Bund knausert bei tödlicher Krankheit

Hepatitis fordert in der Schweiz fast so viele Menschenleben wie der Strassenverkehr. Doch Bern investiert kaum in die Prävention.

«Jeder Todesfall ist ein Versagen des Versorgungssystems», sagt Philip Bruggmann, Präsident vom Verein Hepatitis Schweiz. Foto: iStock

«Jeder Todesfall ist ein Versagen des Versorgungssystems», sagt Philip Bruggmann, Präsident vom Verein Hepatitis Schweiz. Foto: iStock

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Jedes Jahr sterben in der Schweiz rund 200 Menschen an den Folgen von Hepatitis. Das sind etwa gleich viele Opfer wie bei Unfällen im Strassenverkehr. Obwohl es wirksame Instrumente gegen die Krankheit gibt. Eine Impfung schützt vor Typ B, gegen Typ C sind Medikamente auf dem Markt.

«Es mangelt an Aufklärung», sagt Philip Bruggmann, Präsident vom Verein Hepatitis Schweiz. «In der Bevölkerung ist viel zu wenig bekannt über die Krankheit.» Der Vergleich mit HIV sei angebracht. «Dort ist die Aufmerksamkeit deutlich besser, es gibt ein nationales Programm, und der Bund finanziert wirksame Kampagnen», sagt Bruggmann. «Nicht so bei Hepatitis.» Obwohl diese deutlich mehr Menschenleben fordert.

FDP-Ständerat Damian Müller wollte es genau wissen. «Wie viele Ressourcen der öffentlichen Hand stehen für die Prävention von viraler Hepatitis zur Verfügung?», fragte er den Bundesrat per Interpellation. Der antwortete am Mittwoch, man messe der Bekämpfung «grosse Bedeutung» zu. Um dann zu konkretisieren: «Das Bundesamt für Gesundheit wendet jedes Jahr einen Betrag in der Grössenordnung von 300'000 Franken als Sachmittel auf.»

«Solch bescheidene Mittel reichen auf keinen Fall, um diese Epidemie zu bekämpfen.»Philip Bruggmann, Präsident vom Verein Hepatitis Schweiz

Im Zentrum stünden Kampagnen und vorbeugende Massnahmen. Gerade für Drogenkonsumenten, weil diese bei der durch Blut übertragbaren Krankheit eine zentrale Rolle spielen. So sei der Kampf gegen Hepatitis auch ein wichtiger Aspekt in der «Strategie Sucht» des Bundes. Und weiter: «Zur Umsetzung der Aktivitäten und um an externe Institutionen oder Personen vergebene Mandate zu koordinieren, werden jährlich personelle Ressourcen im Umfang von circa 110 Stellenprozenten eingesetzt.»

Für Hepatitis Schweiz ein Affront. «Solch bescheidene Mittel reichen auf keinen Fall, um diese Epidemie zu bekämpfen», sagt Präsident Bruggmann. Er hat in einer eigenen Studie verschiedene Szenarien für das Jahr 2030 berechnet. Bleiben die eingesetzten Ressourcen gegen Hepatitis unverändert, so sinken demnach die Todesfälle immerhin auf 150 pro Jahr. Doch auch das ist zu wenig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat schon vor Jahren Vorgaben für alle Mitgliedsstaaten beschlossen. In der Schweiz müsste die Sterbezahl bis 2030 auf 70 sinken. Was die Konsequenzen sind, falls dies nicht geschieht, ist unklar. Für Bruggmann wäre aber auch jenes Resultat nicht zufriedenstellend. «Wir sprechen von Folgen, die sich heute verhindern liessen», sagt er. «Insofern ist jeder Todesfall ein Versagen des Versorgungssystems.»



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(SonntagsZeitung)

Erstellt: 26.05.2019, 08:59 Uhr

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