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Video zeigt ExplosionHier sprengt Nordkorea das Verbindungsbüro an der Grenze

Pyongyang bestätigt die Zerstörung des innerkoreanischen Bürogebäudes. Nun will das Regime wieder Militärübungen an der Grenze durchführen.

Wegen Flugblattabwurf: Nordkorea zerstört das Verbindungsbüro in der Grenzstadt Kaesong.
Video: Südkoreanisches Verteidigungsministerium via AP

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel verschärfen sich wieder. Nordkorea ist verärgert über eine Flugblattaktion südkoreanischer Aktivisten – und zeigt das mit einer besonders drastischen Massnahme.

Die innerkoreanischen Beziehungen haben erneut einen deutlichen Rückschlag erlitten. Nach der Unterbrechung aller Kommunikationsleitungen zu Südkorea hat Nordkorea das erste gemeinsame Verbindungsbüro nahe der Grenze gesprengt.

Mit der drastischen Massnahme auf eigenem Boden machte die international isolierte Führung in Pyongyang ihrem Unmut über eine neue Propagandaflugblatt-Aktion südkoreanischer Aktivisten weiter Luft.

«Um 14.50 Uhr (Ortszeit) wurde das Verbindungsbüro auf tragische Weise mit einer fürchterlichen Explosion zerstört», berichteten die Staatsmedien am Dienstag. Die einflussreiche Schwester von Machthaber Kim Jong Un, Kim Yo Jong, hatte zuvor mit dem Abriss des «nutzlosen» Kommunikationsbüros in der grenznahen Stadt Kaesong gedroht.

Nordkorea hat seine Drohung wahr gemacht und das  «nutzlose» Kommunikationsbüro gesprengt.
Nordkorea hat seine Drohung wahr gemacht und das «nutzlose» Kommunikationsbüro gesprengt.

Das Vorgehen Pyongyangs provozierte eine erste deutliche Warnung Südkoreas, seitdem sich die Spannungen in diesem Monat wieder hochgeschaukelt haben. «Falls Nordkorea weitere Schritte unternimmt, um die Situation zu verschärfen, werden wir strikt darauf reagieren», erklärte das Präsidialamt in Seoul nach einer Dringlichkeitssitzung des Nationalen Sicherheitsrats. Präsident Moon Jae In hatte noch am Vortag an Nordkorea appelliert, zum Dialog zurückzukehren.

Trotz der Warnungen setzt Nordkorea seinen Konfrontationskurs gegenüber dem Nachbarn fort. Einen Tag nach der Sprengung des Verbindungsbüros kündigte Nordkoreas Armeeführung am Mittwoch an, wieder Militärübungen an der Grenze durchführen und Soldaten in die ehemals gemeinsam genutzten Industrie- und Tourismusgebiete verlegen zu wollen.

Zudem sollen bereits zurückgezogene Kontrollposten in der militärischen Pufferzone zwischen den beiden Ländern wieder aufgestellt und Flugblattaktionen gegen Südkorea gestartet werden, wurde der Generalstab der Volksarmee von den Staatsmedien zitiert. Das wegen seines Atomwaffenprogramms isolierte Land hatte zuvor mit solchen Schritten gedroht.

Regime lehnt Deeskalation von Südkorea entschieden ab

Das Angebot der Regierung des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In, Sondergesandte für eine Deeskalationsmission zu schicken, lehnte die kommunistische Führung nach eigenen Angaben entschieden ab. Kim Yo Jong, warf der südkoreanischen Seite vor, einen «taktlosen und dunklen Vorschlag» gemacht zu haben. Südkorea müsse erst die «Worte und das Verhalten solcher Dummköpfe kontrollieren, die uns weiter provozieren», erklärte Kim in Anspielung auf die Propagandaflugblatt-Aktionen südkoreanischer Aktivisten und nordkoreanischer Flüchtlinge an der Grenze.

Kim Yo Jong ist die einflussreiche Schwester des nordkoreanischen Machthabers.
Kim Yo Jong ist die einflussreiche Schwester des nordkoreanischen Machthabers.
Foto: Jorge Silva/Getty Images

Nordkoreas Militärführung kündigte jetzt an, Einheiten in Regimentsstärke würden in den Industriepark von Kaesong sowie in das Erholungsgebiet am Kumgang-Gebirge an der Ostküste geschickt. Der Industriekomplex ist seit 2016 schon nicht mehr in Betrieb. Touristische Reisen von Südkoreanern in das Diamanten-Gebirge sind seit 2008 nicht mehr möglich. Seoul hatte ein gemeinsames Reiseprogramm auf Eis gelegt. Grund dafür waren tödliche Schüsse eines nordkoreanischen Soldaten auf eine südkoreanische Touristin in einem Sperrgebiet in der Region.

Mit der Umsetzung der nun angedrohten militärischen Schritte würde Nordkorea bilaterale Vereinbarungen von 2018 über vertrauensbildende Massnahmen unterlaufen. Damals hatten sich beide Seiten unter anderem auf die Einstellung von Schiessübungen an der Grenze und die Zerstörung von Kontrollposten innerhalb der demilitarisierten Zone sowie die Räumung von Landminen an bestimmten Stellen der Pufferzone geeinigt.

Flugblätter in 500’000 Ballons nach Nordkorea geschickt

Seit der jüngsten Aktion, bei der die Gruppen Ende Mai etwa 500’000 in Ballons verpackte Flugblätter mit Kritik an der autokratischen Führung in Pjöngjang in Richtung Norden geschickt hatten, eskaliert die Situation auf der koreanischen Halbinsel. Pjöngjang wirft Seoul vor, diese Aktionen zu tolerieren. Die Kommunikationskanäle zu Südkorea hatte Nordkorea zuletzt gekappt.

Nordkorea sieht durch diese Aktionen die Würde des Machthabers beleidigt, um den im Land ein Führerkult zelebriert wird. Experten gehen davon aus, dass hinter dem Vorgehen Pyongyangs noch mehr steckt. «Nordkorea ist dabei, Spannungen zu erzeugen», schreibt Jean H. Lee vom Wilson Center in den USA auf Twitter. «Pyongyang leidet unter beissenden internationalen Sanktionen und versucht, Seoul dahin zu treiben, die von den USA angeführte Sanktionskampagne zu durchbrechen.»

Seit dem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump im Februar 2019 in Vietnam kommen die bilateralen Nuklearverhandlungen nicht mehr voran. Unter dem Stillstand leiden auch die innerkoreanischen Beziehungen.

SDA

28 Kommentare
    Markus Weidmann

    Das China diesen "Clown" in Nordkorea schalten und walten lässt wie ihm beliebt, lässt tief in die wahren Absichten Chinas blicken. China hätte Nordkorea längst den Hahn zudrehen können, so es denn wollte. China benutzt Nordkorea nur als "Wachhund" um die anderen asiatischen Länder einzuschüchtern. Langfristig besteht kein Zweifel das China sich alle asiatischen Länder einverleiben möchte. Selbst Teile von Russland sind nicht sicher. Es wird höchste Zeit in Europa die rosarote Brille abzuziehen und China die Stirn zu bieten, solange es noch geht. Jahrzehntelange konnte Europa "Frohes Hüttenleben" in militärischer Hinsicht geniessen - diese Zeiten sind vorbei! Auf die USA können wir uns nicht mehr sicher verlassen, die haben genug eigene Probleme.