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Kolumne «Ertappt»Sie betrog ihre Krankenkasse jahrelang

Eine 27-Jährige aus Adliswil schickte 56 fiktive Rechnungen an ihre Krankenkasse. Durchgekommen ist sie damit lange, weil sie einst selber dort arbeitete.

Kurioses aus der Welt der Justiz.
Kurioses aus der Welt der Justiz.
Olivier Samter

Fast 24’000 Franken überwies eine Krankenkasse einer Kundenberaterin aus Adliswil – Geld, das ihr nicht zustand. Denn die Frau schickte jahrelang Belege von Leistungen ein, die sie und ihre Familie gar nicht bezogen hatten. Ganze 56 Rechnungen fälschte die 27-Jährige, unter anderem ging es um Zahnarztrechnungen, Kontaktlinsen, chinesische Medizin oder Körpertherapien. Insgesamt beliefen sich die Rechnungen auf über 47’000 Franken, zum Teil wurden sie aber als Fälschung erkannt.

Wie konnte sie das System über drei Jahre lang überlisten? Ganz einfach: Die Beschuldigte arbeitete früher selber während zweier Jahre im Leistungscenter der Krankenkasse. Sie kannte sich laut dem Strafbefehl somit in den internen Abläufen und der Leistungsabrechnung bestens aus. Auf diese Weise machte sie es den Ex-Kollegen schwer, ihr auf die Schliche zu kommen. Das erhaltene Geld nutzte sie, um ihre finanzielle Situation aufzubessern.

Im Frühling 2018 wurde die Frau verhaftet – und leistete sich kurz danach einen weiteren Bock. Konfrontiert mit den Betrugsvorwürfen, stellte sie drei Tage nach der Haftentlassung einen weiteren Beleg aus, einen Zahlungsnachweis ihrer Bank. Damit wollte sie beweisen, eine Rechnung für Kontaktlinsen bezahlt zu haben. Dumm nur, dass auch dieser Beleg gefälscht war. So hat sie sich zusätzlich der Urkundenfälschung schuldig gemacht.

Die Vergehen sind nicht mehr leicht. Die Staatsanwaltschaft verurteilt die 27-Jährige darum zu einer Geldstrafe von 180 mal 20 Franken. Das Geld muss sie bezahlen. Abgezogen werden lediglich 20 Franken, weil sie einen Tag in Haft sass. Dazu kommen Gebühren in der Höhe von 1200 Franken. Auch wenn es lange gut ging mit dem Betrugssystem, hat es sich schliesslich also nicht gelohnt.