Teure Grünkost wird zum Zankapfel

Schweizer Gemüse und Früchte sind zu teuer, sagt der Preisüberwacher. Das kommt bei Bauernchef und Parteikollege Ritter gar nicht gut an.

Eine Kundin kauft Aprikosen in Leukerbad. (Archivbild) Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

Eine Kundin kauft Aprikosen in Leukerbad. (Archivbild) Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

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Der Beginn klingt noch wie ein Werbespot des Bauernverbands. Es sei jetzt wieder Saison für Schweizer Landwirtschaftsprodukte: «Wunderbar frisches Gemüse, reife Früchte, knackiger Salat, schreibt Stefan Meierhans in der jüngsten Ausgabe seines Blogs. «Was will man mehr?», fragt der Preisüberwacher, der seit 2008 im Amt ist. Und wird dann deutlich: «Das Ganze zu günstigeren Preisen.»

Ein Blick in die Ladenregale zeigt in der Tat teils beträchtliche Differenzen. Bei Coop etwa kostet derzeit ein Kilo Aprikosen aus dem Wallis 9.40 Franken. Mit 5.95 Franken deutlich günstiger fährt, wer sich für den Import aus Spanien entscheidet.

Die Schweiz hat typischerweise in der Gemüsesaison ein Preishoch. Während dieser Zeit sei die Schweizer Ware auf dem Markt, welche aufgrund höherer Produktionskosten teurer sei als ausländische Ware, schreibt das Bundesamt für Landwirtschaft in einer Analyse aus dem Jahr 2017.

Hinzu kommt: Importe werden nur dann freigegeben, wenn das inländische Angebot den Bedarf nicht deckt. Ansonsten gilt der hohe Zollansatz für Produkte, die ausserhalb der Kontingente eingeführt werden. Durch dieses Grenzschutzregime, so das BLW, werde das Angebot importierter Ware verknappt, weshalb sich das Gemüse im Schweizer Detailhandel verteuere.

Absprachen als Preistreiber

Meierhans weist auf einen weiteren Grund für die hohen Preise hin: Absprachen in der Branche, die es in der Vergangenheit immer wieder gegeben hat. Gerade erst am Mittwoch hat die Wettbewerbskommission (Weko) bekannt gegeben, ein Unternehmen mit rund 150’000 Franken zu büssen. Die betreffende Firma – die Bucher Landtechnik in Niederweningen ZH – verkauft als Generalimporteur Traktoren, Maschinen und andere landwirtschaftliche Geräte.

Findet den Entscheid der Weko «richtig und wichtig»: Preisüberwacher Stefan Meierhans. (Archivbild) Bild: Peter Schneider/Keystone

Laut Weko verpflichtete sie ihre Händler vertraglich dazu, sämtliche Ersatzteile für Traktoren einer bestimmten Marke bei ihr zu kaufen. Zusätzlich bestand ein Anreizsystem, das die Bezugsmenge von Ersatzteilen mit den Rabattkonditionen für Traktoren derselben Marke verknüpfte. In solch einem Klima, resümiert Preisüberwacher Meierhans, «gedeihen meist keine guten Preise, aber es wachsen die Kosten aufseiten der Landwirte». Den Entscheid der Weko bezeichnet der Jurist deshalb als «richtig und wichtig».

«Eine Branche, die auf Marktschutz zu Hause setzt, wird von den Auswüchsen ebendieser Abschottung selbst geplagt.»Stefan Meierhans, Preisüberwacher

Damit belässt es der Preisüberwacher aber nicht. Für Meierhans ist es eine «Ironie des Schicksals», dass eine Branche, die auf Marktschutz zu Hause setze, von den Auswüchsen ebendieser Abschottung selbst geplagt werde – offenkundig eine Breitseite gegen die helvetische Agrarpolitik, die sich mit Zöllen und Gesetzen vor ausländischen Produkten schützt. Eine Breitseite also auch gegen den Schweizer Bauernverband, der diesen Kurs mitträgt. Dessen Präsident, Nationalrat Markus Ritter, ist wie Meierhans Mitglied der CVP und stammt aus Altstätten SG. Doch diese Gemeinsamkeiten vermögen den Graben zwischen den beiden nicht zuzuschütten.

«Ohne Grenzschutz für Schweizer Lebensmittel wäre hierzulande eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Produktion für die Bauernfamilien nicht möglich.»Markus Ritter, Präsident Bauernverband

«Ohne Grenzschutz für Schweizer Lebensmittel wäre in der Schweiz eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Produktion für die Bauernfamilien nicht möglich», entgegnet Ritter. Die Schweizer Landwirtschaft produziere standortgebunden und könne nicht Teile von ihr ins günstigere Ausland verlagern, wie dies andere Bereiche der Wirtschaft täten. Einig geht Ritter mit Meierhans einzig im Befund, dass illegale Absprachen zu verurteilen seien.

«Wir sind nicht nur ein Hochpreis-, sondern auch ein Hochlohnland»: Bauernverbands-Präsident Markus Ritter. (11. Juli 2019) Bild: Peter Klaunzer/Keystone

Solche Auswüchse seien allerdings nur teilweise schuld an den hohen Kosten der Landwirtschaft in der Schweiz, relativiert Ritter. «Wir sind nicht nur ein Hochpreis-, sondern vor allem auch ein Hochlohnland.» Die Schweizer Landwirte hätten zum Beispiel 50 Prozent höhere Kosten für Maschinen, Gebäude und Löhne als die Kollegen in Baden-Württemberg und Bayern. Ebenfalls schlügen hierzulande die Kosten für Serviceleistungen oder Versicherungen enorm zu Buche.

Diesmal keine Spitze gegen Parteifreund

Offene Märkte versus Heimatschutz, Meierhans gegen Ritter. Es ist nicht die erste Auseinandersetzung, die sich die beiden CVPler liefern. Als Meierhans 2014 in seinem Papier «zehn Denkanstösse für tiefere Preise» einen Agrar-Freihandel mit der EU propagierte, sprach Ritter von einer Idee aus der «politischen Mottenkiste». Eine solche Spitze unterlässt Ritter diesmal.

Erstellt: 18.07.2019, 15:00 Uhr

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