Zum Hauptinhalt springen

Kahlschlag im AargauÜber 400 GE-Mitarbeitern droht die Kündigung

Der US-Industriekonzern General Electric will die Produktion im aargauischen Oberentfelden einstellen. Davon wären 436 Angestellte betroffen, teilte GE am Freitag mit. Die Aargauer Regierung kämpft mit dem Bund für die Jobs.

Der US-Konzern General Electric setzt in der Schweiz erneut den Rotstift an.
Der US-Konzern General Electric setzt in der Schweiz erneut den Rotstift an.
Foto: Thibault Camus (Keystone)

Der US-Industriekonzern General Electric (GE) setzt zu weiteren Einschnitten in der Schweiz an. Die Stromnetzsparte GE Grid Solutions will die Produktion in Oberentfelden AG einstellen. Davon wären 436 Angestellte betroffen, teilte GE am Freitag mit.

Allenfalls könnten 57 Stellen erhalten bleiben, heisst es weiter. Diese Stellen stammten hauptsächlich aus den Bereichen Forschung und Entwicklung, Logistik, Verkauf sowie Dienstleistungen zur Betreuung der installierten Basis in der Schweiz.

Grund für den Abbau seien die schwierigen Aussichten für den globalen Markt für gasisolierte Schaltanlagen (GIS) und die Notwendigkeit von der Sparte Grid, ihre Produktionsstandorte zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit zu konsolidieren.

«Erhebliche» Überkapazitäten

Der GIS-Markt sei durch «erhebliche» Überkapazitäten gekennzeichnet, was zu einem starken Preisverfall geführt habe. Nach Schätzungen von GE Grid Solutions seien die Preise seit ihrem Höchststand von 2008 um rund 40 Prozent gefallen.

Der Abbau-Vorschlag sei dem Europäischen Betriebsrat (EBR) von General Electric bereits am Mittwoch, den 9. September als Teil einer grösseren Transformation des Geschäftsbereichs in Europa vorgelegt worden, heisst es weiter.

Eine endgültige Entscheidung über den Vorschlag hinsichtlich Oberentfelden werde erst dann getroffen, wenn die Konsultationsverfahren des Europäischen Betriebsrats sowie auch auf lokaler Ebene in der Schweiz abgeschlossen seien. Beide Konsultationen liefen voraussichtlich bis Ende dieses Jahres.

Erneuter Personalabbau

Der US-Konzern tritt in der Schweiz bereits seit längerer Zeit auf die Kostenbremse und baut Personal ab. Im Juni 2019 hatte der Konzern den Abbau von rund 450 Jobs in Baden und Birr angekündigt. Nach Abschluss des Konsultationsverfahrens erhielten schliesslich 200 Mitarbeitende den blauen Brief.

Gründe dafür waren die natürliche Fluktuation, Vereinbarungen mit Dritten, Frühpensionierungen sowie ein geringerer Abbau von Stellen. Ein GE-Sprecher bezifferte die Anzahl der Beschäftigten von GE in der Schweiz damals auf noch auf noch rund 2'700 nach 3'050 Personen vor der damaligen Restrukturierung. Nun könnte die Anzahl der hiesigen Mitarbeiter also auf unter 2'300 fallen.

GE habe sich aber verpflichtet, die potenziell betroffenen Mitarbeitenden zu unterstützen und ihnen unter anderem Zugang zu einem eigenen internen GE-Stellenvermittlungszentrum zu ermöglichen, schrieb der Konzern.

Aargauer Regierung enttäuscht

Der Aargauer Regierungsrat äussert sich enttäuscht darüber, dass GE die früher gemachten Zusicherungen zum Erhalt der Arbeitsplätze im Kanton nicht mehr einhalten will.

Der Regierungsrat fordere zusammen mit Bundesrat Guy Parmelin, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF), die GE-Leitung auf, auf die Verlagerung des Standorts Oberentfelden nach Frankreich zu verzichten. Das teilte die Staatskanzlei Aargau am Freitag mit.

Man erwarte, dass GE ernsthaft nach Lösungen suche, um möglichst viele Stellen der Produktionsbetriebe in der Schweiz beziehungsweise im Aargau zu erhalten.

«Wir sind enttäuscht und betroffen, dass die GE-Führung die im Zusammenhang mit dem Standort Oberentfelden gemachten Versprechen bezüglich Stellenerhalt nun nicht mehr einhalten will», wird Regierungsrat Urs Hofmann (SP) in der Medienmitteilung zitiert.

Unverständnis im Aargau

Im Mai 2018 hatte GE angekündigt, 500 Stellen von Oberentfelden nach Birr AG zu verlagern. Im Februar 2019 wurde kommuniziert, dass der Standort Oberentfelden sehr gut ausgelastet sei und deshalb vorläufig auf einen Umzug ins Birrfeld verzichtet werde.

Gemäss Regierungsrat ist es in betriebswirtschaftlicher Hinsicht unverständlich, dass der Standort Oberentfelden beziehungsweise Birr geschlossen werden soll. Noch vor der Sommerpause sei intensiv am Umzug von Oberentfelden nach Birr gearbeitet worden.

Der Regierungsrat sieht nach eigenen Angaben «ernsthafte Reputations- und Glaubwürdigkeitsrisiken» für GE wegen der bisher abgegebenen Zusicherungen zum Erhalt des Standorts Oberentfelden/Birr.

Der Regierungsrat steht bei seinen Bemühungen, den GE-Standort Oberentfelden/Birr und damit die Arbeitsplätze im Aargau zu erhalten, in engem Kontakt mit Bundesrat Parmelin. Unter anderem habe in dieser Woche ein Gespräch zwischen Parmelin, dem Aargauer Landammann Markus Dieth und Vertretern der GE-Führung stattgefunden.

SDA

25 Kommentare
    Tom H

    GE - ein Laden in dem nichts, aber rein gar nichts, funktioniert. Nach 12 Jahren darf ich dies so behaupten. Ein Schrecken ohne Ende.