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Die vorsichtige Rückkehr«Sensationelles Gefühl»: So lief der Trainingsstart bei GC

Die Zürcher sind neben dem FC St. Gallen das einzige Team, das bereits wieder trainiert. Trotz einiger Unklarheiten überwiegt die Freude, wieder auf dem Platz zu stehen.

Schwung aufnehmen: Trainer Goran Djuricin bei der ersten Einheit nach dem Lockdown.
Schwung aufnehmen: Trainer Goran Djuricin bei der ersten Einheit nach dem Lockdown.
KEYSTONE/Ennio Leanza

Ben Khalifa zu Arigoni, Arigoni zu Morandi. Und wieder zurück, hin und her, als wäre alles ganz normal. «Da bekommt man Lust, selbst mitzuspielen», sagt András Gurovits, während er am Rand des Kunstrasens seine Spieler beobachtet. Etwas später, als der Regen auf das Tribünendach prasselt, wird er das wohl etwas anders beurteilen. Aber die Freude über das zurückgekehrte Leben auf dem GC-Campus kann auch das Wetter nicht trüben.

Nicht bei Gurovits, dem Vizepräsidenten, nicht bei Goran Djuricin, dem Trainer. Der Österreicher ist vor einigen Tagen in die Schweiz zurückgekehrt, an diesem garstigen Montag leitet er nach zwei Monaten Unterbruch wieder ein Training. Er tut dies als erster Coach eines Schweizer Proficlubs, neben GC ist nur der FC St. Gallen wieder zum Trainingsbetrieb zurückgekehrt. Djuricin spricht von einem «sensationellen Gefühl», sein Captain Veroljub Salatic sagt: «Die Vorfreude war riesig.»

Zu diesem ersten Training haben die Grasshoppers die Medien eingeladen. Es kommen weit mehr als sonst, wenn das Team in der Challenge League Reisen nach Chiasso oder Nyon antreten muss. Am Eingang zum Campus werden noch einmal die Regeln klargemacht: zwei Meter Abstand, kein Körperkontakt. Goalies trainieren auf einem Platz, das Einlaufen findet auf einem zweiten statt, auf einem dritten die Passübungen. Die Spieler verlassen den Campus unmittelbar nach der Einheit, sie duschen zu Hause.

Noch sind die Gegner nicht aus Fleisch und Blut: GC-Spieler Djibril Diani bei der Rückkehr in den Trainingsalltag.
Noch sind die Gegner nicht aus Fleisch und Blut: GC-Spieler Djibril Diani bei der Rückkehr in den Trainingsalltag.
KEYSTONE/Ennio Leanza

«Zweikämpfe wollen wir in dieser Woche vermeiden», sagt Djuricin zudem. Da ist zum einen natürlich das Virus, alle Spieler waren vor dem Training zur Überprüfung beim Arzt. Da ist aber auch die Verletzungsgefahr, sie ist besonders hoch, zum ersten Mal nach acht Wochen trainieren die Spieler in dieser Intensität und mit Ball. Salatic sagt, mehr im Scherz, er habe während dem Lockdown zwar mit seinen Kindern gespielt, «die haben aber noch nicht mein Niveau». Dafür hapert es bei einigen seiner Kollegen noch mit der Absprache. Ben Khalifa gibt in seinem Grüppchen den Deutsch-Französisch-Dolmetscher.

«Wir sind nicht auf der faulen Haut gelegen»

Ganz komplett ist GC aber noch nicht. Der Liberianer Allen Njie und der Nigerianer Francis Momoh durften zu ihren Familien in die Heimat reisen, Rückkehr offen. Ed Francis, ein Leihspieler der Wolverhampton Wanderers, weilt in England. Bei ihm scheint unklar, ob er überhaupt wieder zurückkommen wird. Den Kontakt mit den drei Abwesenden aber habe man aufrechterhalten, «wir sind ja nicht auf der faulen Haut gelegen», sagt Djuricin. Und: «Wir wollen jetzt zeigen, dass wir auf dem Rasen aufsteigen können.»

Der Vater des früheren GC-Spielers Marco Djuricin feierte bei den Grasshoppers keinen schlechten Einstand. Nur vier Tage nach seiner Präsentation gab es zwar ein 0:1 in Kriens, das folgende 3:0 gegen Schaffhausen war aber das beste Spiel der laufenden Spielzeit, besser auch, als die meisten Auftritte der bisher letzten Super-League-Saison von GC. Danach kam die Pause, am 28. Februar wurde die Partie gegen Aarau abgesagt, seither steht der Schweizer Fussball still.

Das sagen Trainer und Spieler nach dem ersten GC-Training.
Video: Eva Tedesco

Mit dem Trainingsbeginn am Montag verzichtet GC nun auf die Möglichkeit der Kurzarbeit. Das Seco erlaubt die Anmeldung unter diesen Voraussetzungen nicht mehrTraining ist Arbeit, auch wenn zum Einstieg nur eine Einheit am Vormittag stattfindet. Vizepräsident Gurovits ist sich dem Risiko bewusst, das der Club eingeht. Er sagt aber auch: «Wir hoffen, dass das letzte Wort da noch nicht gesprochen ist.» So ist es im Schweizer Fussball: Es ist also noch lange nicht alles klar. Und schon gar nicht ist alles wieder beim Alten.