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Ausbreitung der Corona-VarianteSchweizer Mutationen-Hotspots häufen sich – die Übersicht

Schulen, Altersheim, Hotels: Aus allen Ecken der Schweiz werden Ausbrüche wegen Corona-Mutationen gemeldet. Die Folgen sind wegen der neuen Quarantäneregeln drastisch.

Mit dem Vormarsch der mutierten Varianten dürften in Zukunft mehr Massentests durchgeführt werden: Die Bevölkerung in Südbünden stand Mitte Dezember 2020 zum freiwilligen Covid-19-Flächentest an.
Mit dem Vormarsch der mutierten Varianten dürften in Zukunft mehr Massentests durchgeführt werden: Die Bevölkerung in Südbünden stand Mitte Dezember 2020 zum freiwilligen Covid-19-Flächentest an.
Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Erinnerungen an den Februar vor einem Jahr werden wach: Aus verschiedenen Regionen der Schweiz gehen derzeit Meldungen ein, dass Ansteckungen mit Virusmutationen entdeckt worden sind – vor allem mit jener aus Grossbritannien. Das Rad scheint sich wie damals immer schneller zu drehen. Längst passieren in der Schweiz Ansteckungen, die keine Verbindungen zu Besuchern aus Grossbritannien mehr haben.

Noch ist die britische Virusvariante nur für 2 bis 5 Prozent aller Fälle verantwortlich, schätzt die Corona-Taskforce des Bundes. Die Zahl der offiziell nachgewiesenen Fälle ist deutlich tiefer, da die Untersuchungen aufwendig und die Laborkapazitäten begrenzt sind. Bis am Montagabend hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) total 297 Ansteckungen mit Mutationen registriert, wovon 208 eindeutig der britischen Variante mit dem Namen B.1.1.7 zugeordnet werden konnten. Die Anzeichen verdichten sich, dass sich die Mutation immer schneller ausbreitet. Geht es im bisher beobachteten Tempo weiter, erwartet die Taskforce, dass sie in der Schweiz schon in wenigen Wochen dominieren wird.

Die Variante gilt nach den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen als deutlich ansteckender, ist aber wahrscheinlich nicht gefährlicher. Der Bund hat letzte Woche seine Quarantäne-Empfehlungen verschärft. Neu sollen bei möglichen Ansteckungen mit den neuen Varianten nicht nur die direkten Kontaktpersonen in die Quarantäne, sondern auch deren Kontakte. Das hatte in den letzten Tagen an vielen Orten in der Schweiz drastische Auswirkungen. Die Übersicht:

Kanton Baselland: Primarschule wird durchgetestet

Am Freitag war im Kanton Baselland erstmals bei einer Person eine Ansteckung mit einer mutierten Virusvarianten entdeckt worden. Um welche es sich handelt, teilte der Kanton nicht mit. Inzwischen wurden auch Angehörige positiv getestet, wie Baselland am Sonntagabend mitteilte. Darunter ist auch ein Primarschüler oder eine Primarschülerin. Als Folge davon werden am Montag alle Schüler der 1. bis 3. Klassen in der Primarschule Thomasgarten in Oberwil sowie deren Familienangehörige getestet. Zur Anwendung kommen werde der neu zur Verfügung stehende Speicheltest.

Kanton Bern: Schulkinder stecken sich in Wengen an

Es war der erste grosse Ausbruch des mutierten Virus, der in der Schweiz entdeckt wurde: Im Skiort Wengen hat über die Festtage ein britischer Tourist die Variante in Umlauf gebracht. Noch Mitte Dezember gab es in Wengen bloss zehn Corona-Fälle, danach stieg die Zahl innert weniger Wochen auf 90 an. Der Kanton Bern reagierte mit Massentests auf den Ausbruch. Die brachten aber bislang nur wenige zusätzliche Fälle ans Licht: Bis Samstagabend wurden im kleinen Ort 970 Personen getestet und das Virus bei 7 weiteren Personen nachgewiesen. Die Tests werden diese Woche auf die Gemeinde Lauterbrunnen ausgeweitet, zu der Wengen gehört. (Lesen Sie hier unsere Reportage aus Wengen)

Folgen hatte der Ausbruch in Wengen inzwischen allerdings für eine Schule in Bremgarten bei Bern. Zwei Schulkinder sind nach der Rückkehr aus den Skiferien in Wengen positiv auf das mutierte Coronavirus aus Grossbritannien getestet worden. Nun sind alle Personen, welche in Kontakt zu den Kindern standen, in Quarantäne geschickt worden, wie die Gemeinde am Montag mitteilte. Darunter sind auch rund 120 Schülerinnen und Schüler der Primarschule und des Kindergartens von Bremgarten.

Kanton Graubünden: Hotels, Schulen und Skischulen geschlossen

Zwei Hotels in St. Moritz stehen unter Quarantäne: das Badrutt's Palace sowie das Grand Hotel Kempinski. Das mutierte Coronavirus habe sich dort gehäuft ausgebreitet, teilte der Kanton Graubünden am Montagmorgen mit. Es soll sich um rund ein Dutzend Ansteckungen mit der Variante aus Südafrika handeln. In St. Moritz wurden alle Kindertagesstätten, Schulen und Skischulen geschlossen. Auf dem gesamten Gemeindegebiet besteht neu eine Maskentragpflicht. Ab Dienstag werden Massentests durchgeführt. (Lesen Sie hier mehr zum Fall)

Kanton Tessin: Ausbruch in Altersheim und an Schule

Zuerst häuften sich letzte Woche in einem Altersheim in Balerna Neu- und Wiederansteckungen mit dem Coronavirus. Gemäss den Tessiner Behörden hat die britische Coronavirus-Mutation zum Ausbruch geführt. Am Wochenende wurde dann bekannt, dass in einer Schule in der gleichen Region mehrere Ansteckungen mit der Mutation entdeckt wurden. Der Kanton schickte umgehend rund 500 Schülerinnen und Schüler sowie 70 Lehrer der Mittelschule Morbio Inferiore in Quarantäne. Für alle Altersheime, Spitäler und Behindertenheime im Kanton gilt seit Samstag ein Besuchsverbot.

Kanton Thurgau: Mehrere Oberstufenklassen in Quarantäne

An der Sekundarschule Reutenen in Frauenfeld wurde am Freitag bei einer Schülerin die britische Virusmutation nachgewiesen. Es ist der erste offiziell bestätigte Fall im Kanton. Die Folge: Seit Montag ist der gesamte dritte Jahrgang der Sekundarschule im Fernunterricht. Bis auf wenige Ausnahmen befinden sich laut der Schulleitung auch alle Schülerinnen und Schüler dieses Jahrgangs in Quarantäne. Wie der Thurgauer Gesundheitsdirektor am Sonntag auf Anfrage der «Thurgauer Zeitung» mitteilte, bestehe noch in weiteren Fällen der Verdacht auf eine Infektion mit der britischen Mutation. Diese Fälle beträfen «nicht das Schulumfeld».

Trotzdem sinken die Fallzahlen in der Schweiz

Noch gehen wahrscheinlich nur wenige Prozent aller Ansteckungen in der Schweiz auf die Virusmutationen zurück. Auf die seit mehreren Wochen sinkenden Fallzahlen hatten sie deshalb keinen Einfluss. Alleine in den letzten sieben Tagen sind die Fallzahlen um rund einen Drittel zurückgegangen.

Der neuste verfügbare R-Wert (für den 8. Januar) liegt nur knapp über 0,8, dem Zielwert des Bundesrates. Kann die Schweiz diesen Wert trotz der Mutationen halten, halbieren sich die Fallzahlen alle zwei Wochen. Der Bundesrat will dies mit den verschärften Massnahmen erreichen, die seit Montag gelten. Aktuell ist die Zahl der nachgewiesenen Neuansteckungen mit rund 2200 Fällen pro Tag (Durchschnitt der letzten sieben Tage) in der Schweiz aber weiter zu hoch. Alle Zahlen zur Pandemie finden Sie in unserem Dashboard.

Hinweis: Für den Artikel wurde auch Material der Nachrichtenagentur SDA verwendet.

317 Kommentare
    Jürg Egger

    Wer suchet der findet ! Laut Herr BAG-Mathys waren am 11. Januar schon 127 mutiert vom gleichen Virus, und es sollen noch deutlich mehr werden, so seine Aussage.

    Das ist sinnbildlich, wie wenn im Busch Eingeborene, dessen grösstes Problem ist, das Tiger ein paar Kühe ihrer Herden erlegen, anfangen die Streifen und Schwanzringe der Tiger zu zählen! Aber diese Eingeborenen sind bestimmt nicht so dumm, dies zu tun. Denn SIE konzentrieren sich auf den Tiger als Gefahr und würden nur grössere Waffen erfinden und basteln, wenn er zum Säbelzahn-Tiger mutierten würde, und so die ganze Herde bedroht wäre. Dies ist aber belegbar nicht der Fall, denn nur die alten und schwachen Tiere ihrer Herden sind bedroht, und die müssen besser geschützt werden. . . . . . . . . .anstatt dessen Streifen und Schwanzringe zu zählen.