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Geld und eine Geburtstagsparty für Pierre Maudet

Ein Hotelier soll dem FDP-Politiker über verdeckte Vereine hohe Summen bezahlt haben.

Zwei Vereine haben Pierre Maudets politische Kampagnen mitfinanziert.
Zwei Vereine haben Pierre Maudets politische Kampagnen mitfinanziert.
Salvatore Di Nolfi, Keystone

Am Donnerstag herrschte Aufruhr am Sitz der Hotelgruppe Manotel im Genfer Bahnhofsquartier: Zwei Staatsanwälte hatten Einlass verlangt und begannen in der Folge, die Büros zu durchsuchen. Grund: Die Hotelkette hatte in den vergangenen Jahren insgesamt 100'000 Franken an zwei Vereine gespendet, die unter Führung des Genfer Staatsrats Pierre Maudet (FDP) stehen. Dies berichtete die «Tribune de Genève» am Wochenende.

Pierre Maudet und der Direktor der Hotelgruppe, Paul Muller, kennen sich – Muller gehörte der Wirtschaftsdelegation an, die, angeführt von Maudet, im Mai 2015 nach Abu Dhabi reiste. Muller präsidierte damals die Organisation Genève Tourismus. Gegenüber der «Tribune» wollte er sich nicht dazu äussern, weshalb er die Vereine unterstützte.

In Genf kann jeder Bürger und jedes Unternehmen politische Parteien unterstützen, ohne dies deklarieren zu müssen – sofern diese selber politisch keine Position beziehen und keine Kandidatenliste aufstellen. Ein Betrag in dieser Höhe ist jedoch ungewöhnlich. Muller hat gemäss «Tribune de Genève» zudem in einem seiner Hotels einen Apéro mit 200 Personen zu Maudets 40. Geburtstag ausgerichtet, darunter waren auch Journalisten.

Kriegskasse der Radikalen

Die beiden Vereine haben in den vergangenen Jahren Maudets politische Kampagnen mitfinanziert. Im einen Fall war das offiziell der Zweck des Vereins. Lange wusste aber nicht einmal seine eigene Partei von dessen Existenz. Erst im Sommer, als Maudet wegen seiner Abu-Dhabi-Reise in der Kritik stand, soll er der Parteispitze davon erzählt und angeboten haben, das Geld der Partei zukommen zu lassen. Sie lehnte aber ab, weil sie nicht wusste, woher es kam.

Der zweite Verein, der Cercle Fazy Favon, ist sozusagen die Kriegskasse der früheren Radikalen. Diese hatten sie 2011 kurz nach ihrer Fusion mit den Liberalen eingerichtet, damit ihr Geld nicht im gemeinsamen Topf aufgeht.

Grégoire Mangeat, der Anwalt Pierre Maudets, sagt auf Anfrage nur, es gebe viele Aussagen im Bericht, die nicht korrekt seien, und verweist auf seinen Tweet. Darin schreiben er und seine Anwaltskollegin Fanny Margairaz unter anderem, die beiden Vereine stünden nicht unter Führung Pierre Maudets und der Betrag von 100'000 Franken sei weit von der Realität entfernt.

Was tut seine Partei?

Nach dieser Recherche werden erneut Rufe nach einem Rücktritt Maudets laut. So twitterte Pierre Ruetschi, der frühere Chefredaktor der «Tribune», der Fall Maudet erweise sich zunehmend als schwierig. Seine Manöver hinter dem Rücken seiner Partei seien beschämend. Ihr bleibe keine andere Wahl, als ihm den Rücktritt nahezulegen. Der Genfer FDP-Präsident Alexandre de Sernarclens war gestern für Redaktion Tamedia nicht erreichbar.

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