Zum Hauptinhalt springen

Rudy Giuliani bastelt an seiner Wahrheit in der Ukraine-Affäre

Trumps Anwalt hat einen Kurztrip in die Ukraine gemacht, um Schmutz gegen die Demokraten zu finden. Er plant eine TV-Dok, die den US-Präsidenten entlasten soll.

Bei seinem Kurztrip in Kiew traf Giuliani auch den Parlamentarier Adrii Derkach, der einst der Russland-freundlichen Partei des korrupten, früheren ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch angehört hatte. Foto: Keystone/AP
Bei seinem Kurztrip in Kiew traf Giuliani auch den Parlamentarier Adrii Derkach, der einst der Russland-freundlichen Partei des korrupten, früheren ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch angehört hatte. Foto: Keystone/AP

Im Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump weigert sich Rudy Giuliani, auszusagen. Stattdessen sammelt der 75-jährige zwielichtige Rechtsanwalt eifrig Material, das er gegen die Impeachment-Anstrengungen der Demokraten verwenden kann. Gemäss dem Newsportal «Buzzfeed News» und anderen US-Medienberichten ist Giuliani kürzlich – in Begleitung von Kamerateams – nach Kiew gereist, um Schlüsselfiguren der Ukraine-Affäre zu treffen. Das alles ist Teil einer Dokumentationsserie, die von One America News ausgestrahlt wird. Dieser TV-Sender ist noch konservativer als Fox News.

Trumps persönlicher Anwalt arbeitet an einer Verschwörungstheorie, wonach der frühere US-Vizepräsident Joe Biden und sein Sohn Hunter dubiose und widerrechtliche Dinge in der Ukraine getan haben sollen. Die Belastung der Bidens soll von den Verfehlungen des US-Präsidenten ablenken. Giuliani verteidigt nicht nur Trump, sondern auch sich selber. In den Impeachment-Anhörungen betonten mehrere Zeugen den Einfluss von Giuliani in dem Skandal um zurückgehaltene Militärhilfen für die Ukraine. Trump hatte in einem Telefonat vom ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski Ermittlungen gegen die angeblich korrupten Bidens gefordert.

Treffen mit früheren Generalstaatsanwälten der Ukraine

Gemäss Medienberichten traf Giuliani in Kiew Wiktor Schokin, einen früheren Generalstaatsanwalt der Ukraine. Schokin steht im Fokus der Ukraine-Affäre, weil Biden als US-Vizepräsident Ende 2015 auf seine Entlassung gedrängt hatte. Gegen Schokin gab es handfeste Korruptionsvorwürfe, sein Ausscheiden war denn auch international begrüsst worden. Dennoch: In den USA verbreiten Trump-Anhänger und konservative Kreise die Behauptung, Biden habe Schokin feuern lassen, um seinen Sohn Hunter Biden zu schützen, der für eine Gasfirma in der Ukraine arbeitete. Für diese Theorie gibt es keinerlei Beweise oder auch nur Anhaltspunkte.

Trotzdem bastelt Giuliani an dieser Verschwörungstheorie weiter. Ein zentraler Zeuge dafür ist Jurij Luzenko, der Nachfolger von Schokin im Amt des ukrainischen Generalstaatsanwalts. Luzenko soll offenbar bereit gewesen sein, Ermittlungen gegen die Bidens in Gang zu setzen. Er war es auch, der die ehemalige US-Botschafterin in Kiew, Marie Yovanovitch, loswerden wollte, weil die ihrerseits zu genau nachgefragt hatte, als es um schleppende Korruptionsermittlungen in der Ukraine ging. Luzenko ist nicht mehr im Amt, gegen ihn ermittelt die Justiz wegen Korruptionsvorwürfen.

Laut Medienberichten haben sich Luzenko und Giuliani diese Woche in Budapest getroffen. One America News verbreitete einen Tweet mit Fotos von Luzenko und Giuliani. Dabei wirft Luzenko der entlassenen US-Botschafterin Yovanovitch vor, in den Impeachment-Anhörungen unter Eid gelogen zu haben. Diese hatte Trump belastet.

Mit Konstantin Kulik traf Giuliani in Kiew einen weiteren früheren Generalstaatsanwalt der Ukraine. Auch Kulik war wegen Korruptionsverdachts gefeuert werden. Kulik sowie Luzenko und Schokin dienen Giuliani offenbar auch als Zeugen für eine weitere Verschwörungstheorie. Diese besagt, dass sich die Ukraine in den US-Wahlkampf 2016 eingemischt haben soll, um Hillary Clinton zum Sieg zu verhelfen. Auch dafür gibt es keine Belege. Es war Russland, das sich in die US-Präsidentenwahl einmischte.

Bei seinem Kurztrip in Kiew traf Giuliani weitere zwielichtige Figuren, so zum Beispiel den Parlamentarier Adrii Derkach, der einst der Russland-freundlichen Partei des korrupten, früheren ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch angehört hatte. Derkach, Absolvent einer Akademie des russischen Geheimdienstes FSB, unterhält laut Medienberichten Verbindungen zu russischen Oligarchen, die im Visier des FBI stehen.

Laut Christopher Miller, anerkannter Osteuropa-Korrespondent mehrerer Medien, traf Giuliani bei seiner 40-Stunden-Visite in der Ukraine «viele der dubiosesten Charaktere des Landes bei seinem Versuch, Schmutz zu finden, um Trump zu helfen und ein alternatives Narrativ zu den Impeachment-Untersuchungen der Demokraten zu stärken».

----------

Podcast: «USA: Entscheidung 2020»

Hören Sie sich die neuste Folge vom Podcast «Entscheidung 2020» mit USA-Korrespondent Martin Kilian und Auslandchef Christof Münger auch auf Spotify oder auf iTunes an.

----------

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch