Eine Niederlage, die so richtig wehtut

Roger Federer muss eine bittere Enttäuschung verdauen. Dabei spielte er einen seiner besten Matchs überhaupt in Wimbledon.

Roger Federer verlässt den Court mit gesenktem Haupt. Die knappmöglichste Niederlage darf er aber als Ansporn für die nähere Zukunft nehmen. Foto: Reuters/Toby Melville

Roger Federer verlässt den Court mit gesenktem Haupt. Die knappmöglichste Niederlage darf er aber als Ansporn für die nähere Zukunft nehmen. Foto: Reuters/Toby Melville

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So mitreissend und herz­zerreissend kann Tennis sein. Roger Federer spielte im Final gegen Novak Djokovic einen seiner besten Matchs überhaupt in Wimbledon. Trotzdem stand er zuletzt nur mit dem Silberteller da, nicht mit dem goldenen Pokal. Er gewann 14 Punkte mehr als der Serbe (218:204), verpasste sogar zwei Matchbälle. Es ist eine Niederlage, die so richtig wehtut. Und die an 2008 erinnert, als er in der Dämmerung von Rafael ­Nadal entthront wurde.

Jene Partie vor elf Jahren gilt als bestes Tennisspiel überhaupt. Welche Bedeutung dem gest­rigen Marathonspiel gegen Djokovic in der Tennisgeschichte zukommen wird, weist erst die Zeit. Der Serbe verkürzte mit seinem Triumph den Rückstand auf Grand-Slam-Rekordsieger Federer auf vier Major-Pokale. Der Schweizer hätte seine jüngeren Rivalen zurückbinden können, nun wird es immer spannender: Er steht bei 20, Nadal bei 18, Djokovic bei 16. Und der Jüngste des Trios hat zuletzt ein rasantes Tempo beim Sammeln von Trophäen angeschlagen.

Federer dürfte noch eine Weile an seine verpassten Matchbälle denken. Oder seine von Ner­vosität geprägten Tiebreaks. Doch wenn er diesen Final verdaut hat – und darin ist er in der Regel ziemlich schnell –, wird er sehr viel Positives ziehen können aus Wimbledon 2019. Innert zweier Tage spielte er gegen Nadal und Djokovic acht Stunden Tennis auf allerhöchstem Niveau. Und das nicht einmal einen Monat vor seinem 38. Geburtstag.

Wie lange ist er noch bereit?

Das Alter scheint für Federers Karriere also kein limitierender Faktor zu sein. Er hat alles, um weitere Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Nicht am French Open, aber an den anderen drei Majors: in Melbourne, Wimbledon und New York. Die knappmöglichste Niederlage, die er nun an der Church Road erlitt, darf er also als Ansporn nehmen für die nähere Zukunft.

2017 gewann er Wimbledon ohne Satzverlust, doch man darf vermuten, dass der Federer von 2019 den Champion von damals geschlagen hätte. Er macht körperlich einen noch etwas stärkeren, ausdauernderen Eindruck. Und was sein Tennis betrifft, hat er eine sehr klare Idee, was er auf dem Court tun will, er tritt angriffig und variabel auf. Also so, dass seine Stärken am besten zur Geltung kommen.

Die Frage ist bei ihm nur, wie lange er noch bereit ist, so viel zu investieren in seinen Job, der seine grosse Leidenschaft ist. Denn um so fit zu sein im Alter Federers, dahinter steckt ganz viel Arbeit hinter den Kulissen. Und auch eine umsichtige Planung. Aber jetzt hat er zuerst einmal Ferien verdient. Weiter geht es für ihn in der zweiten Augustwoche in Cincinnati. Dann hat er bereits den 38. Geburtstag gefeiert.

Erstellt: 14.07.2019, 22:48 Uhr

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