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Strandbad FeldbachSonnenbaden mit Hakenkreuz

Einem Besucher verging am Sonntag die Lust am Entspannen in der Badi Feldbach. Grund dafür war ein anderer Badegast, der eine grossflächige Hakenkreuz-Tätowierung zur Schau trug.

Ein Mann mit Hakenkreuz-Tätowierung sorgt in der Badi Feldbach für Unruhe.
Ein Mann mit Hakenkreuz-Tätowierung sorgt in der Badi Feldbach für Unruhe.
Archivfoto: Andreas Fässler

Oliver Steiner (Name geändert) traute seinen Augen kaum, als er am Sonntag in der Badi Feldbach zu Besuch war. «Ich habe einen Mann vor mir ins Wasser steigen sehen, dessen ganzes Schulterblatt von einem Hakenkreuz bedeckt war», erzählt er. Es habe sich nicht um ein Detail gehandelt, sondern um eine sicher 30 Zentimeter grosse Tätowierung.

«Das ist mir wirklich eingefahren», sagt Oliver Steiner. Er war nicht der Einzige, dem der Mann, der gemeinsam mit einem etwa achtjährigen Mädchen schwimmen war, aufgefallen ist. «Ich habe gesehen, dass andere Badegäste ihn auch angeschaut haben, aber niemand hat ihn angesprochen.» Auch er selbst traute sich nicht, den Mann mit dem Nazi-Symbol zur Rede zu stellen. Er sei schliesslich zur Kasse gegangen und habe gefragt, ob man nicht etwas machen könne. «Mir wurde gesagt, es handle sich um einen Stammgast, und man könne nichts machen, da es nicht verboten ist.»

Tatsächlich ist das Tragen von Hakenkreuzen oder auch das Zeigen des Hitlergrusses in der Schweiz nicht verboten. Ganz anders ist dies etwa in Deutschland, Österreich oder Frankreich, wo das Hakenkreuz in der Öffentlichkeit streng verboten ist. Eine Motion von SP-Nationalrat Angelo Barrile (SP, Zürich), die ein Verbot der öffentlichen Verwendung extremistischer, gewaltverherrlichender und rassistischer Symbole in der Schweiz fordert, wurde im Nationalrat noch nicht verhandelt.

Bekannter Neonazi

Doch könnte man nicht beispielsweise in der Hausordnung der Badi Feldbach das Tragen extremistischer Symbole verbieten? Immerhin steht das Hakenkreuz für ein totalitäres Regime, das Millionen von Menschen auf grausamste Art und Weise ermordet hat. «Mit dieser Problematik, dass solche Symbole per Körper der Öffentlichkeit präsentiert werden, sind wir das erste Mal konfrontiert», sagt Gemeindepräsident Rainer Odermatt (FDP). «Ich bin erschüttert und lehne solches Gedankengut entschieden ab. Wir werden versuchen, dass unsere Badeordnung entsprechend angepasst wird.» Dies, obwohl der Bund bislang noch nichts diesbezüglich entschieden zu haben scheine, ergänzt er.

Ein Unbekannter ist der ominöse Mann im Strandbad übrigens nicht. Es handelt sich um den in Hombrechtikon aufgewachsenen Sänger einer Neonazi-Band. Der Mann sitzt aktuell eine 12-monatige Gefängnisstrafe wegen eines Angriffs auf einen orthodoxen Juden in der Stadt Zürich ab. Vollzogen wird die Strafe in Halbgefangenschaft, was bedeutet, dass der Mann tagsüber unter der Woche sowie für Urlaube das Gefängnis verlassen darf.

«Nicht aufgefallen»

«Ich verstehe, dass die Leute den Kopf schütteln, wenn sie ihn beziehungsweise das Hakenkreuz auf seinem Körper sehen», sagt Odermatt, angesprochen auf die Gefahr, dass gerade Leute mit Migrationshintergrund wegen des besagten Badegastes aus Angst auf einen Besuch verzichten könnten. In der Badi sei er nicht durch sein Verhalten aufgefallen. «Trotzdem sind wir nicht bereit, dass solche Symbole in der Badi Feldbach der Öffentlichkeit präsentiert werden.» Odermatt ist es zudem wichtig zu betonen, dass der Mann nicht mehr in Hombrechtikon wohnt. Bis 2015 gab es in der Gemeinde wiederholt rechtsradikale Aktivitäten. Der Gemeindepräsident sagt aber, dass man seit längerer Zeit keine Probleme mit Rechtsradikalen mehr habe, und sieht den Badibesuch durch besagten Rechtsradikalen als Einzelfall.

Für Oliver Steiner, der in der Region aufgewachsen ist, und wieder einmal das «Bad seiner Kindheit» besuchen wollte, war der Aufenthalt in der Badi am Sonntag schnell beendet. «Solange bei Ihnen Nazis ein und aus gehen und unbehelligt ihre Tattoos zeigen, kann ich Ihr Bad nicht geniessen», schreibt er in einem Mail, das er sowohl der Gemeinde als auch dieser Zeitung geschickt hat. Ob er nun angesichts der Tatsache, dass das Hakenkreuz in der Badi Feldbach bald der Vergangenheit angehören soll, nächste Saison wieder nach Hombrechtikon kommt, konnte vor Redaktionsschluss nicht mehr eruiert werden.