Vom «Le-Mans-Start» und heissen Cockpits

In Le Mans läuft das 24-Stunden-Rennen, an dem Vollgas gegeben, Bremsen abgefahren und Flüssigkeit verloren wird.

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62 Fahrzeuge sind am Samstag in das diesjährige 24-Stunden-Rennen von Le Mans gestartet. Es ist das grösste Starterfeld in der Geschichte des Rennens, das zahlreiche Anekdoten und interessante Fakten zu bieten hat:

  • Das 24-Stunden-Rennen begann mit einem fliegenden Start, bei dem die Piloten nach den Aufwärmrunden ohne Unterbrechung ins Rennen starten. Das war nicht immer so – bis 1969 begann das Rennen zu Fuss. Die Fahrer mussten beim Startsignal möglichst schnell zu ihren aufgereihten Autos rennen, diese starten und losfahren. Diese Form des Starts ging als «Le-Mans-Start» in die Geschichte ein.

  • Weil das Rennen so lange dauert, bilden jeweils drei Piloten ein Team und besetzen einen Wagen, in diesem Jahr sind 22 ehemalige Formel-1-Fahrer unter ihnen. Der bekannteste Fahrer dürfte Fernando Alonso sein, der aber nach dem Rennen von der Langstrecken-WM zurücktritt.

Am Sonntag um 15 Uhr endet das Rennen, anstrengende Stunden stehen den Fahrern noch bevor:

  • Im Cockpit können Temperaturen von über 40 Grad herrschen, bei einem Einsatz, der rund zwei Stunden dauert, verlieren die Piloten deshalb viel Flüssigkeit und bis zu sieben Kilogramm Körpergewicht. In den Pausen muss deshalb entsprechend viel gegessen und getrunken werden.

  • Über die 24 Stunden muss jeder Pilot mindestens sechs Stunden ans Steuer, darf aber innerhalb von sechs Stunden nicht mehr als vier Stunden fahren. Insgesamt darf ein Pilot nicht mehr als 14 Stunden übernehmen.

Einige Fakten zur Strecke:

  • Auf 85 Prozent des Circuit de la Sarthe drücken die Fahrer das Gaspedal voll durch. Der grösste Teil der 13,626 Kilometer langen Runde besteht aus Landstrassen, über neun Kilometer werden während des Rennbetriebs für den Strassenverkehr gesperrt. Die 14. Variante der Strecke wird mittlerweile gefahren, 1990 erfolgte etwa die Entschärfung der berühmt berüchtigten «Ligne Droite de Hunaudières» durch zwei Schikanen.

  • 1988 stellte auf dieser 5,8 Kilometer langen Gerade Roger Dorchy das Rekordtempo von 405 km/h auf. Zu schlagen gilt es die Rekorddistanz von 5410.713 Kilometern oder 397 Runden, die Mike Rockenfeller, Romain Dumas und Timo Bernhard mit dem Audi R15 TDI Plus 2010 aufstellten.

  • Trotz einem Durchschnittstempo von über 200 km/h müssen die Fahrer zwischendurch auch bremsen. Über die volle Distanz werden von den 32 Millimeter dicken Bremsscheiben, die bei den Prototypen der Kategorien LMP1 und LMP2 aus Karbon sind, nur vier Millimeter abgefahren, die Bremsbeläge verlieren acht bis zehn Millimeter. Die Bremsscheiben müssen heute kaum noch gewechselt werden, wenn doch, dauert das nur einige Sekunden.

  • Dafür müssen die Fahrer in die Box, wie auch für Tankfüllungen, Fahrerwechsel oder Arbeiten am Auto. Früher aber konnten die Fahrer mit mitgeführtem Werkzeug Reparaturen auf der Rennstrecke selbst durchführen. Sicherheitsbedenken dürften zur Abschaffung dieser praktischen Regel geführt haben.

Die 24 Stunden mit möglichst wenig Zeit in der Box verbringen, wollen auch fünf Schweizer:

  • Mit Rahel Frey ist auch eine Schweizerin am Start. Drei Fahrer, die in diesem Jahr unterwegs sind, verbinden Erfolgsgeschichten mit dem Rennen: So gewann Neel Jani (Rebellion Racing) 2016, Sébastien Buemi siegte als Teamkollege von Alonso (Toyota Racing) im Vorjahr und Marcel Fässler (Corvette Racing) konnte bereits dreimal den Gesamtsieg (2011, 2012, 2014) holen.

Dieses Jahr lief es für Fässler allerdings weniger gut. Er verlor bei schwierigen Bedingungen die Kontrolle über sein Auto und prallte mit hohem Tempo ungebremst in eine Leitplanke. Der 43-Jährige blieb unverletzt.

(tmg)

Erstellt: 15.06.2019, 22:29 Uhr

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