Sepp Blatter vom eigenen Anwalt brüskiert

Ein prominenter Strafverteidiger rückt im Fall um den angeschlagenen Bundesanwalt Lauber in den Vordergrund.

Delikate Doppelrolle: Anwalt Lorenz Erni (rechts) mit seinem Mandanten Sepp Blatter. Foto: Fabrice Coffrini (AFP)

Delikate Doppelrolle: Anwalt Lorenz Erni (rechts) mit seinem Mandanten Sepp Blatter. Foto: Fabrice Coffrini (AFP)

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Offiziell sagt Sepp Blatter nur zwei Worte: «No comment.» Aber aus seinem Umfeld kommen Zeichen der Irritation. Der Grund: Blatters Anwalt Lorenz Erni, ein bekannter Strafverteidiger, vertritt nun auch Bundesanwalt Michael Lauber. Und zwar im Disziplinarverfahren, das die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) gegen den obersten Strafverfolger Lauber führt, weil dieser sich informell mit Fifa-Präsident Gianni Infantino traf.

Aussagen aus Blatters Beraterkreis deuten darauf hin, dass der langjährige Fifa-Patriarch vom neuen Mandat Ernis nichts wusste. Blatter ist dafür bekannt, dass Loyalität für ihn alles ist.

Lorenz Erni aus Zürich gilt als «Starverteidiger», den schon Regisseur Roman Polanski, Swissair-Chef Philippe Bruggisser und Ex-Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz an ihre Seite holten. Blatter unterstützt er in einem Strafverfahren bei der Bundesanwaltschaft, die wegen Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung gegen ihn ermittelt. Es geht dabei um eine Zwei-Millionen-Zahlung der Fifa an den Ex-Uefa-Präsidenten Michel Platini.

Kurz: Anwalt Erni ist im Fall Fifa doppelt im Spiel – aufseiten des obersten Verbrecherjägers und aufseiten eines prominenten Beschuldigten.

Darf er das? Oder unterliegt er einem Interessenkonflikt? Was zum Beispiel passiert, wenn Lauber gegenüber Sepp Blatter aus irgendeinem Grund befangen wäre? Dann müsste Erni ein Ausstandsersuchen stellen – gegen seinen eigenen Klienten.

Nicht zwingend ein Interessenkonflikt

Ebenso ist es vorstellbar, dass sich die beiden Erni-Mandate überschneiden: In der Disziplinaruntersuchung durchleuchten externe Experten «das Aussageverhalten des Bundesanwalts gegenüber der AB-BA sowie seine Handlungen innerhalb des Fifa-Verfahrenskomplexes». So steht es in einer offiziellen AB-BA-Mitteilung. Es kann durchaus sein, dass dabei auch der Fall Blatter/Platini zur Sprache kommt.

Nur: Damit ist noch nicht gesagt, dass jetzt schon ein Interessenkonflikt im rechtlichen Sinn vorliegt. «Bei dem Thema kommt es sehr stark auf den Einzelfall an», sagt Kaspar Schiller. Der Winterthurer Anwalt schrieb ein Lehrbuch zum Thema Anwaltsrecht und präsidierte früher den Schweizer Anwaltsverband. Klar sei, dass es einen konkreten Interessenkonflikt brauche, ein abstrakt vorstellbarer Konflikt reiche nicht aus. Oder anders gesagt: Es ist nicht schon ein Interessenkonflikt, nur weil die beiden Mandate mit Fussball oder der Fifa zu tun haben.

Externe Ermittler kritisiert

Bleibt die Frage: Was hat Erni als Vertreter von Michael Lauber eigentlich unternommen?

Zunächst hat er von der AB-BA «umfassende Information» darüber eingefordert, was die Aufsicht durch die externen Experten überhaupt untersuchen will. Und: Auf welche Rechtsgrundlage sie den Einsatz von bezahlten Ermittlern stützt. Die Aufsicht – auch disziplinarrechtlich – gehöre doch eigentlich zu den Kernaufgaben der AB-BA, schrieb Erni am 1. Juli in einem Brief an die AB-BA, der dieser Zeitung vorliegt: «Wir können daher nicht erkennen, was zur Delegation der Untersuchung an externe Personen berechtigt.»

Weiter argumentiert Erni, dass die Vorwürfe gegen Lauber schon längst abgehandelt seien. Und zwar durch frühere Ermittlungen der AB-BA zum Fifa-Komplex, die im Tätigkeitsbericht für das Jahr 2018 zusammengefasst waren.

Die Abklärungen mündeten damals in der Empfehlung, dass der Bundesanwalt künftig alle Treffen mit Verfahrensbeteiligten dokumentieren solle. Weitere Sanktionen gab es nicht. Aus Ernis Sicht hat die AB-BA Lauber damit «materiell Décharge erteilt». Auch aus diesem Grund müsse man unbedingt wissen, was denn nun noch untersucht werden solle.

Eine Anfrage zu seiner Doppelrolle liess Lorenz Erni am Donnerstag unbeantwortet.

Erstellt: 05.07.2019, 06:54 Uhr

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