«An unseren Grundsätzen ändert sich nichts»

Nach einem Interview der designierten SRF-Chefin Nathalie Wappler müssen die Chefs intern beschwichtigen. Journalisten sind irritiert.

Nicht einfach Klischees vom Typ «SVP gleich Stumpenraucher» bedienen, sagt die künftige SRF-Chefin Nathalie Wappler: Bundeshausjournalisten befragen Ueli Maurer (Januar 2018).

Nicht einfach Klischees vom Typ «SVP gleich Stumpenraucher» bedienen, sagt die künftige SRF-Chefin Nathalie Wappler: Bundeshausjournalisten befragen Ueli Maurer (Januar 2018). Bild: Keystone

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Nathalie Wappler, künftige Direktorin von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), wurde in der «NZZ am Sonntag» gefragt, wie sie die No-Billag-Kritiker zu besänftigen gedenke. Sie antwortete: «Wir müssen uns verändern, das hat das Abstimmungsergebnis zum Ausdruck gebracht.» SRF müsse keinen Meinungsjournalismus machen. Wenn ein Journalist den Eindruck erwecke, er wisse es besser als der befragte Politiker, dann provoziere das einen Vertrauensverlust. Wappler, derzeit noch Programmleiterin beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), wurde am 5. November vom SRG-Verwaltungsrat gewählt, im April 2019 soll sie ihre neue Stelle antreten.

Nun will sie also ein faktenbasierteres, weniger politisches Programm. Was bedeutet das konkret? Das fragten sich die Journalisten bei SRF am Montag nach der Publikation des Interviews, die Aussagen von Nathalie Wappler waren in den Redaktionsräumen in Zürich und Bern das Tagesgespräch.

Internes Mail zur Beruhigung

Radiochefin Lis Borner schickte deshalb ihren Mitarbeitern noch am selben Tag ein Mail, in dem sie zu beruhigen versucht. In dem Schreiben, über das die «Medienwoche» berichtete und das auch der Tamedia-Redaktion vorliegt, heisst es unter dem Betreff «Anmerkung zu Nathalies gestrigem Interview»: «An unseren bisherigen Grundsätzen ändert sich nichts.» Man werde weiterhin nicht nur abbilden, sondern auch einordnen, und Meinungsjournalismus sei bisher nicht erwünscht gewesen und werde es auch weiterhin nicht sein. Dies schrieb sie nach Rücksprache mit Nathalie Wappler den Redaktionsleitern, die es ihren Leuten weiterleiten sollen, falls im Team Fragen auftauchen.

Video – «Ich stehe für Kritik hin»

Die neue SRF-Direktorin Nathalie Wappler im Interview. Video: Lea Koch und Claudia Blumer

Die neue SRF-Chefin will also keinen Meinungsjournalismus mehr, während SRF-Journalisten der Ansicht sind, diesen habe es bei ihnen noch nie gegeben. Tatsächlich haben TV-Kommentare in der Schweiz keine starke Tradition. Anders als in Deutschland kommt es bei uns selten vor, dass der Chefredaktor oder die Redaktionsleiterin sich vor die Kamera setzt und einen mehrminütigen Monolog zu einem aktuellen Ereignis hält. Nathalie Wappler meint allenfalls kritischen Journalismus, bei dem die Haltung des Journalisten wahrnehmbar ist und der je nach Standpunkt einer Partei – häufig der SVP – missfällt.

Entsprechend reagierte ein Blogger auf der Website des MDR, wo Wappler noch bis im Frühling 2019 Programmleiterin ist. Er schreibt von Objektivitätswahn und von einem Irrtum, dem Wappler unterliege: Jene, die Meinungsjournalismus ablehnten, bezeichneten ja längst auch Fakten, die ihnen nicht passen, als Meinung, schreibt er.

Claudio Zanettis Bewerbung beim SRF

Einen Tag nach Lis Borner wandte sich am Dienstag auch Chefredaktor Tristan Brenn an seine Belegschaft. Er leitete Borners Mail weiter und schrieb dazu: «Was Lis Borner schreibt, deckt sich mit meiner Wahrnehmung. Auch ich habe gestern mit Nathalie telefoniert. Wir sind uns im Prinzip einig, was guten Journalismus ausmacht. Diesen wollen wir auch in Zukunft weiterverfolgen. Nach unseren bisherigen Vorstellungen und Standards, die Lis unten beschreibt.»

Während SRF-Journalisten sich besorgt Fragen stellen, freuen sich andere an der künftigen Chefin. Diese sagte im Interview auch: «Wir Journalisten müssen uns am Riemen reissen, dass wir nicht einfach Klischees vom Typ SVP gleich Stumpenraucher bedienen.»

SVP-Politiker reagierten deshalb erfreut auf das Interview. So sagte beispielsweise SVP-Nationalrat Claudio Zanetti gegenüber dem Nachrichtenportal «nau.ch», er habe sich diesen Sommer erfolglos beim «Echo der Zeit» beworben. Es sei ihm ja klar gewesen, dass er unter der damals «stramm ideologisch ausgerichteten SRF-Führung» eine Absage bekomme. Heute stünden seine Chancen wohl besser, meinte er. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.11.2018, 15:48 Uhr

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