Lindau

Mit Gebimmel ins Kuh-Exil marschiert

Die 60 Kühe des Strickhofs in Eschikon sind nach Nürensdorf umgezogen. Die Bauarbeiten für das neue Bildungs- und Forschungszentrum stehen kurz bevor.

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Ein lautes Glockengebimmel kündigt sie plötzlich an, die fünf Kühe, die den «Alpaufzug» anführen werden. Sie sind mit Sonnenblumen und Dahlien geschmückt. Betreuer führen die Tiere auf den Vorplatz der Strickhof-Stallungen. Dort sollen sie nun still stehen. Denn gleich hält Ueli Voegeli, Direktor der landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildungsstätte im Lind­au­er Weiler Eschikon, eine Rede. Doch die Tiere sind unruhig, trippeln umher und muhen.

«Das sind unsere Hauptprotagonistinnen», sagt Voegeli. Er versteht sein eigenes Wort fast nicht. Am Dienstagmorgen stehen die Kühe im Zen­trum der Aufmerksamkeit. Sie müssen aus ihrem Stall ausziehen und in Richtung Breite in der Gemeinde Nürensdorf ins «Exil» marschieren. Die Bauarbeiten für das 58 Millionen Franken teure neue Bildungs- und Forschungszentrum Agrovet auf dem Strickhof-Areal stehen kurz bevor (siehe Infobox). Für die nächsten 20 Monate kommen die rund 60 Tiere deshalb im leer stehenden Laufstall von Ueli Keller in der Nachbargemeinde unter.

«Es war nicht einfach, einen Ersatzstall zu finden», sagt Voegeli am Rande der Veranstaltung. Ursprünglich wollte der Strickhof die Kühe auf verschiedene Standorte verteilen. «Der Stall von Ueli Keller ist ein wahrer Glücksfall», so Voegeli weiter.

Zehn Jahre lang geplant

Vertreter des Strickhofs, der ETH und der Universität Zürich, die das Projekt gemeinsam realisieren, feiern einen weiteren Meilenstein in der knapp zehnjährigen Entstehungsgeschichte des Bildungs- und Forschungszentrums. Vergangene Woche hat der Strickhof die Baubewilligung von der Gemeinde Lind­au erhalten. Nach dem Umzug der Tiere wird nun als Erstes ein Bach ausgedolt, der nördlich und östlich am Gelände vorbeifliesst.

Dann wird möglichst schnell auch das Nutztierzentrum erstellt, das Milchvieh-, Kälber- und Rindermastställe sowie ein Forum umfasst. Denn: «Wir wollen die Tiere möglichst bald wieder zurückholen», sagt Voegeli. Im Dezember 2016/Januar 2017 wird es so weit sein.

In nicht mal einer halben Stunde ist der «Alpaufzug» zum Betrieb von Ueli Keller bereits wieder zu Ende. Als die Tiere vor dem Stall ankommen, drängen sie sich zum Eingangstor. Die Tierhaltungsfachleute des Strickhofs haben die grösste Mühe, ihnen Schmuck und Glocken wieder abzunehmen. Im Innern nehmen die Kühe die mit frischem Stroh bestreuten Liegeboxen sofort in Beschlag. (zsz.ch)

Erstellt: 09.06.2015, 18:47 Uhr

Bildungs- und Forschungszentrum Agrovet

Das Amt für Natur und Landschaft, die ETH und die Universität Zürich bauen auf dem Gelände des Strickhofs im Lind­au­er Weiler Eschikon ein «Bildungs- und Forschungszentrum von nationaler und internationaler Ausstrahlung». Die universitäre Forschung in den Bereichen der Agrarwissenschaften (ETH) und der Veterinärwissenschaften (Uni) sollen mit den praktischen Bedürfnissen der Landwirtschaft (Strickhof) verknüpft werden. Die alten Strickhof-Stallungen werden abgerissen. An deren Stelle ist ein Nutztierzentrum mit Milchvieh-, Kälber- und Rindermastställen sowie eine Schulungs- und Demonstrationshalle (Forum) vorgesehen. Die ETH Zürich erstellt ein Büro- und Laborgebäude sowie ein «Stoffwechselzentrum». Dort wird unter anderem das Fressverhalten von Vieh untersucht. Das Projekt kostet 58 Millionen Franken. Im Frühjahr 2017 soll die Eröffnung stattfinden. 

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