Elsau

Der Brandstifter von Elsau kann nicht bestraft werden

Ein junger Elsauer hat zugegeben, für die Brandserie im Sommer 2016 verantwortlich zu sein. Weil er laut Gutachten nicht schuldfähig ist, sah das Bezirksgericht von einer Strafe ab.

«Ich habe die Taten in einem Zustand begangen, in dem ich nicht Herr meiner Sinne war,» sagte der geständige Brandstifter von Elsau vor dem Bezirksgericht Winterthur.

«Ich habe die Taten in einem Zustand begangen, in dem ich nicht Herr meiner Sinne war,» sagte der geständige Brandstifter von Elsau vor dem Bezirksgericht Winterthur. Bild: Marc Dahinden

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Wie ein Zeremonienmeister habe er sich beim Entfachen der Feuer gefühlt, sagte der Beschuldigte vor dem Bezirksgericht Winterthur: «Ich habe in dem Moment eine dunkle Macht gespürt, es war wie die Prozession eines Priesters in der Kirche.»Sechs Mal hatte es im Sommer 2016 in Elsau gebrannt. Zuerst gingen Veloanhänger in Flammen auf, dann mit Brennholz gefüllte Kisten, und schliesslich eine mobile Heizung in einem Rohbau. Die Feuerwehr musste ausrücken, der Schaden am Gebäude betrug über eine Million Franken. In der selben Nacht brannte auch ein Wohnhaus, in dem zwar mehrere Personen schliefen, jedoch niemand zu Schaden kam. Neun Tage danach sass der junge Elsauer, den die Staatsanwaltschaft der Brandstiftung beschuldigte, bereits im Gefängnis.

Feuer bei Nachbarn gelegt

Die Taten gab er bereits bei der ersten Einvernahme vollumfänglich zu. Bei der gestrigen Verhandlung wiederholte der Beschuldigte sein Geständnis. Die Feuer hatte er stets nahe seines Zuhause gelegt. Mit der Beziehung zu seinen Nachbarn habe das nichts zu tun gehabt, sagte er. «Ich habe sie gar nicht gekannt.»

Das Motiv für die Brandstiftung blieb unklar. «Ich habe mich beseelt gefühlt von einem Auftrag, der mir sagte, dass ich das tun müsse.» Von wem der Auftrag kommt, konnte der Elsauer nicht sagen. «Ich habe die Taten nicht böswillig begangen, sondern in einem Zustand, in dem ich nicht Herr meiner Sinne war.» Diese Erklärung ist auch laut einem psychiatrischen Gutachten die wahrscheinlichste. Der Beschuldigte leidet demgemäss unter einer depressiven Phase mit psychotischen Symptomen, ist aber kein Pyromane. Diese Einschätzung bezeichnete auch der Beschuldigte selbst als zutreffend: «Es ging mir nicht ums Feuer, sondern um die Zerstörung.»

An die genauen Tathergänge könne er sich nicht erinnern, sagte der Elsauer vor Gericht. Klar ist, dass er die Brände mitten in der Nacht legte, und laut seinen Aussagen keinen Brandbeschleuniger benützt hatte, sondern lediglich ein Feuerzeug oder Streichhölzer. Er sei vor dem Feuerlegen jeweils vom Ausgang in Winterthur nach Hause gekommen und habe bereits auf dem Weg seine Medikamente – ein Antidepressivum mit schlafanstossender Wirkung – eingenommen.

Karriere trotz Krankheit

Depressionen begleiten den jungen Mann laut dem psychiatrischen Gutachten bereits seit seiner Kindheit; schon früh habe er versucht, sich das Leben zu nehmen. Laut eigenen Aussagen bekam er schon als Jugendlicher Antidepressiva verschrieben. Trotz psychischen Problemen war der junge Elsauer beruflich auf gutem Wege: Er machte eine prestigeträchtige Ausbildung und hatte bereits Aussicht auf einen guten Karrierestart. Doch dann musste er ein Ausbildungsjahr repetieren. «Ich hatte starke Zukunftsängste.»

Ohne Absprache mit einem Arzt habe er die Dosis der Antidepressiva erhöht und dann auf einen Schlag vollständig abgesetzt. Er habe wegen der Medikamente immer stark geschwitzt, was bei der Arbeit störend gewesen sei. Bald setzten die Symptome der Depression wieder ein. In der Zeit habe er auch immer mehr Alkohol getrunken, bis zu vier Liter Bier pro Tag. Auch sein Cannabis-Konsum steigerte sich auf bis zu zehn Joints pro Tag. «Der Rauschzustand nimmt einem die Enge in der Brust», sagte der Elsauer dazu vor Gericht. «Als ich verhaftet wurde, war ich cannabissüchtig.» Zur Zeit der Brandserie habe er auch Kokain und andere Drogen ausprobiert. Seinen damaligen Zustand beschreibt er als rastlos; oft habe er an Suizid gedacht.

Psychische Behandlung

«Es tut mir sehr leid, was passiert ist», sagte der junge Elsauer am Mittwoch vor dem Bezirksgericht. Etwas mehr als ein Jahr nach der Brandserie macht er den Eindruck eines ruhigen, sehr reflektierten jungen Mannes. Er wünsche sich die Anordnung einer stationären psychischen Behandlung, sagte er. Bereits vor einer Woche konnte er vom Gefängnis in eine psychiatrische Klinik wechseln.

Das Gericht verurteilte den Elsauer wegen Brandstiftung, sah aber von einer Bestrafung ab und ordnete stattdessen eine stationäre psychische Behandlung an, wie es auch die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. «Wer nicht schuldfähig ist, kann auch nicht bestraft werden», sagte der Gerichtsvorsteher. (Landbote)

Erstellt: 29.11.2017, 16:46 Uhr

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