Weihnachtsessen

«Sagen Sie jetzt nichts oder wechseln Sie das Thema»

Der Knigge-Trainer und Stilberater Christian Wüest rät zu Umsicht an der Firmenfeier. Und hat Tipps zu Small Talk, Alkohol und Liebesabenteuer.

Christian Wüest gibt auch in Winterthur Kurse im Business Knigge.

Christian Wüest gibt auch in Winterthur Kurse im Business Knigge. Bild: zvg

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In vielen ­Firmen steht in diesen Tagen die jährliche Weihnachtsfeier an. Ist sie Pflicht?
Christian Wüest: Sie ist eine ungeschriebene Pflicht. Ein Weihnachtsessen ist ein Ausdruck der Wertschätzung der Firma den Mitarbeitenden gegenüber. Selbstverständlich ist Krankheit ein Entschuldigungsgrund, alles andere aber könnte wiederum der Arbeitgeber als mangelnde Wertschätzung wahrnehmen.

OK, überredet, ich gehe hin. Muss ich mich herausputzen?
Beachten Sie zwei einfache Regeln. Wenn die Einladung einen Dresscode vorgibt, halten Sie sich an diesen. Gibt es keinen Dresscode, dann kleiden Sie sich dem Ort entsprechend. In der Waldhütte kann es die Multifunktionsjacke sein, im noblen Restaurant nicht. Bei Unklarheiten fragen Sie ungeniert nach.

Ich bin jetzt an der Feier. An ­welchen Tisch setze ich mich?
An gut organisierten Weihnachtsfeiern ist die Sitzordnung festgelegt. Ist dem nicht so, ist es eine Frage der Persönlichkeit: Ich persönlich würde mich zu Kollegen setzen, die ich weniger gut kenne. Das fördert die Zusammenarbeit. Die engeren Kollegen sehe ich ja schon das ganze Jahr über. Gerade in einer grossen Firma ist das eine Chance zum Netzwerken.

Oje, der Firmenchef kommt an ­meinen Tisch! Was tun?
Das ist doch eine Geste der Wertschätzung. Erwidern Sie sie. Sprich: Kommt der Chef mit leeren Händen, bieten Sie ihm etwas zu trinken an. Der höfliche Umgang ist insbesondere an der Weihnachtsfeier das A und O.

Geben Sie mir bitte ein paar Small-Talk-Themen mit.
Die Lokalität ist immer ein interessantes Thema. Auch an einfachen Orten finden Sie etwas, worüber Sie etwas Nettes sagen können, sei es die Dekoration oder die Raumaufteilung. Anstehende Ferien sind auch ein guter Gesprächsstoff. Das Ziel ist eine unverkrampfte Unterhaltung, in der Ihr Gegenüber im Zentrum steht. Und denken Sie daran: Wer fragt, der führt.

Sind berufliche Themen tabu?
Grundsätzlich eher ja.

Jetzt lästert mein Tischnachbar X über Kollege Y.
Lästern geht gar nicht. Sagen Sie jetzt nichts, oder wechseln Sie aktiv das Thema. Es gelten die gleichen Regeln wie im Berufsalltag.

Wie viel Alkohol liegt drin?
Wer noch Auto fährt, hält sich natürlich ans Gesetz. Bei allen anderen sollte es nur so viel Alkohol sein, dass sie noch Herr über die eigenen Gefühle sind und wissen, was sie sagen.

Es spricht doch nichts gegen eine beschwipste Stimmung.
Doch. Es kann sein, dass ein Mitarbeiter oder insbesondere Ihr Chef eben nicht beschwipst ist und Ihr Verhalten einen bitteren Nachgeschmack bei ihm hinterlässt. Man darf lustig und fröhlich sein, aber alles hat seine Grenzen.

Nun habe ich mir doch ­etwas Mut angetrunken. Ist das der Moment, um mit der Kollegin aus der Buchhaltung anzubandeln?
(lacht) Nun gut, statistisch gesehen ist das Berufsleben eine wichtige Partnerbörse. Die Feier kann also durchaus eine Gelegenheit für seriöse Avancen sein. Wenn Sie aber nur das kurzfristige Abenteuer suchen, rate ich davon ab. Es könnte die Zusammenarbeit nachhaltig gefährden.

Das Essen war gut, die Dessertteller werden abgetischt. Darf ich mich jetzt verabschieden?
Noch nicht. Die klassische Faustregel besagt: 20 bis 30 Minuten nach dem Kaffee ist es anständig zu gehen. Vorher nicht.

Eine Runde Festfreudiger zieht weiter in den Ausgang. Gelten die gleichen Regeln weiterhin?
Nein, ist der offizielle Anlass ausdrücklich beendet, findet alles Weitere in einem neuen, nicht geschäftlichen Rahmen statt. Wenn aber Vorgesetzte dabei sind, wäre ich weiter vorsichtig. Es kann alles gegen Sie verwendet werden!

Christian Wüest gibt auch in Winterthur Kurse im Business Knigge:

www.my-image.ch

www.kfmv-winterthur.ch

Erstellt: 16.12.2016, 13:33 Uhr

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