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Wie lässt sich der Crash des Gesundheitssystems verhindern?

Der Nationalrat berät in einer Sondersession im Mai über ein Paket, welches den Prämienanstieg bremsen soll. Foto: TDG

Herr Strupler, immer mehr Krankenversicherte in der Schweiz zahlen ihre Prämien nicht. Wollen diese Menschen nicht – oder können sie nicht?

Wer wirtschaftlich nicht in der Lage ist, seine Rechnungen zu zahlen, sollte in der Schweiz eigentlich durch Prämienverbilligungen entlastet werden. Dieses System versagt offensichtlich.

«Die Generikapreise müssen sinken», sagt BAG-Direktor Pascal Strupler. Foto: Dominik Labhardt

Die Kantone knausern also bei den Prämienverbilligungen. Warum klopft ihnen niemand auf die Finger?

«Die Einsicht hat sich durchgesetzt, dass wir ein Loch in die Wand schlagen müssen, damit wir wieder Licht am Horizont sehen.»

Pascal Strupler, BAG-Direktor

Sie sagten vor einiger Zeit: «Wenn wir jetzt nichts unternehmen, besteht die Gefahr, dass wir unser Gesundheitssystem an die Wand fahren.» Wie lange dauert es noch bis zum Crash?

Sie spielen auf das Kostendämpfungsprogramm des Bundes an, das demnächst ins Parlament kommt?

Auch mehrere Volksinitiativen zum Thema sind in der Pipeline. Die SP will die Prämienbelastung pro Haushalt auf maximal zehn Prozent des Einkommens deckeln. Alles, was darüber hinausgeht, soll durch Prämienverbilligungen abgefangen werden. Eine gute Idee?

«Vielleicht überzeugen unsere Vorschläge die Initianten ja so sehr, dass sie darüber nachdenken werden, ihre Kostenbremse-Initiative zurückzuziehen.»

Pascal Strupler

Ursprünglich lautete das erklärte Ziel des Bundesrats: Kein Haushalt soll über acht Prozent seines Einkommens für die Prämien aufwenden. Das war in den 90er-Jahren. Heute fressen die Prämien im Schnitt schon 14 Prozent des Haushaltseinkommens weg. Und vermutlich wird dieser Anteil noch weiter steigen.

Eine Kostenbremse verlangt auch die CVP in ihrer Volksinitiative. Sie fordert, dass die Prämien nicht mehr stärker steigen dürfen als die Löhne. Ist das realistisch?

Ein weiteres Initiativprojekt stammt von SVP-Frau Yvette Estermann. Ihr schwebt eine «Krankenkasse light» vor, mit tiefen Prämien und beschränktem Leistungskatalog. Krebspatienten bekämen beispielsweise keine teuren Chemotherapien bezahlt.

«Die Medikamente sind teilweise so teuer, dass die Sozialversicherungen sie unmöglich allen Patienten unbeschränkt werden bezahlen können.»

Pascal Strupler

Allerdings stellt sich auch in unserem aktuellen System die Frage, wer welche Behandlung erhält. In den Schlagzeilen ist derzeit etwa eine Gentherapie von Novartis, bei der eine einzige Spritze über zwei Millionen Franken kostet. Wer soll das bezahlen?

Es stellt sich die unbequeme Frage, was ein Leben kosten darf.

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