Zum Hauptinhalt springen

Lesereise im Kulturraum ThalwilSchriftsteller gewinnt Förderpreis dank Corona-Experiment

Für ihr literarisches Experiment zu Covid-19 sind der aus Thalwil stammende Autor Lorenz Langenegger und die Künstlerin Ruth Erdt ausgezeichnet worden.

Foto: Ruth Erdt
Der in Thalwil aufgewachsene Schriftsteller Lorenz Langenegger wurde für sein literarisches Experiment, an dem er zusammen mit der Künstlerin Ruth Erdt arbeitet, vom Kanton mit einem Werkbeitrag ausgezeichnet. 
Foto: Ruth Erdt
 

Von Nähe und Distanz handelt das literarische Experiment, das der in Thalwil aufgewachsene Schriftsteller Lorenz Langenegger und die Künstlerin Ruth Erdt in Zeiten von Covid-19 zusammen ins Leben gerufen haben. Das Experiement überzeugte auch die Literaturförderung des Kantons Zürich. Von 69 eingereichten Beiträgen gehören Langenegger und Erdt zu den sieben ausgezeichneten Künstlern, die einen Werkbeitrag in Höhe von 24’000 Franken erhalten. Die zwölf ausgezeichneten Autoren und Übersetzer sind bis zum 3. Oktober im Kanton Zürich auf einer Lesereise unterwegs. Am 17. September lesen Lorenz Langenegger und Ruth Erdt im Kulturraum Thalwil.

Zusammen mit Ruth Erdt haben Sie ein literarisches Experiment mit dem Titel «No Distance Left to Run» begonnen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Mit der Distanz ist es wie mit so vielem: Wenn wir sie nicht spüren, tut sie auch nicht weh. Solange ich die Möglichkeit habe, eine Reise zu machen, kann ich gut zu Hause bleiben. Covid-19 hat uns ganz viele Möglichkeiten geraubt. In dem Moment, als unsere Zusammenarbeit infrage gestellt wurde, wollten Ruth Erdt und ich unbedingt und sofort zusammenarbeiten.

Worum geht es in Ihrem Projekt?

Es geht um Nähe und Distanz. Und es geht darum, was dieser Zustand, in dem wir uns befinden, mit uns macht. Ruth Erdt und ich sammeln im Alltag, was wir finden. Dieses Material – Gedanken, Geschichten, Sätze oder auch nur einzelne Worte – tauschen wir aus und bringen es in eine literarische Form.

Zu welchen Erkenntnissen sind Sie während des Experiments gekommen?

Wir stehen noch ganz am Anfang. Bisher bin ich überrascht, wie sehr sich unsere Texte aufeinander beziehen, ohne dass wir es darauf anlegen. Ruth Erdt schreibt ihre Beobachtungen auf, sie sammelt in ihrem Umfeld, ich spüre meinem Alltag nach und bringe Verschiebungen und Erschütterungen zu Papier. Wir hören lange nichts voneinander, und trotzdem gibt es in den Motiven und Gedanken Überschneidungen, als ob wir viel enger zusammenarbeiten würden.

Vom Kanton Zürich sind Ruth Erdt und Sie dafür mit einem Werkbeitrag von 24’000 Franken ausgezeichnet worden. Was bedeutet Ihnen dieser?

Gerade weil unser Projekt als Experiment angelegt ist, freut es mich umso mehr, dass es das Vertrauen und die Anerkennung der Fachstelle Kultur gewinnen konnte. Niemand weiss, was dabei herauskommt, auch wir selbst nicht. Aber das Gefühl, dass zwischen Ruth Erdt und mir in dieser Situation etwas Aussergewöhnliches entstehen könnte, hat sich offensichtlich übertragen.

Am Donnerstag, 17. September, lesen Sie im Kulturraum. Was erwartet die Gäste?

Bruno Steiger stellt sein Buch «Blindes Gras. Das lyrische Werk» vor. Ruth und ich lesen Auszüge aus den Texten, die bisher entstanden sind. Dabei klingen manche Beobachtung aus dem März und April schon wie ferne Erinnerungen, anderes holt uns gerade wieder ein. Und dazu spielt die wunderbare Musikerin Anna Trauffer.

Sie sind in Thalwil aufgewachsen. Haben Sie noch eine Verbindung zur Gemeinde?

Aber ja. Meine Eltern und mein Bruder mit Familie leben in Gattikon. Ich habe meine ersten zwanzig Jahre hier verbracht. Ich bin ein Kind der Agglo. Das ist prägend.

Lesereise 2020 mit Ruth Erdt, Lorenz Langenegger und Bruno Steiger. Laudatorin: Jennifer Khakshouri. Am Donnerstag, 17. September, um 20.15 Uhr im Kulturraum Thalwil.