«Wie viele Leben hätten gerettet werden können?»

Simonetta Sommaruga gedenkt in Auschwitz der Holocaustopfer. Sie reiste anlässlich des Gedenktags mit Schweizer Überlebenden nach Polen.

Die Bundespräsidentin legt im ehemaligen Konzentrationslager einen Blumenkranz im Gedenken an die Holocaustopfer nieder. Bild: Markus Schreiber/AP/Keystone

Die Bundespräsidentin legt im ehemaligen Konzentrationslager einen Blumenkranz im Gedenken an die Holocaustopfer nieder. Bild: Markus Schreiber/AP/Keystone

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Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga ist am Montag zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts nach Auschwitz-Birkenau gereist. Sie war in Begleitung von Schweizer Überlebenden des Holocausts sowie zwei Studierenden. Bereits vor Wochenfrist hatte sie Holocaustüberlebende in der Schweiz empfangen.

Auschwitz-Birkenau sei zum Symbol geworden für die vom nationalsozialistischen Deutschland entfesselte Vernichtungspolitik, heisst es in einer am Montag veröffentlichten Botschaft Sommarugas zum Gedenkanlass.

Erinnern auch an Schweizer Opfer

Auch Schweizerinnen und Schweizer seien in Konzentrationslagern inhaftiert worden, fast die Hälfte unter ihnen habe dort den Tod gefunden. «Ich möchte darum heute auch an sie erinnern, meine Gedanken sind ebenso bei den Schweizer Überlebenden, die nach dem Krieg zu oft abweisend und kaltherzig behandelt wurden», schreibt Sommaruga weiter. «Wie viele Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn damals in Europa mehr Männer und Frauen Nein gesagt hätten zu Antisemitismus und Rassismus?» fragte sich die Bundespräsidentin.

«Wie viele Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn damals in Europa mehr Männer und Frauen Nein gesagt hätten zu Antisemitismus und Rassismus?», fragte Simonetta Sommaruga. (27. Januar 2020) Bild: Markus Schreiber/AP/Keystone

Sie hoffe, dass ähnliche Verbrechen für immer verhindert werden könnten, dass Unrechtsregimes mit Mut und Zivilcourage die Stirn geboten werde. Die Fehler der Vergangenheit könnten nicht rückgängig gemacht werden. «Wir können aber daraus lernen, mit offenen Augen und kritischem Blick», schreibt sie in der Botschaft.

Schweiz unterstützt Erhaltung der Gedenkstätte

Sie reise in Begleitung von Überlebenden und zwei Studierenden, weil es ihr wichtig sei, die Erinnerung wachzuhalten. Die Schweiz unterstütze deshalb auch die dauerhafte Erhaltung der Gedenkstätte in Auschwitz-Birkenau. Es freue sie, dass sich in allen Generationen Menschen gegen das Vergessen engagierten. «Für alle Opfer des Holocausts wollen wir ein Zeichen setzen», heisst es in der Botschaft weiter.

Die Menschenwürde sei ein kostbares, verletzliches Gut, das geschützt werden müsse, auch vor staatlicher Gewalt. Zivilcourage bedeute, Nein zu sagen, wenn Unrecht zur Staatsdoktrin werde. Diese Verpflichtung seien wir den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung schuldig – aber auch uns selbst, um uns allen eine lebenswerte Zukunft zu sichern.

Im Hinblick auf den Gedenktag hatte sich Sommaruga bereits vor Wochenfrist in der Schweiz mit Holocaustüberlebenden getroffen.


Vom alltäglichen Holocaust Vor 75 Jahren wurde Auschwitz befreit. Ein Historiker zeichnet den Alltag im KZ nach – und lässt das Unvorstellbare vorstellbar werden.


(red/sda)

Erstellt: 27.01.2020, 15:19 Uhr

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