Pannenzug FV-Dosto schaltet sich selbst aus

Der neue Doppelstockzug der SBB kommt nicht auf Touren. Ein Fehler in der Software sorgt dafür, dass sich der Zug alle paar Tage vom Strom trennt.

Am Samstagmorgen mussten in Rorschach wegen einer Störung 200 Passagiere aus einem FV-Dosto evakuiert werden. (Foto: Keystone)

Am Samstagmorgen mussten in Rorschach wegen einer Störung 200 Passagiere aus einem FV-Dosto evakuiert werden. (Foto: Keystone)

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Die neuen Doppelstockzüge der SBB von Bombardier, die FV-Dosto, haben pannenreiche Tage hinter sich. Am Montag war eine Komposition auf dem Intercity 3 zwischen Basel, Zürich und Chur unterwegs – mit mässigem Erfolg. Der Zug, der um 9.33 Uhr in Basel abfuhr, kam laut Daten der SBB wegen einer technischen Störung mit 28 Minuten Verspätung in Chur an, wie 20min.ch berichtet.

Am Samstagmorgen mussten in Rorschach wegen einer Störung 200 Passagiere aus einem FV-Dosto evakuiert werden. Am früheren Abend schaffte es ein FV-Dosto von Zürich über St. Gallen nach Chur nur bis an den Zürcher Flughafen, von wo er nach einer Störung nicht mehr loskam. Stunden später schaffte es der FV-Dosto, der um 21.09 Uhr in Zürich Richtung St. Gallen abfahren sollte, gerade mal bis Zürich-Wipkingen.

SBB sind nicht zufrieden

Die Pannen sind auch den SBB nicht entgangen. «Die Zuverlässigkeit der FV-Dosto ist noch nicht zufriedenstellend», sagt Sprecher Martin Meier. «Bombardier und die SBB arbeiten weiterhin mit Hochdruck daran, die Verfügbarkeit weiter zu erhöhen.» Über alles gesehen sei die Zuverlässigkeit aber besser geworden.

Die Züge sind aber nach wie vor viel störungsanfälliger als die üblichen Fernverkehrszüge der SBB. Während bei den bisherigen Doppelstockzügen, den IC 2000, laut der NZZ etwa alle 9000 Kilometer eine Störung auftritt, trat bei den FV-Dosto im Mai fast alle 3000 Kilometer eine Störung auf, im Juni war der Wert sogar noch schlechter. Das berichtet die «Schweizer Eisenbahn-Revue» (SER) unter Berufung auf Zahlen der SBB. In der ersten Juliwoche sei der Zielwert erstmals wieder erreicht worden.

Zug schaltet sich selbst aus

Die Planung der SBB sieht vor, dass die Züge bis im Dezember nur noch etwas weniger als alle 7000 Kilometer eine Störung produzieren. Teils muten die Störungen skurril an. So berichtet die SER, dass sich die Stromabnehmer der FV-Dosto-Züge alle 12,1 Tage senken. Der Zug schaltet sich damit aus – ohne dass die Ursache für den Lokführer sichtbar ist.

Die Ursache dafür ist laut SER, dass das GPS-Zeitsignal alle 12,1 Tage zu einer «nicht plausiblen Rückmeldung» führe und das System aus Sicherheitsgründen das Senken der Stromabnehmer durchführe. Die SBB bestätigen den Fehler. Er habe in einem Fall zu einem Ausfall geführt, in zwei weiteren Fällen sei es deswegen zu einer Verspätung gekommen. Das Problem werde mit dem nächsten Software-Update behoben. Das ist laut SER allerdings erst im Oktober der Fall. Bis dann müssen Lokführer das Problem manuell beheben.

«Für Passagiere dramatisch»

Ein weiteres, mittlerweile behobenes Problem war offenbar, dass die Türen bei Arbeiten durch Bombardier falsch eingestellt wurden. Das hat laut SER zu einer Verdoppelung der Türstörungen im Juni geführt.

Zurzeit sind von insgesamt 62 Zügen 19 von den SBB vorübernommen worden, etwa neun davon sind im regelmässigen Einsatz. Die SBB rechnen laut Sprecher Martin Meier damit, dass sie «voraussichtlich bis Ende Jahr genügend Fahrzeuge haben, um das geplante Angebot ohne Einschränkungen zu fahren».

Karin Blättler, die Präsidentin von Pro Bahn, verliert die Geduld mit dem FV-Dosto. «Das Projekt kommt nicht zum Fliegen. Das ist ein offenes Geheimnis», sagt sie. Für die Passagiere auf den Linien, auf denen der FV-Dosto fahre, sei das «äusserst mühsam». «Die SBB müssen das Problem entweder lösen oder für Ersatz sorgen», sagt Blättler. «Es ist jetzt schon viel zu viel Zeit verstrichen. Das hätte die Bahn schon vor Jahren machen müssen.»

(step)

Erstellt: 07.08.2019, 09:17 Uhr

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