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Porträt Corona-DiplomatinSie bringt den Impfstoff in die Schweiz

Nora Kronig Romero verantwortet das grösste Logistikprojekt des Schweizer Gesundheitswesens – das Impfprogramm gegen Corona. Die Genferin ist sich sicher: Die Schweiz verfolgt die richtige Strategie.

In Genf aufgewachsen, im Oberwallis verwurzelt: Nora Kronig Romero, die Chefin des Schweizer Corona-Impfprogramms.
In Genf aufgewachsen, im Oberwallis verwurzelt: Nora Kronig Romero, die Chefin des Schweizer Corona-Impfprogramms.
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Der Corona-Impfstoff ist da. Ein Kanton nach dem anderen zelebriert den ersten Pikser. Doch Euphorie kommt im Volk keine auf, obschon mit einem so frühen Start der Impfkampagne noch vor wenigen Monaten niemand rechnen konnte. Stattdessen wird genörgelt und kritisiert: zu wenig Dosen, zu wenig Impfzentren und immer wieder der Vergleich mit Israel, das so viel schneller impft als alle anderen Länder. Mittendrin in diesem Sturm steht Nora Kronig Romero.

Die 40-jährige Diplomatin leitet für den Bund das Projekt Impfstoff. Sie ist die Chefin über die ganze Beschaffungskette: von den Verhandlungen mit den Produzenten bis zur Verteilung der Dosen an die Kantone. Im Gespräch ist spürbar, dass die Kritik am holprigen Start der Impfkampagne in der Schweiz nicht einfach an ihr abprallt. Trotzdem sagt Kronig Romero, ohne zu zögern: «Ich weiss, dass wir richtig entschieden haben.»

«Wir können schon jetzt sicher sein, dass wir bis Juni genug Impfstoff bekommen haben werden, um alle zu impfen, die das wollen.»

Nora Kronig Romero

Seit März arbeiten sie und ihr Team darauf hin, dass auch die kleine Schweiz im harten internationalen Rennen um die knappen Impfdosen mithalten kann. Israel mag viel schneller gestartet sein, für Kronig Romero zählt aber etwas anderes: Die Schweiz habe mit drei Herstellern fix vereinbarte Liefermengen für die nächsten sechs Monate. «Wir können schon jetzt sicher sein, dass wir bis Juni genug Impfstoff bekommen haben werden, um alle zu impfen, die das wollen.» Das hätten nur ganz wenige andere Länder erreicht. Und die Verhandlungen um zusätzliche Dosen und schnellere Lieferungen gingen weiter, auch mit zusätzlichen Herstellern.

Doch eigentlich hält die Diplomatin nicht viel von diesem Wettstreit der Länder um den Impfstoff. Sie betont bei ihren öffentlichen Auftritten stets, dass auch die Schweiz nur deshalb an genügend Dosen komme, weil sie mit anderen Staaten oder internationalen Organisationen zusammenarbeite. Bevor Kronig Romero 2017 zum Bundesamt für Gesundheit (BAG) gewechselt hat, war sie für die Schweizer Mission bei der UNO in Genf tätig. Zuvor hatte sie innerhalb des Aussendepartements in Bern schnell Karriere gemacht. Ihr eigentliches Spezialgebiet sind multilaterale Verhandlungen. Sie hat die Impfstoffgespräche mit anderen Staaten, der EU und mit internationalen Organisationen geführt. Das Feilschen mit einzelnen Impfstoffherstellern über Preis und Menge der Dosen überliess sie aber jemandem anderen. Dafür ist in ihrem Team ein ehemaliger Pharmamanager zuständig.

Im Juni erwartet sie das erste Kind

Kronig Romero ist in vielen Welten zu Hause. Geboren und aufgewachsen ist sie in Genf, aber trotzdem stark verbunden mit dem Oberwallis, woher Mutter und Vater stammen. Die Walliser Dialekt ist unüberhörbar. Wirtschaft hat sie in St. Gallen studiert. Diplomatin wurde sie kurz nach dem Studium unter Micheline Calmy-Rey. Noch bevor die Genfer Bundesrätin eine Frauenquote für die Aufnahme in den Diplomatenlehrgang eingeführt hat, wie sie betont.

Im Sommer kommt nochmals eine neue Welt dazu: Nora Kronig Romero ist schwanger. Der Geburtstermin für ihr erstes Kind ist im Juni. Dann, wenn die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer vor Corona geschützt sein sollte. Selber impfen lassen kann sich die oberste Impfstoffbeschafferin bis auf weiteres jedoch nicht. Die Impfstoffe sind für Schwangere noch nicht zugelassen.

43 Kommentare
    Mody Bühler

    Das Schlimme an diesen Leuten ist noch, dass sie Fehlverhalten verteidigen und sich selbst beweihräuchern, während die Tatsachen eine andere Sprache sprechen. Die Planung war und ist realitätsfremd und die Durchführung schlicht inkompetent. Das wenige Impfstoff liegt grösstenteils gemächlich in Armeelagern während Bevölkerung und Wirtschaft leiden? Im Juni erst soll genug Impfstoff da sein? Und bis wann werden dann alle geimpft sein, 2022?