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Konflikt in Berg-KarabachRussland besorgt über hohe Opferzahl

Der russische Aussenminister fordert eine unverzügliche Waffenruhe. Unterdessen geben sich beide Seiten die Schuld am Blutvergiessen.

Die Hauptstadt Berg-Karabachs, Stepanakert, wurde vom aserbaidschanischen Militär beschossen.
Die Hauptstadt Berg-Karabachs, Stepanakert, wurde vom aserbaidschanischen Militär beschossen.
keystone-sda.ch
Fotos vom 4. Oktober zeigen das Ausmass der Raketenangriffe.
Fotos vom 4. Oktober zeigen das Ausmass der Raketenangriffe.
via REUTERS
Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld für das Blutvergiessen.
Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld für das Blutvergiessen.
keystone-sda.ch
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Nach weiteren schweren Gefechten in der Südkaukasus-Region Berg-Karabach wächst die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan. Russland zeigte sich besorgt angesichts steigender Opferzahlen in der Zivilbevölkerung. Es sei eine schnellstmögliche Waffenruhe notwendig, forderte Aussenminister Sergej Lawrow. Nach Angaben seines Ministeriums in Moskau telefonierte er am Sonntagabend mit seinem armenischen Kollegen Sohrab Mnazakanjan.

Armenien sieht Russland als Schutzmacht, während die Türkei der engste Verbündete der öl- und gasreichen Ex-Sowjetrepublik Aserbaidschan ist. Am Wochenende war Berg-Karabachs Hauptstadt Stepanakert unter schweren Beschuss geraten. Aserbaidschan beklagte wiederum einen Angriff auf seine zweitgrösste Stadt Ganja (Gandscha). Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld an dem Blutvergiessen – wie seit Beginn der Kämpfe vor rund einer Woche.

Russland, Frankreich und die USA vermitteln

Der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan hatte am Wochenende eine stärkere Rolle Russlands ins Gespräch gebracht. Über mögliche russische Friedenstruppen sollte in der so bezeichneten Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) diskutiert werden, schlug er vor. In diesem Format vermitteln Russland, Frankreich und die USA in dem Konflikt.

In der «Bild»-Zeitung verwies der armenische Regierungschef zugleich auf die russische Militärbasis in seinem Land mit einem gemeinsamen Luftabwehrsystem. «Der Vertrag zu diesem System legt sehr deutlich fest, in welchen Fällen diese Streitkräfte auch zur Sicherheit Armeniens eingesetzt werden können», sagte er, ohne Details zu nennen. «Ich bin mir sicher, dass Russland seinen vertraglichen Verpflichtungen nachkommen wird, falls diese Fälle eintreten.»

Rotes Kreuz verurteilt «wahllosen Beschuss»

Armenien und Aserbaidschan kämpfen schon seit Jahrzehnten um die bergige Region, in der rund 145 000 Menschen leben. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 gilt eine brüchige Waffenruhe. Zuletzt gab es immer mal wieder Gefechte in der Region, allerdings nie so heftig wie seit einer Woche.

Die armenische Seite spricht bisher von mehr als 200 Toten, darunter überwiegend Soldaten. Über Tote und Verletzte in den Reihen der aserbaidschanischen Streitkräfte gab es keine Angaben.

Das Internationale Rote Kreuz in Genf verurteilte am Abend den «wahllosen Beschuss und andere rechtswidrige Angriffe» mit Waffen auf Städte und Siedlungen, bei denen Zivilisten getötet würden und schwere Verletzungen davontrügen. «Es müssen alle möglichen Massnahmen getroffen werden, um Zivilisten und zivile Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Schulen und Märkte zu schützen», forderte Regionaldirektor Martin Schüepp in Genf.

Gross ist die Sorge der internationalen Gemeinschaft nun, dass in Berg-Karabach islamistische Terroristen aus Syrien und Libyen ihr Geld mit Kämpfen verdienen könnten. Paschinjan wirft der Türkei vor, Söldner in den Südkaukasus verlagert zu haben. Auch Russland hatte mitgeteilt, plausible Hinweise darauf zu haben.

«Ich denke, dass dies jetzt in dieser Situation nicht mehr nur ein örtliches Sicherheitsthema ist», sagte Paschinjan der «Bild». «Es ist ein wesentlicher Teil der globalen Agenda.» Die europäischen Länder müssten nun den Angriff auf Berg-Karabach und Armenien durch Terroristen eindeutig verurteilen.

SDA

6 Kommentare
    Marc schiesser

    Das ist nicht nur ein Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien. Es wächst immer mehr zu einem Stellvertretterkrieg mit ähnlichen Parteien wie in Syrien, Irak, etc... Türkei, Saudis, USA und Israel sind alle daran interessiert den Einfluss von Iran & Russland im Nahost + Kaukasus zu schwächen. Auf der anderen Seite arbeiten Russland, China, Iran, immer enger zusammen. Israel und Türkei liefern Aserbaidschan mit Drohnen(zwei dieser Drohnen wurden bereits von de iranischen Luftabwehr abgeschossen), Gleichzeitig gibt es Berichte von russischen Lastwagenkolonen, die Armenien via Iran mit Waffen versorgen. Am gefährlichsten ist dabei, dass der "möchte gern Sultan" Erdogan ohne Bezug zur Realität Russland und Iran massiv provoziert. Wenn die beteiligten Parteien nicht aufpassen, kann das schnell aus der Kontrolle geraten.