Jetzt droht «Carlos» die Verwahrung

Für den 23-jährigen Zürcher könnte ein Ausraster im Gefängnis einer zu viel gewesen sein.

Seit 12 Jahren von Heim zu Massnahme zu Gefängnis: Carlos vor Bezirksgericht im März 2017. Zeichnung: Robert Honegger

Seit 12 Jahren von Heim zu Massnahme zu Gefängnis: Carlos vor Bezirksgericht im März 2017. Zeichnung: Robert Honegger

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Die Verwahrung ist die schärfste Massnahme, die das Schweizer Strafrecht vorsieht. Härter ist nur noch die lebenslange Verwahrung. Die drakonische Massnahme haben vornehmlich Mörder und Vergewaltiger zu befürchten. Nun droht dem 23-jährigen Mann mit Pseudonym Carlos diese Massnahme. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft in der Strafanstalt Pöschwies in Regensdorf.

Die Staatsanwaltschaft will die Frage einer Verwahrung nach Artikel 64 des Strafgesetzbuchs durch einen Gutachter prüfen lassen, schreibt die NZZ heute Donnerstag. Das ist die ordentliche Verwahrung aufgrund von Persönlichkeitsstörungen oder psychischen Störungen. Das Verfahren steht noch am Anfang. Einen Entscheid hätte ein Gericht zu fällen.

Auslöser ist eine Schlägerei in der Pöschwies Ende Juni 2017. Zu diesem Zeitpunkt hatte Carlos nur noch drei Monate abzusitzen, bevor er in die Freiheit entlassen worden wäre. Er war vom Bezirksgericht Zürich wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer 18-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Aufseher spitalreif geprügelt

Doch als ihm am 28. Juni eröffnet wird, dass er in die Sicherheitsabteilung kommt, wo er 23 Stunden allein und eingesperrt ist, rastet er aus. Grund für die Massnahme war laut der Zeitung, dass ein Angriff von anderen Insassen auf ihn geplant war, also eine Sicherheitsmassnahme zu seinem Schutz. Die Folge des Gerangels mit mehreren Beteiligten: Ein Aufseher muss in Spitalpflege, Carlos zerstört seine Zelle. Es könnte der Ausraster zu viel gewesen sein.

Carlos hat schon unzählige Schlägereien auf dem Kerbholz, negativer Höhepunkt sind lebensgefährliche Messerstiche auf einen 15-Jährigen 2011 auf dem Schwamendingerplatz in Zürich.

Der Wollishofer steht seit seinem 11. Lebensjahr mit dem Gesetz im Konflikt, der Sohn einer Kamerunerin aus Paris und eines Zürchers verbrachte sein halbes Leben in Heimen und im Gefängnis. Eine SRF-Reportage hat den «Fall Carlos» ins Rollen gebracht, als darin von Betreuungskosten von 29'000 Franken im Monat die Rede war. Die Politik und die Justiz sind immer wieder überfordert, das Bundesgericht weist einmal die Zürcher Behörden in die Schranken wegen Überreaktion. Der Fall kostete dem grünen Justizdirektor Martin Graf den Posten.

«Schlimmer als die Todesstrafe»

Über seinen Anwalt liess Carlos der NZZ jüngst ausrichten: «Eine Verwahrung wäre schlimmer als die Todesstrafe. Sie würden mich damit lebendig begraben und das mit 23 Jahren. Ich habe niemanden umgebracht. (...) Klar bin ich kein Engel, aber die machen mich zu einem Monster. Die Wahrheit aber liegt wohl irgendwo dazwischen.»

Der Fall Carlos:

(pu)

Erstellt: 20.12.2018, 09:11 Uhr

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