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Pro und KontraSollen auch Primarschüler Masken tragen?

Nach den Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit gilt für Kinder unter 12 Jahren keine Maskenpflicht. Dennoch kommt es vor, dass auch in Primarschulen – beispielsweise in der Tagesschule Waldegg in Horgen – auf Masken zurückgegriffen wird.

Für Oberstufenschüler im Kanton Zürich gilt bereits Maskenpflicht im Unterricht – sollen auch Primarschüler Masken tragen müssen?
Für Oberstufenschüler im Kanton Zürich gilt bereits Maskenpflicht im Unterricht – sollen auch Primarschüler Masken tragen müssen?
Foto: Archiv / Tamedia

Ja

Philipp Schmidt, Co-Redaktionsleiterin Bezirk Meilen
Philippa Schmidt, Co-Redaktionsleiterin der Ausgabe Bezirk Meilen, ist für eine Maskenpflicht für Primarschülerinnen und -schüler.
Philippa Schmidt, Co-Redaktionsleiterin der Ausgabe Bezirk Meilen, ist für eine Maskenpflicht für Primarschülerinnen und -schüler.
Foto: Patrick Gutenberg

Wir sind in einer schwierigen Situation: Die Infektionszahlen mit dem Sars-CoV-2-Virus stagnieren auf hohem Niveau, jeden Tag sterben gut 100 Menschen in der Schweiz an oder mit Covid-19. Für die Patienten auf den Intensivstationen, für Pflegende, aber auch für Menschen, die unter Langzeitfolgen des Virus leiden, ist die Situation besonders hart. Angesichts dieser ernsten Lage darf eine Maskenpflicht für Primarschüler kein Tabu mehr sein.

Neueste wissenschaftliche Studien etwa aus den USA und Österreich zeigen nämlich, dass Kinder ebenso häufig wie Erwachsene infiziert sind. Wissenschaftler gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus, da Kinder selten Symptome aufweisen. Dazu, wie ansteckend Kinder sind, gibt es unterschiedliche Meinungen in der Wissenschaft. Der deutsche Epidemiologe Christian Drosten hat allerdings schon früh davor gewarnt, dass Kinder ebenso ansteckend wie Erwachsene seien. Auch nach einer Aktualisierung seiner Studie bleibt er bei diesen Aussagen.

«Angesichts der Lage darf eine Maskenpflicht für Primarschüler kein Tabu mehr sein.»

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass Kinder schon ab sechs Jahren an Orten, wo der Abstand nicht eingehalten werden kann oder bei Weihnachtsfeiern mit den Grosseltern sicherheitshalber einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Essenziell dabei ist es, sie mit einzubeziehen und ihnen die Hintergründe kindgerecht zu erklären. Völlig von den Auswirkungen der Corona-Krise abschotten, können wir Kinder sowieso nicht.

Und was bedeutet das Maskentragen für die Kinder? Ich frage eine Freundin, die im deutschen Wiesbaden wohnt: Zwei ihrer drei Kinder sind zwischen sechs und zwölf. Sie müssen wegen der dortigen Gesetze fast überall im öffentlichen Raum Maske tragen. Ihre Kinder würden es nicht mögen, aber sie kämen damit klar, schreibt die Freundin zurück. Dazu landen Fotos der Kinder mit bunten Masken beim Kerzenziehen oder auf dem Bauernhof in meinem Postfach. Traumatisierte Kinder sehen anders aus. Von daher: Maske auf auch bei Kindern, damit wir die Infektions- und vor allem die Todeszahlen endlich senken können!

Nein

Martin Steinegger, Leiter Online Zürcher Regionalzeitungen
Martin Steinegger ist gegen eine Ausweitung der Maskenpflicht an den Schulen der Unterstufe.
Martin Steinegger ist gegen eine Ausweitung der Maskenpflicht an den Schulen der Unterstufe.
Foto: Patrick Gutenberg

Als Vater von drei schulpflichtigen Töchtern erlebe ich unmittelbar, was die Coronavirus-Pandemie in unseren Schulen anrichtet. Das Virus ist eine Katastrophe. Allerdings ist diese Katastrophe nicht medizinischer Natur.

Kinder erkranken fast nie schwer. Am Zürcher Kinderspital sind Covid-19-Intensivpatienten eine Rarität. Wie stark die Kinder als Träger des Virus fungieren, wird zwar kontrovers diskutiert. Gemäss neusten Daten des Bundesamtes für Gesundheit finden allerdings nicht einmal 2 Prozent der nachgewiesenen Ansteckungen in Schulen statt. Unter Pädiatern dominiert die Ansicht, dass Kinder keine Treiber dieser Pandemie sind.

Kinder und Jugendliche sind aber dennoch Leidtragende. Sie leiden unter den Schutzmassnahmen gegen die Pandemie. Die soziale Isolation setzt ihnen zu, sie entwickeln Ängste, Unsicherheit und Depressionen. Wenn es um Schutzmassnahmen geht, ist deshalb ein sorgfältiges Abwägen nötig.

«Die Kinder müssen bei dieser Pandemie nicht in die Pflicht genommen werden.»

Das gilt auch für die Maskentragpflicht in der Schule. Dass Oberstufenschüler und Gymi-Schüler Masken tragen sollen, ist zumutbar. Sie sind (meistens) reif genug, um den Sinn dahinter zu verstehen und sich an die Regeln zu halten. Auf den Gesichtern von Primarschülern oder sogar Kindergärtnern, bei denen die Mimik für die Kommunikation essenziell ist, haben Masken hingegen nichts verloren. Je jünger das Kind, desto unsinniger ist eine Maskentragpflicht – die Verhältnismässigkeit geht verloren.

Und seien wir ehrlich: In der Unterstufe wäre diese Massnahme gar nicht umsetzbar. Masken nützen nur etwas, wenn sie korrekt getragen werden. Die Lehrperson tut mir jetzt schon leid, die eine Maskentragpflicht bei einem wuseligen Haufen von Viertklässlern durchsetzen muss. Das Maskentragen verkäme zur Alibiübung. Ganz nach dem Motto: Jeder weiss, dass es nichts bringt – aber um Sicherheit vorzugaukeln, machen wir es trotzdem.

Die Kinder müssen bei dieser Pandemie nicht in die Pflicht genommen werden. Die Erwachsenen haben hingegen die Pflicht, Kinder zu schützen und ihnen ein Leben zu ermöglichen, das so normal wie möglich ist. Masken sind da fehl am Platz.

3 Kommentare
    Thomas Mutter

    Martin Steinegger, Danke! Auf den Punkt gebracht