Zürichsee

Werden Böötler am Zürichsee abgezockt?

Bootsanlegeplätze an Schweizer Seen kosten nicht überall gleich viel. Der Preisüberwacher verlangt eine Erklärung.

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Am Zürichsee stehen über 9oo0 Bootsplätze zur Verfügung; mehrere Tausend Personen befinden sich auf den Wartelisten der Gemeinden. Bis der Traum eines eigenen Platzes in Erfüllung geht, können gut und gerne 15 Jahre vergehen. An anderen Schweizer Seen sieht es ähnlich aus.

Die begrenzte Kapazität scheint ein Nährboden für ausufernde Tarife zu sein. Der Preisüberwacher hat von Gemeinde zu Gemeinde erhebliche Preisunterschiede festgestellt. Das sei erklärungsbedürftig, schreibt er.

Anlass für die Untersuchung war, dass sich wiederholt Einheimische wegen der unterschiedlichen Tarife für das Parkieren des Bootes am Seeufer beim Preisüberwacher meldeten. Resultate der daraufhin aufgenommenen Untersuchung veröffentlichte die Preisüberwachung am Donnerstag in ihrem Newsletter.

Über 1000 Franken pro Jahr

Der teuerste Wasserplatz kostet demnach 1487 Franken im Jahr, der günstigste dagegen lediglich rund 144 Franken. Unterschiede bei Einrichtung, Alter und Komfort der Anlage könnten zwar den Preis beeinflussen, schreibt Monsieur Prix, Stefan Meierhans. Trotzdem sieht er Erklärungsbedarf.

Das Boot jederzeit fahrbereit im Wasser zu haben, ist in Lachen SZ am Zürichsee am teuersten. Auch in sieben weiteren Häfen muss man jährlich über 1000 Franken berappen. Am unteren Ende der Liste finden sich Romanshorn TG am Bodensee, Nyon VD am Genfersee und Gambarogno TI am Lago Maggiore.

Enorme Preisunterschiede gibt es auch bei der Gebühr für den Eintrag auf Wartelisten für Bootsplätze. Fünf Jahre Warten kosten zwischen 220 und 10 Franken. Hier spielten weder Komfort noch Investitionen in eine Bootsanlage eine Rolle, schreibt Meierhans dazu. In einigen Gemeinden ist das Warten auf den Bootsplatz sogar gratis.

Eine Rechtfertigung für den Preisunterschied von mehr als 1 zu 20 sieht der Preisüberwacher im Vorneherein nicht, wie er schreibt. «Eine solche Gebühr scheint (...) oftmals (...) nicht mehr mit den Kosten in Relation zu stehen, sondern nur den Zweck der Nachfragesteuerung respektive -drosselung zu verfolgen.»

Am meisten kosten Plätze auf der Warteliste in einigen Zürichsee-Gemeinden. 220 Franken fürs Warten verlangt Männedorf, dahinter folgen die Stadt Zürich und Küsnacht mit je 180 Franken. Aber es geht auch anders: Rapperswil und Lachen – beide auch am Zürichsee – wollen kein Geld für den Platz auf der Warteliste.

Um die 10 Franken kostet der Listenplatz in Rorschach SG sowie in Pully VD am Genfersee. Gratis ist der Warteplatz unter anderen auch in Genf, Vevey, Neuenburg, den Berner Oberländer Gemeinden Brienz, Thun und Spiez sowie in Lugano.

Gemeinden ansprechen

Meierhans will nun die Gemeinden mit überdurchschnittlich hohen Gebühren für die Anlegeplatz-Miete und das Warten auf Bootsplätze mit den Resultaten seiner Untersuchung konfrontieren. Er behalte sich vor, zu einem späteren Zeitpunkt formelle Empfehlungen abzugeben, heisst es im Newsletter.

In der Erhebung berücksichtigt wurden Häfen der öffentlichen Hand in Gemeinden mit mehr als 5000 Einwohnern. Die Analyse beschränkt sich auf die günstigsten ganzjährig verfügbaren Steg- und Trockenplätze mit der Mindestgrösse von 2 mal 5 Metern. Bei Motorbooten bezieht sich die Berechnung auf die kleinstmögliche Motorenleistung. (nag/SDA)

Erstellt: 25.04.2019, 11:06 Uhr

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