Tod eines Zugbegleiters: Hat der Bund Sust-Vorgaben nicht beachtet?

Nachdem in Zürich 2016 eine Frau vom Zug mitgeschleift wurde, soll das Bundesamt für Verkehr Abklärungen versäumt haben.

2016 wurde eine Frau mit einem Arm zwischen den geschlossenen Türflügeln eingeklemmt und mitgeschleift, danach soll die Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust dem Bundesamt für Verkehr Abklärungen aufgetragen haben. Bild: Urs Jaudas

2016 wurde eine Frau mit einem Arm zwischen den geschlossenen Türflügeln eingeklemmt und mitgeschleift, danach soll die Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust dem Bundesamt für Verkehr Abklärungen aufgetragen haben. Bild: Urs Jaudas

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Der tödliche Unfall eines Zugbegleiters in Baden weckt Erinnerungen an einen ähnlichen Vorfall von 2016 in Zürich. Die Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust will nun auch abklären, inwiefern das Bundesamt für Verkehr (BAV) ihre damaligen Sicherheitsempfehlungen umgesetzt hat.

Die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens SRF hat den Fall am Mittwoch aufgegriffen: Am 13. Januar 2016 war eine Frau schwer verletzt liegen geblieben, nachdem sie mit einem Arm zwischen den geschlossenen Türflügeln eingeklemmt und mitgeschleift worden war. Der Vorfall ereignete sich bei der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn (SZU) an der Haltestelle Zürich Schweighof.

Die Sust erliess damals eine Sicherheitsempfehlung an die Adresse des Bundesamtes für Verkehr. Die Behörde sollte prüfen, ob bei anderen Fahrzeugtypen ein ähnliches Sicherheitsdefizit vorliegt und geeignete Massnahmen für deren Behebung ergreifen. Gemäss der «Rundschau» hat das BAV aber damals keine dokumentierten Abklärungen bei anderen Bahnunternehmen getätigt. Die Fernsehsendung bekam gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz Einblick in den Schriftwechsel.

In der von der «Rundschau» der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zur Verfügung gestellten Antwort des BAV an die Sust heisst es: «Aus Sicht des BAV liegt bei anderen Fahrzeugen kein vergleichbares Sicherheitsdefizit vor. Massnahmen zu dessen Behebung sind somit obsolet.» Aus der Sicht des BAV war damit die Sicherheitsempfehlung umgesetzt.

Die Sust will nun im Rahmen der laufenden Untersuchung zum tödlichen Unfall des Zugbegleiters in Baden, der ebenfalls in der Türe eingeklemmt und mitgeschleift worden war, auch den Fall Schweighof und die Frage der Umsetzung ihrer Sicherheitsempfehlungen aufnehmen. Denn möglicherweise hätte das Problem beim aktuellen Unfallwagen der SBB entdeckt und damit der Unfall vom ersten Augustwochenende verhindert werden können.

BAV-Direktor Peter Füglistaller sagte im Gespräch mit der «Rundschau» zu den Vorwürfen: «Die Stellungnahme der Sust hat uns wirklich sehr sehr überrascht.» Sie sei auch unprofessionell. Die Massnahmen seien damals mit der Sust abgestimmt worden. Die Türen anderer Bahnen seien nicht mit denjenigen der SZU vergleichbar. Auch die Türen der Einheitswagen IV seien anders gebaut und wiesen keine breiten Gummilippen auf, wie sie zum Unfall in Zürich Schweighof geführt hätten.

Auch Alarm funktionierte nicht

Gemäss der «Rundschau» zeigte der Untersuchungsbericht zum Fall Schweighof aber noch einen weiteren Mangel auf, der auch beim tödlichen Unfall Anfang August aufgetreten war: Dass nämlich dem Lokführer die Türen als geschlossen gemeldet werden, obwohl dies nicht der Fall ist.

Gemäss Füglistaller wurde dieses Problem bei dem Wagentyp damals behoben. Gleichzeitig betonte der BAV-Direktor, dass sein Bundesamt lediglich die «Sicherheitsaufsichtsbehörde» sei und nicht die Aufgabe habe, jedem einzelnen Detail jeder Bahn nachzugehen.

Für die Sicherheit seien die Unternehmen selber zuständig. Würde diese Verantwortung auf das BAV übertragen, dann würden die Unternehmen nur noch das kontrollieren, was ihnen aufgetragen werde, glaubt Füglistaller. «Und das wäre eine ganz gefährliche Verschiebung der Verantwortung». (sda)

Erstellt: 11.09.2019, 21:16 Uhr

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