Kritik an Jobvergabe: Sohn erhält Stelle des Vaters im VBS

Das Verteidigungsdepartement steht in der Kritik: Ein Mitarbeiter erhielt von einer Chefin den Posten seines Vaters.

Kommandochefin Katrin Stucki verabschiedet Ruedi Althaus und heisst dessen Sohn zum ersten Arbeitstag willkommen. Video: SRF/Tamedia

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ruedi Althaus tauscht seinen Posten beim Verteidigungsdepartement VBS gegen ein Abenteuer als Gästehausbetreiber in Uruguay. Seine Nachfolge in der Einheit für Schiesswesen und Ausserdienstliche Tätigkeiten ist geregelt: Sohn M. Althaus übernimmt. Kommandochefin Katrin Stucki verabschiedet Althaus und heisst dessen Sohn zum ersten Arbeitstag willkommen, wie eine Szene in der SRF-Auswandererserie «Auf und davon» zeigt (siehe Video).

Sie habe M. aus verschiedenen Bewerbern für Ruedis Nachfolge ausgewählt, berichtet die Stimme im Off. «Er ist Jungschützenleiter und Schützenmeister. Er kennt das Business, das wir hier betreiben», zählt Stucki auf. Natürlich sei es sehr schade, dass der Vater gehe. «Ich sagte, was ich wollte, und er fand immer irgendeine Lösung. Jetzt wollen wir schauen, ob das beim Junior auch so ist.»

«Der Bund ist kein Familienbetrieb»

Die Szene sorgt für Naserümpfen. Es sei fraglich, ob die Qualifikation des Sohnes sauber abgeklärt worden sei oder die Beziehung zum Vater gespielt habe, sagt Hansjörg Schmid, Sprecher von Angestellte Schweiz, zu 20min.ch. So wolle die Chefin etwa auch «schauen, ob der Junior auch immer eine Lösung findet». Sei der Sohn wie alle anderen Bewerber behandelt worden, müssten solche Fragen laut Schmid hingegen nicht mehr im Raum stehen. «Sie hätte bereits herausgespürt, wozu ihr neuer Mitarbeiter fähig ist.»

Für Schmid steht fest: «Wenn ein Arbeitgeber sauber sein will, lässt er die Finger von familiären Beziehungen.» Als öffentlicher Arbeitgeber müsse der Bund besonders vorsichtig sein. «Er ist kein Familienbetrieb.» SP-Nationalrätin Tamara Funiciello sagt: «Es ist eine Illusion, zu glauben, der Geburtsstand spiele keine Rolle mehr.» Auf dem Stellenmarkt hätten persönliche Beziehungen nach wie vor Einfluss. «Um Vetternwirtschaft auszuschliessen, müssten Arbeitgeber ihre Bewerbungen so weit wie möglich anonymisieren.» Über den vorliegenden Fall wolle sie kein Urteil abgeben.

Ausschreibung sei intern gewesen

Die Stelle als Leiter Ausbildung und Technik wurde laut Chefin Katrin Stucki intern ausgeschrieben. Acht Bewerbungen seien eingegangen.«Gemäss Ausschreibung, der Sichtung der Bewerbungen und den durchgeführten Vorstellungsgesprächen war Herr Althaus der geeignetste Kandidat. Darum hat er den Zuschlag erhalten.»

Althaus habe nicht bessere Chancen gehabt, weil sein Vater der Vorgänger gewesen sei, sagt Stucki. Im Auswahlverfahren gälten für alle Bewerber die gleichen Voraussetzungen. «M. Althaus hatte bereits eine Anstellung beim VBS, eine technische Berufsausbildung, ist Offizier in der Armee und hat gute Sprachkenntnisse.» Zudem verfüge er über gute Kenntnisse des Schiesswesens, sei ein motivierender Ausbilder, guter Administrator und Organisator, habe redaktionelles Geschick und Print-Erfahrung sowie gute Informatikkenntnisse.

«Erhalte sehr viele positive Rückmeldungen»

«Für mich spielt der Verwandtschaftsbezug bei der Auswahl von neuen Mitarbeitenden keine Rolle, ausschlaggebend ist in jedem Fall deren Qualifikation», so Stucki. Auch M. Althaus sagt: «Ich erhalte seit meinem Stellenantritt sowohl von Arbeitskollegen als auch von Kunden sehr viele positive Rückmeldungen zu meiner Arbeit.»

«Es muss nicht unbedingt schlecht sein, wenn ein Arbeitgeber ein Familienmitglied nachzieht», sagt Sicherheitspolitiker und GLP-Nationalrat Beat Flach. In den 80ern habe ihn eine Baufirma auch als Nachfolger seines Vaters eingesetzt. «Eine Firma will die besten Mitarbeiter. Es ist von Vorteil, wenn ein Nachfolger kommt, der am Vorgänger anknüpfen kann.» Klar sei aber, dass das Auswahlverfahren ordentlich ablaufen müsse und die Arbeitgeber den anderen Mitarbeitern eine solche Kandidatenwahl plausibel erklären müssten. «Sonst schwingt der Eindruck von Vetternwirtschaft immer mit.» (step)

Erstellt: 16.01.2020, 16:18 Uhr

Artikel zum Thema

VBS will Freipass zum Abhören politischer Extremisten

Der Bund wälzt brisante Pläne zur Stärkung des Nachrichtendienstes. Kritiker zeigen dennoch Verständnis. Mehr...

Nachrichtendienst erhält 100 neue Stellen

Der Bundesrat stimmt einem Antrag von Verteidigungsministerin Viola Amherd zu. Mehr...

Bundesrat will mehr Swisscoy-Soldaten in den Kosovo schicken

Aufgrund der schlechteren Sicherheitslage will die Schweizer Landesregierung den Maximalbestand auf 195 Armeeangehörige erhöhen. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Blog

Kommentare