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Folgen der Corona-PandemieSeco hat bald 10 Milliarden für Kurzarbeit ausgegeben

Das Staatssekretariat für Wirtschaft hat bis Ende 2020 Kurzarbeitsentschädigungen in der Höhe von 9,2 Milliarden ausbezahlt. Der grösste Anteil davon ging an das Verarbeitende Gewerbe.

«Die schlimmsten Befürchtungen haben sich nicht materialisiert»: Seco-Chef Boris Zürcher. (27. Oktober 2020)
«Die schlimmsten Befürchtungen haben sich nicht materialisiert»: Seco-Chef Boris Zürcher. (27. Oktober 2020)
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Zur Abfederung des Auswirkungen der Coronapandemie auf den Arbeitsmarkt haben die Schweizer Behörden viel Geld in die Hand genommen. Bis Ende 2020 wurden Kurzarbeitsentschädigungen (KAE) in Höhe von 9,2 Milliarden Franken ausbezahlt.

Dies sagte Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), am Freitag vor den Medien. In der Spitze kamen im Mai teilweise mehr als 100 Millionen Franken pro Tag zur Auszahlung. Zum Vergleich: Monat für Monat landen üblicherweise rund 30 Milliarden Franken auf den Lohnkonti der Arbeitnehmenden in der Schweiz.

Der Löwenanteil an Kurzarbeitsentschädigungen ging laut Zürcher mit bisher 1,9 Milliarden Franken an das Verarbeitende Gewerbe. Auf Hotels und Restaurants entfielen 1,4 Milliarden, den Handel 1,3 Milliarden, «Verkehr und Lagerei» 0,7 Milliarden und auf das Baugewerbe 0,5 Milliarden Franken.

Noch keine Entlassungswelle

«Die schlimmsten Befürchtungen haben sich nicht materialisiert», sagte Zürcher mit Blick auf den schweizerischen Arbeitsmarkt. Die Corona-Pandemie habe in der Schweiz noch keine Entlassungswelle ausgelöst. Die Zahl der Beschäftigten sei vor allem dank dem Instrument der Kurzarbeit bis dato nur um 0,6 Prozentpunkte gesunken und damit deutlich weniger stark als die Wirtschaftsleistung.

Die Kurzarbeit habe insbesondere geholfen, den Arbeitsmarkt zu stabilisieren und Entlassungen im grossen Stil zu vermeiden, betonte Zürcher. Zuletzt steckten im Oktober noch rund 219'000 Personen in Kurzarbeit; auf dem Höhepunkt des «Lockdowns» waren es noch mehr als 1,3 Millionen.

Die Voranmeldungen der Firmen für Massenentlassungen seien aber zuletzt deutlich rückläufig gewesen. Im Dezember seien noch acht Meldungen für 414 Arbeitsplätze eingetroffen. Seit März sei von 388 Firmen der Abbau von rund 15'300 Stellen angemeldet worden. Die Voranmeldung führe zunächst dazu, dass sich die Firmen mit den Sozialpartner an einen Tisch setzten und nach Lösungen suchten, so Zürcher.

«Nutzen Sie das Instrument Kurzarbeit»

Entwarnung kann aber noch nicht gegeben werden. Denn in den Wintermonaten dürfte die Kurzarbeit vor allem auf Grund der «zweiten Welle» der Covid-19 Pandemie und damit verbundenen Massnahmen nochmals deutlich ansteigen. Laut Zürcher waren im November mehr als 645'000 Arbeitenehmende für Kurzarbeit vorangemeldet. Gleichzeitig dürfte die Arbeitslosenquote Anfang 2021 auf 3,8 Prozent steigen.

Zürcher ist aber zuversichtlich, dass auch die zweite Phase an Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie mit dem Instrument Kurzarbeit abgefedert werden könnte. Der Seco-Direktor forderte die Unternehmen daher auf, aktiv zu werden: «Machen sie eine Voranmeldung für Kurzarbeitsentschädigung.»

SDA

16 Kommentare
    Hänsle Fisch

    Und dann kommen wieder Forderungen nach dem bedingungslosen Grundeinkommen. Der aktuelle, unfreiwillige Pilotversuch zeigt klar auf, dass diese Idee in der Praxis nicht funktioniert. Man kann nicht nur Geld aus der Kasse nehmen, denn sie muss auch gefüllt werden!