Ein Rektor reizt seine Position für den Wahlkampf aus

Mathias Gabathuler leitet eine St.Galler Kantonsschule und will für die FDP in den Nationalrat. Die Aula seiner Schule hat er für einen Parteianlass zur Verfügung gestellt.

«Es ist doch ein pädagogisches Thema, das gut in eine Schule passt»: Mathias Gabathuler zu der kontroversen Veranstaltung in der Aula seiner Schule. Foto: Keystone

«Es ist doch ein pädagogisches Thema, das gut in eine Schule passt»: Mathias Gabathuler zu der kontroversen Veranstaltung in der Aula seiner Schule. Foto: Keystone

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Kandidatinnen und Kandidaten der FDP St.Gallen touren momentan durch die Ostschweiz. An verschiedenen Orten laden sie zum Thema «Was sind die Gefahren des Internets für unsere Kinder?» ein, so auch an der «Kanti am Brühl» in St.Gallen. Politische Veranstaltungen sind in den öffentlichen Schulen des Kantons laut Verordnung nicht verboten. Sie liegen im Ermessen der Schulleitung. Im Falle der Kantonsschule am Brühl war es an Rektor Mathias Gabathuler, diesen Anlass zu genehmigen oder abzulehnen. Er hat den Saal der FDP zur Verfügung gestellt – und damit auch seinen eigenen Auftritt bewilligt. Denn Gabathuler ist Nationalratskandidat der FDP und hat den Abend mitgestaltet.

«Es ist doch ein pädagogisches Thema, das gut in eine Schule passt», sagt er. Ist es. Jedoch waren vier der fünf Redner Mitglied der FDP und stecken mitten in der entscheidenden Phase des Wahlkampfs. Gabathuler selbst, Karin Weigelt und Brigitte Bailer kandidieren für den Nationalrat; Marcel Dobler für den Ständerat. Auch ziert das FDP-Logo die Powerpoint-Folien. Gabathuler ist dennoch überzeugt: «Wir haben die Regeln eingehalten und 200 Franken Raummiete bezahlt.»

«Nicht sehr feinfühlig»

FDP-Ständeratskandidat Marcel Dobler, der den Abend mit einem Votum eröffnete, verweist auf die Schule: «Wir haben den Veranstaltungsort ordentlich angefragt und die Zusage erhalten.» Beim Anlass, der in ähnlicher Form auch in einem Stadtsaal und an zwei Hochschulen stattfand, gehe es um die Sache. «Ich habe keinen Ton über die Wahlen gesagt und nicht ein einziges Mal das Wort FDP benutzt», sagt Dobler.

In anderen Kantonen sind politische Veranstaltungen an Schulen strikter reguliert.

Max Lemmenmeier, der Präsident der SP St.Gallen, erachtet den Anlass der FDP an der Kantonsschule hingegen als «nicht sehr feinfühlig». Er hat selbst an einer Kantonsschule unterrichtet und hätte von Mathias Gabathuler mehr Zurückhaltung erwartet. «Es ist sein Arbeitsort – und nicht der Platz für Wahlpropaganda», sagt Lemmenmeier. Eine Verordnungsänderung strebt der SP-Kantonsrat trotzdem nicht an. Die Räumlichkeiten sollen der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Kritik hagelt es auch auf Twitter.

In anderen Kantonen sind politische Veranstaltungen an Schulen strikter reguliert. Der Kanton Solothurn verbietet parteipolitische Anlässe an den Mittelschulen – mit einigen Ausnahmen. Und in den Primar- und Sekundarschulen der Städte Luzern und Aarau sind politische Versammlungen untersagt.

FDP-Porträt auf Schul-Website

Mathias Gabathuler sieht sich als Bildungspolitiker. Vergangene Woche hat er einen FDP-Anlass zum Thema Kantonsschulausbildung veranstaltet. «Selbstverständlich trete ich im Wahlkampf auch als Rektor auf», sagt er. Das komme bei der St.Galler Bevölkerung gut an.

Der Politiker und der Schulleiter Gabathuler – sie sind auch online nicht klar trennbar. Auf seiner Facebook-Seite wechseln sich Wahl- und Schulbeiträge ab. Einmal FDP-Zelt und Apérogebäck am Marktplatz, dann wieder ein Maturaanlass in der Kanti, mit farbigem Pulver in der Luft. Sein Bild auf der Website der Kantonsschule hat Gabathuler dieses Jahr geändert. Im Hintergrund ist nicht mehr wie bei allen anderen leitenden Lehrpersonen ein Schulzimmer zu sehen, sondern das matte Grau seines FDP-Plakats. Weitere Fragen zu seiner Doppelrolle will Mathias Gabathuler nicht beantworten.

Bildungsdirektor Stefan Kölliker (SVP) sagt, er habe Gabathuler seine Zustimmung für die Kandidatur gegeben. Einzelne Anlässe habe er nicht mit ihm absprechen müssen. Würde Gabathuler als Nationalrat gewählt, werde er die Situation neu mit ihm beurteilen.

Erstellt: 08.10.2019, 14:17 Uhr

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