Schweizer zieht es über Ostern an den Strand

Weil Ostern erst Mitte April sind, ersetzen Schweizer die Skiausrüstung gegen Schnorchel und Flossen. Das spüren die Reiseveranstalter.

Die Nachfrage für Badeferien über Ostern hat sich im Vergleich zum Vorjahr geändert. Gewinner ist unter anderen Ägypten – auf dem Bild Hurghada am 3. April 2019. Foto: AFP/Mohamed El-Shahed

Die Nachfrage für Badeferien über Ostern hat sich im Vergleich zum Vorjahr geändert. Gewinner ist unter anderen Ägypten – auf dem Bild Hurghada am 3. April 2019. Foto: AFP/Mohamed El-Shahed

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Ein strahlender Frühlingsbeginn, dazu das im Vorjahresvergleich um zwei Wochen spätere Osterdatum. Nach einem intensiven Skiwinter scheinen die Schweizer definitiv keine Lust mehr auf Schnee zu haben. Ein Blick auf die zurzeit gut gefüllten Reisebüros belegt: Das verlängerte Wochenende von Karfreitag bis Ostermontag wollen Tausende nutzen, um erstmals Sonne, Meer und Strandatmosphäre zu tanken.

«Eine traditionelle Binsenwahrheit unserer Branche bestätigt sich einmal mehr», sagt Walter Kunz, Chef des Schweizer Reise-Verbands (SRV). «Je später die Ostertage sind, desto grösser ist die Nachfrage für Kurzreisen in die wärmeren Gefilde oder auch für Städtereisen.»

Trendumkehr von West nach Ost

Dass sich dabei der Reisedrang vieler Schweizer wieder vermehrt in südöstliche statt in südwestliche Richtung orientiert, bestätigt etwa ein Blick in die aktuelle Buchungsstatistik des Badeferienveranstalters ITS Coop Travel. «Wie für den ganzen kommenden Sommer, sehen wir auch spezifisch für die Osterdaten einen deutlichen Gegentrend zu den letzten zwei bis drei Jahren», sagt Geschäftsführer Andi Restle. Konkret: Die wegen «Overtourism» etwas in Verruf geratenen spanischen Balearen (Mallorca, Ibiza) und Kanaren (Gran Canaria) haben zugunsten von Ägypten, Türkei und Zypern bei der Kundengunst eingebüsst. Stabil sei die Nachfrage für Griechenland, so Restle. Selbst für Fernziele wie Thailand, die Dominikanische Republik und die Malediven gehen bei ITS Coop für Abflugdaten rund um Ostern zurzeit viele Buchungen ein.

Viele reisen im April in ferne Länder, zum Beispiel auf die Malediven. Foto: Pixabay

Ganz ähnlich präsentiert sich die Situation bei Kuoni. Sämtliche Osterflüge nach Ägypten waren dort schon frühzeitig ausgebucht, sodass kurzfristig Zusatzflüge organisiert werden mussten. «Auch die Kanaren laufen bei uns gut, ebenso Osterferien-Arrangements auf die Malediven», sagt Sprecher Markus Flick, der im Badeferienbereich von einem aktuellen Buchungsplus gegenüber dem Vorjahr im zweistelligen Prozentbereich spricht.

Vom «Osteransturm» in den Reisebüros profitieren auch die Filialen des Reiseveranstalters Hotelplan Suisse. «Weil die Ostertage im letzten Jahr deutlich früher waren, gab es damals kaum Badeferienmöglichkeiten an Kurz- oder Mittelstreckendestinationen, was sich in diesem Jahr deutlich anders präsentiert», sagt Mediensprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir. Bei der Migros-Reisetochter haben in Passagierzahlen noch immer die spanischen Ziele die Nase vorn, gefolgt von Ägypten, Griechenland und Zypern.

Kaum negativer Euro-Effekt

Was die Ferienpreise anbelangt, können die Reiseveranstalter Entwarnung geben. Die günstigen Tarife aus dem Vorjahr konnten weitestgehend gehalten werden. «Zwar mussten wir heuer mit einem leicht höheren Eurokurs kalkulieren, was auf ein durchschnittliches Pauschalangebot aber keine 10 Franken ausmacht», sagt etwa Andi Restle von ITS Coop und wird bestätigt von Markus Flick (Kuoni). Die Preise für Reisen an den Ostertagen seien im Vorjahresvergleich weitestgehend stabil. «Das gilt im Speziellen auch für Ferien in Euroländern.»

Interessant ist dies vor allem für die zahlreichen Kunden, die sich an Ostern für eine Städtereise entschieden haben. Hamburg, Wien, Prag und Paris sind die aktuellen Renner bei Hotelplan Suisse. Mailand, Turin und London, aber auch Geheimtipps wie Bordeaux oder Krakau schaffen es bei Kuoni ganz oben auf die Hitliste.

Das Öko-Gewissen nimmt nur bedingt zu

Immer öfter entscheiden sich Reisebürokunden gerade im Städtesegment für eine Anreise per Bahn statt mit dem Flugzeug. «Durch die aktuellen Klimastreiks und die Medienberichterstattung ist die Sensibilisierung der Kunden für das Thema Klimaschutz gestiegen», beobachtet Prisca Huguenin-dit-Lenoir. Es werde heute auch deutlich öfter nach CO2-Kompensationsmöglichkeiten für Flugreisen gefragt.

Städtereisen per Zug sind im Trend; im Bild Hamburg. Foto: Pixabay

Von einem eigentlichen «Flight shame» (sich schämen, in ein Flugzeug zu steigen) sei man aber weit entfernt, bestätigen auch die anderen Veranstalter. «Kurzfristig rechnen wir nur punktuell damit, dass sich unsere Kunden aktiv wegen des Klimaschutzes gegen eine Flugreise entscheiden, was mit den nach wie vor sehr tiefen Flugpreisen zu tun hat», so Markus Flick.

Vorderhand ist die Gefahr von leeren Flugzeugen für die Reisebranche noch nicht aktuell. Eher umgekehrt. Für die Ostertage nimmt die noch verfügbare Platzzahl rapide ab. Für Walter Kunz vom SRV kein Grund, es nicht auch kurzfristig zu versuchen. «Wer eine gewisse Flexibilität bezüglich Destination aufbringt, findet auf jeden Fall noch ein gutes Angebot.»

(Robert Wildi, Travelcontent)

Erstellt: 12.04.2019, 21:34 Uhr

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