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Auf dem Weg in die NormalitätDiese Länder lockern ihre Corona-Massnahmen

Spanier arbeiten wieder, Dänen öffnen Schulen. In anderen Gebieten scheint eine Entspannung dagegen in weiter Ferne. Die grosse Übersicht.

Spanien taut langsam auf: Hunderttausende durften am Montag wieder zur Arbeit fahren. Polizisten verteilen Schutzmasken an Pendler. Bild: Keystone
Spanien taut langsam auf: Hunderttausende durften am Montag wieder zur Arbeit fahren. Polizisten verteilen Schutzmasken an Pendler. Bild: Keystone

Wie soll die Rückkehr zu einer Art normalem Alltag nach der Corona-Pandemie am besten gelingen? Während Deutschland noch die geeignetste Exit-Strategie sucht, hat sich eine Reihe von Ländern bereits vorsichtig an eine Lockerung erster Corona-Massnahmen gewagt: Dänemark öffnet zunächst Krippen, Kindergärten und Schulen bis zur fünften Klasse, die Österreicher dürfen nach Ostern zumindest wieder in den Baumarkt und in kleinere Geschäfte. Ein Überblick über die Länder, die ihre ersten in der Corona-Krise ergriffenen Massnahmen lockern oder dies planen:

Dänemark: Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sprach von einer «ersten vorsichtigen Phase» der Öffnung: In einem ersten Schritt werden von Mittwoch an Kinderkrippen, Kindergärten sowie die Schulen für Kinder bis zur fünften Klasse wieder öffnen. Damit will die dänische Regierung zunächst die Eltern entlasten, die sich bislang neben der Arbeit auch noch um ihre jüngeren Kinder kümmern mussten.

Alle weiteren Massnahmen hat Frederiksen im selben Atemzug um vier Wochen verlängert: Die dänischen Grenzen, auch die nach Deutschland, bleiben vorläufig bis zum 10. Mai dicht. Gleiches gilt – Frederiksen zufolge zumindest bis zur nächsten Phase der Öffnung – für Restaurants, Cafés, Kneipen sowie Theater und weitere Freizeiteinrichtungen. Versammlungen mit mehr als zehn Personen sind weiter verboten, Grossveranstaltungen bis Ende August untersagt.

Österreich: Wie Dänemark hatte auch Österreich besonders früh mit strikten Massnahmen auf das Coronavirus reagiert. In der Alpenrepublik geht es nun am Dienstag mit dem zaghaften Rückweg los: Kleine Geschäfte sowie Bau- und Gartenmärkte dürfen dann nach Angaben von Bundeskanzler Sebastian Kurz unter strengen Auflagen wieder öffnen. Vom 1. Mai an sollen alle Geschäfte, Einkaufszentren und Friseure folgen dürfen. Ein Zeitplan zur Öffnung von Hotels und Gastronomie soll Ende April stehen, Ziel ist eine Wiederaufnahme des Betriebs von Mitte Mai an.

Ein Angehöriger der österreichischen Armee vor dem Opec-Hauptquartier in Wien. Bild: Leonhard Foeger/Reuters
Ein Angehöriger der österreichischen Armee vor dem Opec-Hauptquartier in Wien. Bild: Leonhard Foeger/Reuters

Die Ausgangsbeschränkungen werden bis Ende April verlängert – das bedeutet, dass man die Wohnung weiter nur mit triftigem Grund verlassen darf. Die Schulen bleiben bis Mitte Mai zu. Veranstaltungen sollen bis Ende Juni nicht stattfinden. Die bestehende Maskenpflicht im Supermarkt wird von Dienstag an auf alle geöffneten Läden und die öffentlichen Verkehrsmittel ausgedehnt.

Tschechien: In Tschechien dürfen seit Donnerstag erste Geschäfte wieder öffnen. Es gab sogleich einen Ansturm der Kunden auf Hobby- und Baumärkte, weil viele in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen ihren Garten oder ihr Haus auf Vordermann bringen wollen. In den Tagen nach Ostern will die Regierung einen Plan für die weitere Lockerung der Corona-Massnahmen vorlegen. «Die Verbote werden nicht wild, sondern kontrolliert aufgehoben», sagte Ministerpräsident Andrej Babis in einer TV-Ansprache. Der Schulbetrieb soll frühestens Ende Mai wiederaufgenommen werden.

Die Regierung hat zwar weitere Ausnahmen beim geltenden Ein- und Ausreiseverbot in Aussicht gestellt, eine Öffnung der Grenzen für den Reiseverkehr scheint aber aktuell nicht zur Debatte zu stehen: «Ich denke, dass das sicherlich keine Frage der nächsten Wochen ist – vielleicht nicht einmal der nächsten Monate», sagte Gesundheitsminister Adam Vojtech im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Litauen: Auch im EU-Land Litauen keimt Hoffnung auf. Regierungschef Saulius Skvernelis hatte mehrfach betont, dass das Verhalten der Bevölkerung über die Feiertage entscheidend für mögliche Lockerungen der geltenden strengen Corona-Massnahmen sei. Das Osterwochenende könnte ein «Wendepunkt» werden, nach dem bei einer stabilen Situation eine schrittweise Rückkehr zur Normalität erfolgen könnte, sagte er am Karfreitag. Am Mittwoch will die Regierung einen Vier-Phasen-Plan vorlegen. Auch ein vorläufiger Zeitplan soll präsentiert werden.

Zunächst aber mussten die knapp drei Millionen Bewohner des katholisch geprägten Baltenstaats über Osten auf die üblichen Familienbesuche verzichten. Auf Anordnung der Regierung waren Reisen in andere Städte und Gemeinden ausserhalb des eigenen Wohnsitzes untersagt. Seit Freitag gilt zudem nun eine Mundschutzpflicht in der Öffentlichkeit – im Vorgriff auf die vorgesehenen Lockerungen. Den Anfang sollen Massnahmen für kleine Unternehmen machen.

Norwegen: Die Norweger folgen bei ihrem Weg aus dem Corona-Zustand teilweise ihren skandinavischen Freunden aus Dänemark – und wagen sich noch ein Stück darüber hinaus: Zwar werden die Kindergärten erst am 20. und die Schulen für Erst- bis Viertklässler am 27. April geöffnet, wie Regierungschefin Erna Solberg vor Ostern ankündigte.

Norwegens Schulen und Kindergärten bleiben vorerst noch zu. Verwaister Spielplatz in Oslo. Bild: Thomas Brun/Keystone
Norwegens Schulen und Kindergärten bleiben vorerst noch zu. Verwaister Spielplatz in Oslo. Bild: Thomas Brun/Keystone

Doch der Plan aus Oslo geht noch ein bisschen weiter: Zum einen dürfen die Norweger vom 20. April an wieder auf ihren geliebten Hütten übernachten, zum anderen dürfen unter anderen Friseure, Physiotherapeuten und Psychologen noch im April die Arbeit wiederaufnehmen. Die Grenzen des Landes bleiben weiter zu. Norweger, die in ihre Heimat zurückkehren, müssen weiter 14 Tage in Quarantäne.

Spanien: Hunderttausende Spanier durften am Montag erstmals nach zwei Wochen wieder zur Arbeit fahren. Der sogenannte Winterschlaf, mit dem die Regierung den Kampf gegen die Pandemie intensiviert hatte, ging in jenen Regionen zu Ende, in denen der Ostermontag kein Feiertag ist, zum Beispiel in Madrid. Von der umstrittenen Verschärfung der Ausgangssperre waren vor allem Baugewerbe und Industrie betroffen gewesen.

Ministerpräsident Pedro Sánchez warnte allerdings am Sonntag, es gebe noch keine echte Abschwächung der Ausgehsperre. «Erste Lockerungen wird es frühestens in zwei Wochen geben. Und die werden schrittweise und vorsichtig sein», sagte er. Die 47 Millionen Bürger dürfen somit weiterhin weder spazieren gehen noch Sport im Freien treiben.

Im von der Pandemie schwer betroffenen Land war der Alarmzustand samt Ausgangssperre jüngst bis Mitternacht des 25. Aprils verlängert worden. Die positive Tendenz im Kampf gegen das Virus hielt auch über Ostern an. Am Montag meldeten die Behörden knapp 3500 neue Infektionsfälle, die niedrigste Zahl seit dem 20. März.

Italien: Bei den Italienern wird über eine «Phase 2» gesprochen, doch zunächst wurden die strengen Ausgangsbeschränkungen für die 60 Millionen Einwohner bis zum 3. Mai verlängert. Sie gelten in dem stark von der Pandemie getroffenen Land seit dem 10. März. Die nicht lebensnotwendige Produktion ist gestoppt. Viele Läden sowie alle Restaurants und Bars sind zu, während der Lebensmittelhandel, die Apotheken, Tankstellen und anderes stets offen waren im ganzen Land. Gleich nach Ostern sollen nun einige Geschäfte, etwa Buch- und Schreibwarenläden, zusätzlich öffnen. Die besonders heftig betroffene Lombardei will diese Läden nicht so schnell wieder aufmachen, auch andere Regionen erlassen derzeit eigene Spezialbestimmungen.

Karfreitag in der norditalienischen Stadt Brescia, wo das Coronavirus besonders stark wütete: Ein Pfarrer segnet Bewohner von der Strasse aus. Bild: Filippo Venezia/Keystone
Karfreitag in der norditalienischen Stadt Brescia, wo das Coronavirus besonders stark wütete: Ein Pfarrer segnet Bewohner von der Strasse aus. Bild: Filippo Venezia/Keystone

Darüber hinaus hat die Regierung angekündigt, dass ein Expertengremium die schrittweise Rückkehr zur Normalität planen soll. Es ist vorgesehen, dass Unternehmen den Anfang machen, bevor die Massnahmen für die Menschen gelockert werden. Die Schulen könnten bis nach den Sommerferien, also bis September, geschlossen bleiben.

China: China scheint das Schlimmste hinter sich zu haben, aber von einer Rückkehr zur Normalität lässt sich nicht sprechen. Die Schulen sind weiter geschlossen, sollen voraussichtlich aber bis Ende April öffnen. Weiter wird im Land überall Fieber gemessen. Alle Chinesen sollen unverändert Mundschutz tragen.

Im Ursprungsort der Pandemie in Wuhan in Zentralchina sind nach zweieinhalb Monaten Abriegelung die Bewegungsbeschränkungen für die elf Millionen Bewohner aufgehoben – sofern sie in einer Corona-Gesundheits-App auf ihrem Handy einen grünen Code nachweisen können. Wer Kontakt zu Infizierten hatte, wird da automatisch auf Rot gesetzt und darf nicht reisen. Die Angst vor einer «zweiten Welle» der Infektionen geht um – besonders durch heimkehrende Chinesen und andere Reisende aus dem Ausland. Die grosse Mehrheit der neuen Ansteckungen sind solche «importierten Fälle».

Iran: Präsident Hassan Ruhani will die Corona-Vorschriften «unter besonders strengen hygienischen Auflagen» in drei Phasen lockern. In der ersten Phase wurde am vergangenen Samstag zunächst in den Provinzen die Arbeit in Wirtschaftsbereichen mit geringem Gefährdungsrisiko wieder aufgenommen. In der zweiten Phase soll dies eine Woche später (18. April) dann auch in der Hauptstadt Teheran passieren. Die Lockerungen gelten insbesondere für Produktionsstätten sowie Unternehmen des Dienstleistungssektors.

Ausgenommen sind weiterhin fast zwölf Branchen, bei denen die Ansteckungsgefahr besonders hoch ist, darunter Kaufhäuser und Einkaufspassagen, Restaurants und Cafés, Kinos und Theater, alle Sportanlagen sowie Friseure und Schönheitssalons. Auch die Schulen, Universitäten und Kitas bleiben zu, genauso wie religiöse Stätten wie Mausoleen und Moscheen. Freitagsgebete finden bis auf Weiteres auch nicht mehr statt. Je nach Erfolg der ersten beiden Phasen soll dann über die Wiedereröffnung der verbotenen Branchen entschieden werden.

Noch keine Lockerung in Sicht

In Grossbritannien ist der Höhepunkt der Pandemie noch nicht erreicht. Es wird daher nicht damit gerechnet, dass die Ausgangsbeschränkungen gelockert werden. Gleiches gilt für Frankreich, wo Experten immer wieder betonen, dass derzeit noch nicht der richtige Moment sei, um über Lockerungen nachzudenken.

In den USA, wo bis zum Montag mehr als 22’000 Todesfälle und damit so viele wie in keinem anderen Land der Erde gemeldet wurden, ist noch keine Lockerung beschlossen. Präsident Donald Trump will voraussichtlich am Dienstag ein Expertengremium vorstellen, das darüber beraten soll, wann und wie das Land wieder zum Normalbetrieb zurückkehren kann.

Ein Arzt gönnt sich vor einem Spital in New York City eine Pause. Bild: Caitlin Ochs/Reuters
Ein Arzt gönnt sich vor einem Spital in New York City eine Pause. Bild: Caitlin Ochs/Reuters

Trump hat es damit eilig, vor allem weil die US-Wirtschaft unter dem aktuellen Stillstand schwer leidet. Aber er will sich dazu den Rat von parteiübergreifenden Fachleuten aus verschiedenen Teilen des Landes holen. «Das ist mit Abstand die grösste Entscheidung meines Lebens», meinte der US-Präsident.

Afrika hat die ersten Corona-Fälle mit grosser zeitlicher Verzögerung zum Rest der Welt registriert, die Fallzahlen auf dem Kontinent sind mit knapp 14’000 bestätigten Infektionen und etwa 750 Todesfällen noch überschaubar. Viele afrikanische Regierungen haben schnell und entschlossen reagiert: Mittlerweile gibt es in fast allen Ländern unterschiedlich strikte Restriktionen. Südafrika etwa hat gerade erst sein Ende März verhängtes Ausgeh-, Alkohol- und Tabakverbot um zwei Wochen, Nachbarstaat Botsuana den nationalen Notstand um sechs Monate verlängert. Die Ausnahme auf dem Kontinent ist Tansania: Präsident John Magufuli hat ein Ausgehverbot bisher ausgeschlossen und lässt die Landgrenzen offen.

In den Niederlanden müssen die bis zum 28. April geltenden Corona-Massnahmen nach Angaben von Regierungschef Mark Rutte zumindest nicht verschärft werden. In Polen und in Ungarn ist eine Lockerung vorerst weiter ausser Sichtweite: Die Polen müssen von Donnerstag an zusätzlich zu den bestehenden Schutzmassnahmen in der Öffentlichkeit Mundschutz tragen, in Ungarn hat Ministerpräsident Viktor Orban vor Ostern die Ausgangsbeschränkungen auf unbestimmte Zeit verlängert.

Im Südosten Europas gibt es derzeit noch keine konkreten Fahrpläne. Dort hat sich Slowenien noch am weitesten vorgewagt: Regierungschef Janez Jansa kündigte vor einer Woche an, es werde momentan der Neustart der Industrie- und Gewerbebetriebe, von Teilen des Dienstleistungssektors, des Einzelhandels und des öffentlichen Verkehrs geprüft. In Serbien sagte Präsident Aleksandar Vucic am Montag, dass der Ausnahmezustand – mit besonders rigorosen Massnahmen – Ende April oder im Mai aufgehoben werden könnte. Und in Kroatien hat die Regierung vor Ostern einige Massnahmen geringfügig gelockert: Geschäfte dürfen jetzt etwas länger geöffnet haben, einige Märkte wurden geöffnet. Weitere Lockerungen sind nicht geplant.