pause», sagt FCM-Trainer Mike Koller. Er trägt damit dem Umstand Rechnung, dass die meisten seiner Spieler im Juli in die Ferien fahren.

Zu den Trainingszeiten am Abend nach 19 Uhr brenne die Sonne nicht mehr ganz so schlimm vom Himmel, urteilt Koller. «Die physischen Aspekte stehen momentan nicht im Vordergrund. Zudem animieren wir die Spieler zum Trinken.»

Abkühlung im See

Einen grossen Vorteil hat Pascal Ryser. Der Trainingsstützpunkt von Swiss Rowing liegt am Sarnersee. Damit steht dem Thalwiler Ruderer das kühlende Nass unmittelbar zur Verfügung. «Nach dem Training hüpfen wir direkt in den See», sagt der 22-Jährige. Auch sonst ist das Flüssige aus seiner Sicht bei hohen Temperaturen absolut zentral. «In einem 100-minütigen Training trinke ich bis zu zwei Liter Wasser.»

Eben aus einem zweiwöchigen Höhentrainingslager in Südtirol zurückgekehrt ist Sina Frei. Nun trainiert die Mountainbikerin von zu Hause aus. Sie wohnt in Uetikon am See. «Wenn eine lange Einheit auf dem Programm steht, starte ich sowieso am Morgen, und dann ist es noch nicht ganz so heiss», sagt die bald 22-Jährige. Unterwegs müsse sie bei dieser Hitze einfach besonders viel trinken. Da Frei im Sommer oft in den Bergen trainiert, entkommt sie dort den hohen Temperaturen. Auch der nächste Renneinsatz der U-23-Europameisterin findet in der Höhe statt, es ist der Swisscup am Sonntag in Andermatt.

Nasse Socken

«Mein Körper kommt gut mit der Hitze zurecht», weiss der Stäfner Oliver Behringer. Der Radprofi vom Team Novo Nordisk hat in dieser Saison schon mehrere Rennen bei hohen Temperaturen absolviert. Sowohl Ende Februar in Ruanda als auch Ende Mai in China zeigte das Thermometer über 30 Grad. Um den Körper zu kühlen, kennt Behringer einige Tricks. «Ich mache vor dem Start die Socken, den Helm und die Haare nass.» Wenn es extrem heiss sei, könne man sich auch ein Eispack in den Nacken legen, erklärt der 23-Jährige. Um einer Dehydrierung vorzubeugen, sei die Flüssigkeitszufuhr wichtig. Das gelte auch für lange Trainingsfahrten.

Solche absolviert Behringer in dieser Woche allerdings nicht. Mit Blick auf die Strassen-SM am Sonntag gehe es vor allem darum, sich zu erholen und die Beine noch etwas zu bewegen. Im Anschluss folgt für den Stäfner ein weiterer Trainingsblock. Knapp drei Wochen wird er in der Sierra Nevada in Spanien auf knapp 2000 m ü. M. wohnen, wo es nicht ganz so heiss sein dürfte. «Für die Trainings müssen wir aber runter auf 700 Meter. Da werden wir am Abend froh sein, wieder in die Höhe zurückkehren zu können.»

Früh aufstehen

Gar kein Fan der herrschenden Hitze ist Paula Gross. «Joggen ist dann nicht mehr so gesund, und die Erholung dauert viel länger», weiss die Orientierungsläuferin aus Richterswil. Sie sei eigentlich überhaupt kein Morgenmensch, gesteht die angehende Sekundarlehrerin. «Aber bei dieser Hitze gehe ich tatsächlich am Morgen früh trainieren.» Ihren täglichen Dauerlauf absolviert sie jeweils vor dem Beginn der Blöcke ihrer Studienwoche um 8.15 Uhr. «Da muss ich zwischen 5 und 6 Uhr aufstehen und losjoggen», verrät Gross. Und da bei ihr ohne Frühstück gar nichts laufe, müsse sie auch dafür noch Zeit einplanen.

Bis zu den organisierten Trainings am Abend, etwa den Intervallen am Mittwoch, sei die Hitze dann auch nicht mehr ganz so gross. Auf alternative Sportarten – etwa Schwimmen – weicht die 23-Jährige selten aus. «Am ehesten gehe ich Velo fahren, da macht es der Fahrtwind erträglich.»

«Joggen ist nicht mehr so gesund, und die Erholung dauert viel länger.»Paula Gross, Orientierungsläuferin aus Richterswil

In die gleiche Kerbe schlägt Duathlet Fabian Zehnder. «Auf dem Rad ist die Hitze nicht so ein Problem.» Die Laufeinheiten absolviert der Primarlehrer aus Wädenswil derzeit bevorzugt am Abend. Wegen Stundenplan und Klassenlager ist der 32-Jährige zeitlich allerdings nicht ganz so flexibel und verzichtet deshalb auch auf eine Teilnahme an der EM am kommenden Wochenende in Rumänien.

Triathlet Ronnie Schildknecht weicht an ganz heissen Recovery-Tagen in den Keller aus. «Mit Pollenallergie und Asthma ist es draussen derzeit nicht lustig», sagt der 39-Jährige aus Langnau am Albis. In seinem «Pain Cave» im Keller gerät der neunfache Sieger des Ironman Switzerland allerdings auch ganz schön ins Schwitzen. Dank Zwift, in der virtuellen Welt sind reale Rad- und Lauftrainings auf der Rolle oder dem Laufband möglich, kann Schildknecht seine Ausdauereinheiten witterungsunabhängig absolvieren.

Erstellt: 25.06.2019, 16:30 Uhr

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