Das nächste Duell mit Nadal droht früher, als Federer lieb ist

Roger Federer und Rafael Nadal gehen heute als klare Favoriten in ihre Achtelfinals in Wimbledon. Vieles spricht dafür, dass es im Halbfinal am Freitag zu ihrem 40. Duell kommt.

Auf der Rückhand sucht Roger Federer vor der entscheidenden Woche noch die Dosierung. Foto: Clive Brunskill (Getty)

Auf der Rückhand sucht Roger Federer vor der entscheidenden Woche noch die Dosierung. Foto: Clive Brunskill (Getty)

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Zwei Jahre habe er gebraucht, um ein Datum zu finden für seinen «Match in Africa» gegen Rafael Nadal, sagte Roger Federer – am 7. Februar 2020 ist es in Kapstadt so weit. «Ich wollte ihn so möglichst wenig stören. Aber irgendwann musste ich Druck machen und sagte: ‹Rafa, bitte …›» In Südafrika, der Heimat seiner Mutter Lynette, einmal Tennis zu spielen, sei schon lange eine Priorität für ihn gewesen. «Ich kann es kaum erwarten, auch wenn es sehr emotionell werden wird für mich.»

Viel schneller, als ihm lieb ist, könnte es dafür in Wimbledon zum nächsten Duell mit dem zwölffachen Paris-Sieger kommen. Vor der zweiten Woche, die heute mit allen Achtelfinals ­beginnt, deutet vieles darauf hin, dass sich die beiden am Freitag im Halbfinal gegenüberstehen. Der letztjährige Halbfinalist aus Mallorca, der damals das Endspiel mit einem 4:6, 6:3, 6:7, 6:3, 8:10 gegen Novak Djokovic in ­extremis verpasste, hat beim Zweitrundensieg über Nick ­Kyrgios früh Selbstvertrauen ­getankt und Schwung geholt, worauf er Jo-Wilfried Tsonga nur sieben Games überliess.

Nadal, der Federer am spielfreien Sonntag beim Training kurz traf, eröffnet heute das Programm auf dem Centre Court gegen João Sousa (ATP 69), der als erster Portugiese in Wimbledon so weit gekommen ist. Im Viertelfinal würde danach ein Ungesetzter warten, Sam Querrey (gegen den er 4:1 führt) oder Tennys Sandgren.

Federers grosse Serie

Federer erledigte seine ersten drei Siege wie Nadal mit 9:1 Sätzen, wobei er am Samstag gegen Lucas Pouille (ATP 28) im ersten Durchgang kritische Szenen ­bewältigen musste, vor allem bei einem Breakball zum 5:6. «Das war der erste richtige Test. Ich hatte gewusst, dass ich die ersten zwei Gegner wohl im Griff haben sollte», sagte Federer. Er sei «eigentlich» sehr zufrieden, wie er sich gefühlt habe. «Das lässt mich hoffen, dass ich ­besser spielen kann.» Das tönte nicht restlos überzeugt. In Englisch hatte Federer sogar gesagt: «Ich hoffe, dass es eine ausser­gewöhnliche Leistung von jemandem braucht, um mich zu stoppen, nicht nur eine mittelmässige.»

Während seine Vorhand gegen Pouille hervorragend funktionierte, sucht er auf der Rückhand noch immer die richtige Dosierung. Auch der Aufschlag war bisher noch nicht so effizient wie gewohnt. Das könnte mit dem Belag zusammenhängen. Nach Federers Informationen wurde der Rasen zwar genau gleich hergerichtet wie letztes Jahr. «Aber das ist wie beim Wein: Wegen des Wetters ist er doch nicht jede Saison identisch.» Weil die Matchcourts vor dem Turnier nicht ­bespielt werden, ist der Belag zu Beginn weich, mit jeder Partie aber wird er härter. Wichtig sei, mit dem Aufschlag die richtigen Stellen zu treffen, sagt Federer. «Vor allem jene gegen aussen ­haben bisher keine extreme Wirkung.»

Gemäss dem ATP-Chefstatistiker Craig O’Shaughnessy sind Federers Werte bisher ausgezeichnet, er habe mit Harrys, Clarke und Pouille aber auch eine sehr leichte Auslosung gehabt. Der Schweizer schaffte am Samstag einen Meilenstein, seinen 350. Sieg an einem Grand-Slam-Turnier – sowie einen Rekord: Als erster Spieler steht er zum 17. Mal in den Achtelfinals von Wimbledon. Bisher ist er in dieser Runde noch nie ausgeschieden, hat dabei 42 von 46 Sätzen und neun von elf Tiebreaks gewonnen.

Vorteil Routiniers

Am späten Nachmittag steht ihm auf dem Centre Court ein neuer Gegner gegenüber, der erstmals so weit gekommen ist, der 23-jährige Römer Matteo Berrettini. Der neuste Top-20-Spieler gewann in den vergangenen zwölf Monaten drei Turniere (Gstaad, Budapest, Stuttgart) und stand in Halle im Halbfinal. Gegen Bedene, Baghdatis und Schwartzman brauchte er aber neun Stunden und gab drei Sätze ab; Federer, der im Viertel­final auf Nishikori oder Kukuschkin treffen würde, dreieinhalb Stunden weniger.

Die grossen Verlierer der ersten Woche kamen aus der Gruppe der Top 10, von denen sich mit Djokovic, Federer, Nadal und Nishikori nur vier durchsetzten, so wenige wie letztmals 2008. Dafür erreichten die Routiniers wieder eine Bestmarke: Erstmals ist mehr als die Hälfte der Achtelfinalisten in Wimbledon über 30-jährig – insgesamt neun. Genau wie zuletzt am French Open, wo Federer im Halbfinal bei der 24. Niederlage im 39. Duell gegen Nadal chancenlos geblieben war.

Erstellt: 08.07.2019, 10:28 Uhr

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