Ruth Humbel will tiefere Prämien durch Schrittzähler

Wer gesünder lebt, soll weniger für die Krankenkasse bezahlen. Das möchte die Aargauer CVP-Politikerin. Ihr Ansatz: Technologie.

Tiefere Gesundheitskosten durch mehr Gesundheitskompetenz: Dies fordert die CVP-Politikerin Ruth Humbel in einer Motion. (Archivbild) Bild: Gaetan Bally

Tiefere Gesundheitskosten durch mehr Gesundheitskompetenz: Dies fordert die CVP-Politikerin Ruth Humbel in einer Motion. (Archivbild) Bild: Gaetan Bally

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Das Schweizerische Gesundheitswesen lege den Fokus auf das Kurieren von Krankheiten, schreibt Ruth Humbel in ihrem Vorstoss im Nationalrat. Die Aargauer CVP-Politikerin schlägt deshalb vor, dass wer gesünder lebt mit tieferen Krankenkassenprämien zu belohnen.

80 Prozent der Gesundheitskosten entfallen Humbel zufolge auf nicht übertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme. Deshalb will sie bei der Prävention ansetzen.

Humbels Ansatz: «Die digitalen Instrumente schaffen neue Möglichkeiten zur Krankheitsvorbeugung und der Steigerung der Gesundheitskompetenz», schreibt sie. Schrittzähler, die in vielen Gesundheits-Apps auf Mobiltelefonen enthalten seien, seien wirkungsvoller als flächendeckende Präventionskampagnen.

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Dabei geht es Humbel um «konkrete, messbare Massnahmen», wodurch eine gesetzliche Grundlage für für Anreize bei den Prämien entstehen soll.

«Versicherte sollen belohnt werden, die nachweislich Massnahmen zur Erhaltung ihrer Gesundheit treffen (Schrittzähler, Blutdruckmessung) und die Daten in ihr elektronische Patientendossier einstellen, sofern sie dies wollen und dies im Rahmen einer besonderen Versicherungsform wählen.»

Durch Selbstkompetenz zu tieferen Prämien: Wer seine Bewegungen elektronisch registriert, soll belohnt werden. (Archivbild) Bild: Reuters

Die gesammelten Daten sollen zudem der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung gestellt werden können, wozu Humbel eine Rechtsgrundlage fordert.

Erste Reaktionen

Humbels Vorstoss unterzeichnet haben 22 weitere Parlamentarier. Die ersten Reaktionen sind sehr unterschiedlich. «Ich unterstütze Massnahmen, die die Eigenverantwortung der Versicherten stärkt und belohnt, deshalb habe ich die Motion unterzeichnet», sagt etwa FDP-Nationalrat Thierry Burkart der «Aargauer Zeitung» Die Digitalisierung biete ein grosses Sparpotenzial im Gesundheitswesen, sagt Burkart, der zu den Unterzeichnenden gehört.

Diese Meinung teilt auch SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner: Er begrüsse es sehr, dass es mit dem Vorstoss möglich werden soll, Versicherte mit tieferen Prämien oder Rabatten zu belohnen. Dies sei heute rechtlich nicht zugelassen oder zumindest umstritten. Giezendanner, der auch Vizepräsident des Verwaltungsrats der Krankenkasse KPT ist, sieht weder eine Gefahr der Diskriminierung, noch mögliche Konflikte mit dem Datenschutz. «Versicherte müssen sich freiwillig für ein solches Modell entscheiden können, dann sind die Bedingungen für alle klar.»

Ganz anders sieht es Irène Kälin, Nationalrätin der Grünen: «Prävention in Ehren, aber der Vorstoss widerspricht aus meiner Sicht dem Solidaritätsprinzip in der Krankenversicherung, deshalb werde ich ihn nicht unterstützen», sagt sie. Als schwierig betrachtet sie die Definition, was denn genau gesundheitsbewusstes Verhalten sei. Ob es auch Rabatte für jemanden gebe, der beispielsweise in einem Raucher-Elternhaus aufgewachsen sei, fragt sie. «Andererseits müssten Versicherte sehr private Gesundheitsdaten angeben, das halte ich aus Gründen des Datenschutzes für problematisch, auch wenn es freiwillig geschieht.»

(oli)

Erstellt: 10.10.2018, 08:44 Uhr

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