Abkommen mit Saudiarabien auf Eis gelegt

Nach dem Fall Khashoggi hat die Wirtschaftskommission die Beratungen sistiert und fordert vom Bundesrat eine neue politische Strategie.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Wirtschaftskommission des Nationalrates (WAK) will das Doppelbesteuerungsabkommen mit Saudiarabien vorerst nicht genehmigen. Sie begründet dies mit dem gewaltsamen Tod des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi.

Mit 23 zu 0 Stimmen bei 1 Enthaltung beschloss die WAK, die Beratung des Doppelbesteuerungsabkommens (DBA) zu sistieren, wie die Parlamentsdienste am Dienstag mitteilten. Sie will erst darüber befinden, wenn der Bundesrat eine politische Strategie gegenüber Saudiarabien vorgelegt hat - voraussichtlich nächstes Jahr.

Dieser Beschluss dränge sich insbesondere nach der Ermordung Khashoggis auf, schreibt die Kommission. Der Bundesrat solle die Beziehungen zu Saudiarabien grundlegend überprüfen. Genehmigt hat die WAK Doppelbesteuerungsabkommen mit Sambia, Ecuador, Brasilien sowie mit dem Vereinigten Königreich.

Wichtiger Handelspartner

Das Abkommen mit Saudiarabien war im Februar in Riad unterzeichnet worden. Wie andere DBA soll es eine Doppelbesteuerung bei Einkommens- und Vermögenssteuern verhindern. In der Botschaft ans Parlament schreibt der Bundesrat, Saudiarabien sei für die Schweiz ein wichtiger Handels- und Investitionspartner. Im Jahr 2016 habe die Schweiz an 15. Stelle der Importpartner Saudi-Arabiens gestanden.

Der Kapitalbestand der schweizerischen Direktinvestitionen nach Saudiarabien betrug Ende 2016 rund 906 Millionen Franken und hatte sich damit gegenüber Ende 2007 ungefähr versechsfacht. Schweizer Unternehmen verfügen laut dem Bundesrat über eine starke Präsenz in Saudiarabien und beschäftigten dort per Ende 2016 über 12'000 Personen.

2017 hatte das Parlament den automatischen Informationsaustausch (AIA) über Finanzkonten mit Saudiarabien genehmigt. In der ersten Beratungsrunde hatte der Nationalrat allerdings aus rechtsstaatlichen Bedenken dagegen gestimmt.

Gewaltsamer Tod im Konsulat

Khashoggi, ein Kritiker des saudischen Kronprinzen Muhammad bin Salman, hatte am 2. Oktober das Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul betreten, um Dokumente für die Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abzuholen. Er tauchte nie wieder auf.

Saudiarabien bestritt lange, mit seinem Verschwinden etwas zu tun zu haben. Auf internationalen Druck gab Riad eine offizielle Erklärung ab, wonach es zwischen Khashoggi und mehreren Personen zu einer Schlägerei mit tödlichem Ausgang gekommen sei. (anf/sda)

Erstellt: 13.11.2018, 15:43 Uhr

Artikel zum Thema

Nationalräte wollen Steuerdeal mit Saudiarabien stoppen

SonntagsZeitung Nach dem Kashoggi-Mord gerät das eben erst ausgehandelte Steuerabkommen von links und rechts unter Druck. Mehr...

Schweiz exportiert keine Waffen-Ersatzteile mehr nach Saudiarabien

«Externer Druck spielte eine Rolle»: Der Bundesrat verzichtet auch auf Waffenexporte in Bürgerkriegsländer. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Blog

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!