US-Sonderermittler Mueller sucht Spuren in der Schweiz

Nachforschungen zu den Manipulationen sozialer Medien in Trumps Wahlkampf führen zu einer Vermögensverwaltung in Zürich.

Inwieweit die Firma Salix Services im amerikanischen Wahlkampf eine Rolle gespielt hat, ist unklar. Geschäftssitz am Parkring in Zürich. Foto: Google Maps

Inwieweit die Firma Salix Services im amerikanischen Wahlkampf eine Rolle gespielt hat, ist unklar. Geschäftssitz am Parkring in Zürich. Foto: Google Maps

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Tief und weit «wie die Wurzeln eines Weidenbaums» reiche das Netzwerk an Kunden, Vermittlern und Institutionen der Finanzwelt. So präsentiert sich die Zürcher Finanzverwaltungsfirma Salix Services auf ihrer Website. Wie weit diese Wurzeln wirklich reichen, dafür interessiert man sich jetzt offenbar sogar in den USA. Laut einem Bericht des US-Onlinemediums «The Daily Beast» spielt die Schweizer Firma mit Sitz am Zürcher Parkring eine wichtige Rolle bei den Nachforschungen von US-Sonderermittler Robert Mueller. Sie stehe gar «im Herzen von Muellers Puzzle».

Mueller untersucht, ob der Präsidentschaftswahlkampf 2016 von ausländischen Organisationen beeinflusst wurde, was nach amerikanischem Recht verboten ist. Im Zentrum steht der Verdacht russischer Manipulationen zugunsten des jetzigen Präsidenten Donald Trump. Aber Mueller ermittelt auch gegen Organisationen aus anderen Ländern.

«Psychologische Operationen»

Zum Beispiel gegen die israelische Psy Group: Sie steht in Verdacht, für das Wahlkampfteam von Donald Trump Kampagnen gegen Konkurrentin Hillary Clinton entwickelt zu haben, unter anderem mit falschen Profilen in den sozialen Medien. Darüber berichteten die «New York Times» und aktuell das Magazin «The New Yorker»: Bei einem ersten Treffen im August 2016 mit Donald Trump junior sei ein millionenteures Konzept für Manipulationen der sozialen Medien zugunsten Trumps zwar abgelehnt worden. Dennoch habe ein Trump nahestehender Lobbyist später zwei Millionen Dollar für die Dienste der Psy Group gezahlt. Der Name «Psy» steht für «PsyOps» – die Abkürzung für «Psychologische Operationen».

Die Spur dieser Firmen führt über Zypern und die britischen Jungferninseln an den Zürcher Parkring.

Als Kopf der Psy Group wurde von mehreren US-Medien der aus Australien stammende Israeli Joel Zamel identifiziert. Doch die wahren Eigentümer der Firma verstecken sich hinter Offshore-Firmen. Die Spur dieser Firmen führt über Zypern und die britischen Jungferninseln an den Zürcher Parkring. Salix Services verwaltete Firmen in den beiden Offshore-Paradiesen, das geht aus Dokumenten hervor, die der Redaktion Tamedia vorliegen. Sie stammen aus den «Panama Papers», den vertraulichen Unterlagen des mittlerweile liquidierten Verwalters von Offshore-Firmen, Mossack-Fonseca. Von mindestens einer dieser Firmen gibt es eine direkte Verbindung zur Psy Group. Wer aber wirklich hinter Salix Services steht, bleibt geheim. Die Firma beantwortet die Fragen der Redaktion Tamedia nicht.

Website vom Netz genommen

Salix ist der lateinische Name des Weidenbaums. Die Firma bietet auf ihrer Website eine «massgeschneiderte, dynamische Vermögensverwaltung» für Privatkunden an, in der Schweiz und auf den Jungferninseln. Die Website von Salix Services wurde an diesem Mittwoch vom Netz genommen.

CEO und Präsidentin des Verwaltungsrats von Salix Services ist Judith Hamburger-Ornstein. Die 68-jährige Tessinerin mit Wohnsitz in Zürich hat zahlreiche Mandate in Firmen, die ihren Zweck mit Vermögensverwaltung oder «An- und Verkauf von Liegenschaften» angeben. Unter anderem sass Hamburger-Ornstein im Verwaltungsrat der Zuger Firma eines bekannten ehemaligen Schweizer Fussballers. Dieser lobt Hamburger-Ornstein als sehr professionell: Sie habe «super korrekt gearbeitet». Die Firma des Ex-Fussballers wurde dennoch im Sommer 2018 liquidiert.

Hauptdarsteller in Doku über Superreiche

Hamburger-Ornstein sass von 2004 bis 2010 auch im Verwaltungsrat der Sinitus AG in Küsnacht ZH. 2014 wurde Sinitus von der Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) aufgelöst. Die Bundesanwaltschaft ermittelt seither gegen die Firma und ihren Gründer. Es geht um den Verdacht der Beihilfe zu einem mutmasslichen Millionenbetrug.

Der Deutsche Florian Homm hatte beim Zusammenbruch seines Hedgefonds einen Schaden von 200 Millionen Dollar hinterlassen, war 2007 abgetaucht, später verhaftet und wieder freigelassen worden. Zuvor soll er über die Sinitus AG mindestens 100 Millionen Dollar für sich in Sicherheit gebracht haben. In den USA ist Homm angeklagt und stand auf der FBI-Liste der meistgesuchten Verbrecher. Auch in der Schweiz laufen die Ermittlungen weiter. Homm kann heute trotzdem unbehelligt in Deutschland leben. Er ist nun sogar Hauptdarsteller in einer Dokumentation über das Leben der Superreichen, die in den nächsten Wochen in die Kinos kommt.

Laut amerikanischer Anklageschrift wurden mithilfe von Sinitus zweistellige Millionensummen aus Homms Hedgefonds veruntreut, zu einer Zeit, als Judith Hamburger-Ornburg noch im Verwaltungsrat sass. Wusste sie davon? Sie beantwortet die Fragen der Redaktion Tamedia nicht. Für sie gilt die Unschuldsvermutung. Die Bundesanwaltschaft führt zurzeit kein Strafverfahren gegen sie.

Wer sind die Eigentümer der Psy Group?

Es gibt keinen Hinweis, dass Hamburger-Ornstein oder ihre Firma Salix Services direkt in die Manipulationen des US-Wahlkampfes verwickelt waren. Allerdings könnte sie vermutlich Auskunft über die wahren Eigentümer der Psy Group geben und damit für mehr Klarheit sorgen, wer wirklich an der mutmasslichen Manipulation der sozialen Medien und den Hetzkampagnen gegen Hillary Clinton beteiligt war.

Laut «New York Times» erhielt der Chef der Psy Group, Joel Zamel, Geld für seine Kampagne von einem Lobbyisten im Dienste der Kronprinzen von Saudiarabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zamel wiederum soll gute Kontakte zum israelischen Geheimdienst Mossad haben. Der «New Yorker» beschreibt seine Firma als «privater Mossad – zu vermieten». Nachdem ein erster Bericht über Psy im Sommer 2018 erschienen war, meldete die Firma den Konkurs an und wurde aufgelöst.

Es ist nicht das erste Mal, dass Sonderermittler Mueller Interesse an der Schweiz zeigt: Im vergangenen Jahr gab der Zürcher Anwalt Stephan Roh zu, dass er in New York von Muellers Mitarbeitern verhört worden war. Roh könnte Informationen haben, wie Trumps Wahlkampfteam zu den Russen Kontakt aufnahm. Das Büro von Sonderermittler Mueller beantwortet Medienanfragen prinzipiell nicht.

Erstellt: 13.02.2019, 19:19 Uhr

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