Wädenswil

Vor der WM und der Heimkehr

Ab Herbst wird Lars Posch den Kopf auch wieder für anderes brauchen als nur für Tischtennis. Zum Abschluss seines Jahres als Professional bestreitet er ab Sonntag die Einzel-WM in Ungarn.

Vor der Première: Der Wädenswiler Lars Posch vertritt die Schweizer an der Einzel-Weltmeisterschaft.

Vor der Première: Der Wädenswiler Lars Posch vertritt die Schweizer an der Einzel-Weltmeisterschaft. Bild: Michael Trost

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In der Zivilschutzanlage bereitet sich Lars Posch auf den nächsten Höhepunkt seiner noch jungen Karriere vor. Am Samstag reist der 20-Jährige vom TTC Wädenswil nach Budapest, um erstmals an einer Einzel-Weltmeisterschaft teilzunehmen. Von Dienstag bis Donnerstag poliert Nationaltrainer Samir Mulabdic seine Rohdiamanten unter Tage in Muttenz, in der Zivilschutzanlage Dorfmatt, in der zwei Tische rund um die Uhr zur Verfügung stehen. «Ich freue mich extrem, dass ich aufgeboten bin», sagt Lars Posch.

Der Finalist der Schweizer Einzel-Meisterschaft von 2018 schmunzelt. Vor einem Jahr war er bereits einer der Vertreter von Swiss Table Tennis an der Team-WM im schwedischen Halmstadt. «Es ist lustig, dass ich schon zwei Mal an einer WM dabei war, aber noch nie an einer Europameisterschaft», findet Posch. Erwartungen in Ergebnissen hat er keine. «Ich will einfach das Beste herausholen und möglichst viele Siege erzielen.» Am Ende einer Saison, in der er Leistungen ablieferte, die er mit dem Wort «durchzogen» kommentiert.

«Habe viel profitiert»

«Ich hatte ein paar Hochs, aber auch Tiefs», erzählt Lars Posch. Als 12-Jähriger war das Talent einst vom TTC Wollerau nach Wädenswil gewechselt, weil es dort Nationalliga-Teams gab. Mit 15 debütierte er, nun Sportschüler am Zürcher Gymnasium Rämibühl, in der höchsten Spielklasse. Im November 2016 vertrat Lars Posch die Schweiz zum ersten Mal in der EM-Qualifikation, im April 2018 durfte er die Team-WM bestreiten, und seit dem vergangenen Sommer trainiert er am Olympiastützpunkt in Saarbrücken als Professional.

«Ich habe viel profitiert, nicht nur in Taktik oder Technik», urteilt Lars Posch mit Blick auf seine Zeit in Saarbrücken. Zum Beispiel sei er im Dezember ausgelaugt gewesen im Kopf. «Ich wollte kämpfen, aber es ging nicht.» Da habe er gelernt, dass er viel mehr auf Pausen achten müsse. Nur: Die angestrebte positive Bilanz in der NLA-Meisterschaft, die wollte dem Nationalspieler trotz des intensivierten Trainings nicht gelingen. Von 42 Einzeln entschied er 18 für sich, und das Team zitterte lange um den Ligaerhalt.

Im Sommer endet das dem Tischtennis gewidmete Jahr zwischen Matura und Studium. Lars Posch wird ab Herbst Student der Maschineningenieurwissenschaften an der ETH in Zürich sein. «Es ist sicher nicht schlecht, dass ich den Kopf auch wieder für etwas anderes brauchen werde als nur für Tischtennis», meint er. «Wenn man nur Tischtennis spielt, denkt man auch nur an Tischtennis. Man hinterfragt viel – vielleicht zu viel. Als Student werde ich auch einmal mit Tischtennis abschalten müssen.» Aber alles hat zwei Seiten. Posch wird den Trainingsumfang reduzieren.

Umzug und Clubwechsel

Er werde immer noch trainieren «so viel es geht», sagt der 20-Jährige. Doch er ahnt, dass das erste Studienjahr anstrengend werden wird. Dieses müsse er ganz normal absolvieren wie alle anderen. «Die anderen Jahre kann ich dank meiner Swiss Olympic Talent Card aufteilen.» Posch wird von zu Hause ausziehen und nach Zürich zügeln. Und nächste Saison nicht mehr für Wädenswil, sondern für Rio Star Muttenz lizenziert sein – wegen der besseren Trainings. So weit weg sei das aber nicht. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahre er 70 Minuten bis zur Halle. «So lange hatte ich vorher auch von Einsiedeln an die Schule.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.04.2019, 16:39 Uhr

WM in Budapest

Einer von 310 Teilnehmern

Es ist schwierig, erfolgreich zu sein an der Einzel-Weltmeisterschaft, die vom 21. bis 29. April in Budapest ausgetragen wird. Neben Lars Posch vom TTC Wädenswil sind weitere 309 Athleten für das Einzel der Männer eingeschrieben. Nur 64 Spieler sind für die 1. Runde gesetzt. Um die weiteren 64 Plätze im Main Draw wird in 80 Qualifikationsgruppen à drei oder vier Spieler gekämpft. Von den 80 Gruppensiegern rücken 48 in den Hauptwettbewerb auf, die 32 anderen bestreiten ein zusätzliches Qualifikationsspiel.

Für Lars Posch heisst das: Er bestreitet am Sonntag und Montag zunächst zwei Einzel in der Qualifikation. Dazu spielt er mit Lionel Weber (Muttenz) auch das Doppel und mit Céline Reust (Uster) das Mixed-Doppel. Nationaltrainer Samir Mulabdic sagt: «Vieles hängt von der Auslosung ab. Lionel Weber und Rachel Moret können sicher die Hauptrunde erreichen. Lars Posch und Céline Reust werden hoffentlich die stärker eingestuften Gegner in ihren Gruppen herausfordern können.» (skl)

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