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Einstieg von James MurdochRettung der MCH-Group: Verwaltungsrat warnt Aktionäre vor Scheitern

Der Verwaltungsrat des in Finanznöten steckenden Basler Messeveranstalters warnt die Aktionäre vor einem Scheitern des geplanten Rettungspakets. Die Zeit für alternative Lösungen sei «äusserst knapp».

Aktionäre gewarnt: Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer an einer Medienkonferenz der MCH Group.
Aktionäre gewarnt: Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer an einer Medienkonferenz der MCH Group.
Foto: Keystone

Der Verwaltungsrat des in Finanznöten steckenden Basler Messeveranstalters MCH hat die Aktionäre in einem Brief vor einem Scheitern des geplanten Rettungspakets gewarnt. Andernfalls wäre die verbleibende Zeit für alternative Sanierungslösungen «äusserst knapp», hiess es in einem am Samstag publizierten Brief an die Aktionäre.

Die Anteilseigner sollen an einer ausserordentlichen Generalversammlung am 3. August über mehrere Anträge des Verwaltungsrats für das Rettungskonzept abstimmen. Dieses sieht unter anderem den Einstieg des Unternehmers James Murdoch, Sohn des aus Australien stammenden Medienmoguls und Milliardärs Rupert Murdoch, als Investor vor. Vorgeschlagen ist dabei eine Kapitalerhöhung von insgesamt 104,5 Millionen Franken.

Die Traktanden stellten ein Gesamtpaket dar, betonte der Verwaltungsrat im Aktionärsbrief. Mit dem Paket werde die Voraussetzung geschaffen, dass das beschriebene Restrukturierungskonzept umgesetzt werden könne. Bei Ablehnung eines der Anträge scheitere die Sanierung der Gesellschaft. Grund sei die gegenseitige Abhängigkeit der Beiträge der öffentlichen Hand, der Kreditgeber und des neuen Investors.

Der Verwaltungsrat verteidigte in dem Brief auch den zuvor von Aktionärskreisen teils als zu tief kritisierten Preis pro Aktie für die vorgeschlagenen Kapitalmassnahmen. Dieser liegt bei 10.50 Franken. An der Börse hatte die Erwartung auf einen Bieterkampf den Kurs Anfang Juli auf beinahe 20 Franken getrieben.

Aktienpreis verteidigt

Er habe sich bei der Preisfestsetzung nicht vom spekulativ getriebenen aktuellen Aktienkurs leiten lassen, schrieb der Verwaltungsrat. Er habe wie bei solchen Transaktionen üblich den 60-Tage-Durchschnittswert der Aktie vor dem Einsetzen der Spekulationswelle um die MCH Group zu Rate gezogen. Unter Berücksichtigung des hohen Risikos infolge der grossen Unsicherheit im Messe- und Ausstellungsgeschäft erachte der Verwaltungsrat den festgelegten Preis als angemessen.

Murdoch soll die finanziell angeschlagene Gruppe mit Geld und Know-how zurück in die Spur bringen. Er sitzt unter anderem im Verwaltungsrat des US-Elektroautobauers Tesla, des US-Medienunternehmens News Corp und der Dia Art Foundation.

Bei der Basler Messebetreiberin soll die von Murdoch geführte Gesellschaft Lupa Systems LLC als Ankeraktionärin einsteigen. MCH will Lupa Systems über die Kapitalerhöhung an Bord holen. Der Verwaltungsrat will so die Messegruppe retten und die Zerschlagung der Gesellschaft mit mehreren Geschäftsbereichen – darunter die Kunstmesse Art Basel – verhindern.

SDA

16 Kommentare
    Thomas Z

    das Messegeschäft ist nicht tot. z.B. in Deutschland gibt es viele grosse Messen, die nach wie vor gut laufen, auch neue. Corona jetzt mal ausgeschlossen, aber das geht vorbei. Die Situation der MCH ist selbstverschuldet. Eine Mischung aus mangelnder Corporate Governance, Hochmut, Grössenwahn und Kritikunfähigkeit und auch Gier (da waren die Hotels und Restaurants auch dabei), kombiniert mit Disruption (Ende der MUBA, Digitalisierung etc) führte in unüberlegte Investments (HDM-Bau) und somit zu einer Überschuldung, auch wenn die Buchwerte der MCH das nicht anzeigen. Dass Murdoch offenbar statt CHF 35 (der innere Wert gem. MCH) nur CHF 10.50 pro Aktie zahlen soll, heisst, dass er a) seine eigene, deutlich niedrigere Bewertung der Firma machte und b) dass die Bilanz wohl überschuldet ist. Es ist eine Sanierung. Die MCH hat verspielt, der VR beschwört die Aktionäre, einer enormen Verwässerung zuzustimmen und BS verzichtet sogar auf die Bezugsrechte. Diese Vorgänge machen deutlich, dass die Situation sehr dramatisch ist. Murdoch kommt an ein Asset, die Art, das er strategisch global weitervermarkten kann. Und er kommt zu diesem Asset zu einem unglaublich niedrigen Preis.

    Leider sind es immer die gleichen Faktoren, Gründe, menschliche Unzulänglichkeiten, Abgründe, die zu Aufstieg und Fall von Menschen, Firmen, Länder führen. Auch hier, kein bisschen anders als tausendfach in der Literatur beschrieben. Es gibt nichts Neues unter der Sonne.