«Ich entschuldige mich für den peinlichen Fehler»

Eine Flugshow der Patrouille Suisse fand am falschen Ort statt. Jetzt äussert sich Pilot Gunnar Jansen zum Irrflug.

Fehler passieren auch bei der Patrouille Suisse: Ein Pilot der Schweizer Kunstflug-Staffel im Cockpit. Foto: Gaetan Bally

Fehler passieren auch bei der Patrouille Suisse: Ein Pilot der Schweizer Kunstflug-Staffel im Cockpit. Foto: Gaetan Bally

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Die Patrouille Suisse hätte am Samstag im Rahmen der Gedenkfeier zum 100. Todestag von Oskar Bider über Langenbruck BL eine Flugshow abhalten sollen. Doch die Patrouille-Suisse-Fans wurden enttäuscht. Anstelle von Langenbruck führte die Fliegerstaffel den Überflug irrtümlich über dem Nachbarort Mümliswil-Ramiswil durch. Dort fand an diesem Wochenende das 31. Nordwestschweizerische Jodlerfest statt. Im Gespräch mit 20min.ch erklärt der Leader der Patrouille Suisse, Gunnar Jansen, wie es zu der Verwechslung kam.

Herr Jansen*, als Leader der Patrouille Suisse steuerten Sie am Samstag das Jodlerfest in Mümliswil SO statt die Gedenkfeier in Langenbruck BL an. Wann wurde Ihnen der Fehler bewusst?
Ich habe es erst nach der Landung gemerkt, als ich mit dem Kommandanten der Patrouille Suisse telefoniert hatte. Er teilte mir mit, dass ich Langenbruck verfehlt hatte.

Wie konnte es dazu kommen?
Bei einem Überflug wie am Samstag fliegen wir das erste Mal über das Ziel, während wir bei einer Vorführung das Gelände vorher auskundschaften und dann vor Ort trainieren. Ich flog am Samstag also das erste Mal über das Gebiet. Ich steuerte vor 11 Uhr ins Tal hinein, als ich den Funk bekam, ein Helikopter befinde sich ebenfalls im Gebiet. Während ich darüber nachdachte, wie ich an ihm vorbeikomme, überflog ich Langenbruck und es tauchte bereits das Festzelt von Mümliswil auf und ich nahm an, das sei die Gedenkfeier.

Bei Überflügen navigieren Sie ohne Bodenunterstützung. Zudem ist die Technik des Tiger F5 veraltet. Trotzdem: Darf einem Profi ein solches Missgeschick passieren?
Eigentlich nicht. Ich entschuldige mich bei allen Besuchern sowie den Fans, die extra nach Langenbruck gereist sind. Ich kann ihre Enttäuschung absolut nachvollziehen. Man muss aber sehen: Bei Überflügen navigiere ich mit einer 1:100'000-Karte und fliege auf Sicht. Der Tiger F5 besitzt zwar eine Art Navigationssystem, doch es ist ungenau: Pro Stunde in der Luft beträgt die Abweichung zur tatsächlichen Position einen bis drei Kilometer. Deshalb muss ich auf meine Sicht vertrauen.

Die Reaktionen waren heftig: Die Besucher waren enttäuscht, Spott ergoss sich über die Kunstflugstaffel.
Der Fehler ist mir sehr peinlich. Als Leader bin ich für die Navigation verantwortlich. Aber der Fall zeigt, dass auch bei der Patrouille-Suisse Piloten trotz hartem Training die menschliche Komponente als Fehlerquelle nie ganz ausschalten können. Unsere sechs Piloten müssen in kürzester Zeit Entscheidungen treffen, wir sind nicht unfehlbar. Ich muss aber auch sagen, dass wir froh sind, dass es zu keinem sicherheitsrelevanten Vorfall gekommen ist.

Was lernen Sie aus der Panne?
Wenn immer möglich muss der Kommandant am Boden stationiert sein, der uns in einem solchen Fall auf den Fehler hinweisen kann. Dies ist bei Flugshows bereits der Fall, dies soll nun aber auch bei Überflügen die Regel sein.

*Gunnar Jansen ist der Leader der Patrouille Suisse. Er ist seit 2010 bei der Fliegerstaffel dabei.

Erstellt: 08.07.2019, 13:08 Uhr

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