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Drama in IsoneGrenadier-Rekrut stirbt bei Leistungsmarsch im Tessin

Nach einer Suchaktion fand man den Rekruten der Grenadierschule leblos auf. Jede Hilfe kam zu spät.

Eine harte RS: Die jungen Menschen werden für die Wochen in Isone vorsichtig ausgewählt.
Eine harte RS: Die jungen Menschen werden für die Wochen in Isone vorsichtig ausgewählt.
Foto: Keystone

Ein Rekrut der Grenadierschule in Isone traf am Dienstag nach einem Leistungsmarsch nicht im Ziel ein. Er wurde nach einer kurzen Suchaktion tot aufgefunden, wie das Verteidigungsdepartement (VBS) mitteilte.

Der Rekrut konnte weder durch die Erste Hilfe leistenden Kader noch durch die rasch eingetroffenen zivilen Rettungskräfte reanimiert werden. Die Rekruten hatten nach einem Start im Zugsrahmen individuell auf einer Waffenplatzstrasse einen 6,5-Kilometer-Leistungsmarsch absolviert, wie es weiter heisst. Laut «RSI» soll es sich beim Verstorbenen um einen 21-jährigen Waadtländer handeln.

Die Angehörigen wurden informiert. Die Armeeführung kondoliere und sei in Gedanken bei ihnen, heisst es in einer Mitteilung der Armee. Die Angehörigen und die Kameraden des Verstorbenen werden von Care-Teams betreut. Die Militärjustiz hat eine Untersuchung aufgenommen.

Sportlich und fit

Für die Grenadier-Ausbildung würden fitte und sportliche junge Menschen ausgewählt, sagte Armeesprecher Stefan Hofer auf Anfrage. Die Selektionskriterien sind streng: Die Rekrutierung muss mit mindestens 90 Punkten absolviert werden, wie es in der Informationsbroschüre heisst.

Dazu kommen eine zweitägige Eignungsprüfung sowie eine mehrwöchige Selektion während der Rekrutenschule. Auch medizinische und psychologische Abklärungen werden gemacht.

Acht Todesfälle aus medizinischen Gründen

In den letzten 35 Jahren ist es in Schweizer Rekrutenschulen zu mindestens acht Todesfällen aus medizinischen Gründen gekommen. 2012 starb ein Rekrut nach einem plötzlichen Herzstillstand während der RS in Bière VD.

In Airolo starb 2009 ein 19-jähriger Rekrut beim Fussballspielen. Der Angehörige der Sanitäts-RS 42 war in einer Pause aus ungeklärten Gründen zusammengebrochen.

2003 starb ein Rekrut während eines 12-Minuten-Laufs in Birmensdorf ZH. Er litt an einer Herzerkrankung, die zum Tod führte, wie sich später herausstellte.

Hirnhautentzündungen führten zu drei Todesfällen

Vor 20 Jahren starb ein 20-jähriger Ostschweizer Rekrut der Freiburger Übermittlungs-Rekrutenschule 213 an den Folgen einer bakteriellen Blutvergiftung, verursacht durch eine Meningokokken-Infektion. Damals wurden 700 Personen, die mit ihm in Kontakt kamen, prophylaktisch mit Antibiotika behandelt.

In der Artillerie-RS 34 in Monte Ceneri starb 1998 ein 21-jähriger Rekrut an den Folgen einer Hirnhautentzündung. 1991 starb ein 20-jähriger Rekrut aus dem Kanton Thurgau im Spital Lugano ebenfalls an einer Hirnhautentzündung. Auch in diesem Fall wurden alle Personen im Umfeld der Kaserne Monte Ceneri, in welcher der Verstorbene Dienst tat, vorbeugend mit Medikamenten versorgt.

Kommandant verurteilt

Das Militärappellationsgericht verurteilte in Lausanne 1996 einen Kompaniekommandanten wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Monaten Gefängnis bedingt. Er hatte 1993 einen Marsch angeführt, bei dem ein Rekrut starb.

Der Kommandant habe fahrlässig gehandelt, indem er den 113 Kilo schweren und total erschöpften Rekruten hatte weitermarschieren lassen, hiess es in der Urteilsbegründung. Der 20-Jährige war auf einem 20-Kilometer-Marsch in der Nähe von Aigle VD zusammengebrochen und später im Spital gestorben. Die Autopsie ergab, dass er an einem bis zu diesem Zeitpunkt nicht entdeckten Herzfehler litt.

Ein mysteriöser Todesfall ereignete sich 1988 in der Infanterie-Rekrutenschule 5 in Aarau. Ein 19-jähriger Rekrut hatte plötzlich das Bewusstsein verloren. Trotz sofortiger ärztlicher Hilfe und Überführung ins Spital starb der junge Mann innert weniger Minuten. Der Zwischenfall ereignete sich während der Ausbildung im Zielwurf mit Wurfkörpern.

SDA