Rheinau

Projekt Grundeinkommen geht weiter – irgendwie

Die Initianten des Grundeinkommen-Versuchs wollen diesen in irgendeiner Form weiterführen. Ob der Gemeinderat ein Folgeprojekt ideell unterstützt, ist aber offen.

Initiantin Rebecca Panian: «Das Projekt geht weiter, auf welche Art ist noch offen.»

Initiantin Rebecca Panian: «Das Projekt geht weiter, auf welche Art ist noch offen.» Bild: Johanna Bossart

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Wie sieht die Zukunft des Projekts bedingungsloses Grundeinkommen aus? Rund 40 Personen haben sich am Montagabend im Mehrzweckgebäude Rheinau versammelt, um diese Frage zu besprechen. Gemäss Initiantin und Filmemacherin Rebecca Panian war die Stimmungslage klar: «Alle haben sich dafür ausgesprochen, dass das Projekt weitergeht.» Nachdem man so weit gekommen sei, wolle man nun noch nicht aufgeben. Man suche eine neue Form für das Projekt. Wie diese aussehe, sei offen. Die Diskussion am Montag fand unter Ausschluss der Medien statt.Ursprünglich war die Idee, ab Januar 2019 allen erwachsenen Rheinauerinnen und Rheinauern ein Grundeinkommen von 2500 Franken pro Monat auszubezahlen, unabhängig davon, ob sie arbeiten oder nicht. Mit einem Crowdfunding hätten dafür über sechs Millionen Franken gesammelt werden sollen. Doch das Ziel wurde bei Weitem verfehlt: Nur gut 150 000 Franken kamen bis letzten Dienstag zusammen.

Uneinig in der Fehleranalyse

An der Versammlung vom Montagabend nahm auch Rheinaus Gemeindepräsident Andreas Jenni teil. Er sagt, dass schätzungsweise etwas über 50 Personen am Anlass teilgenommen haben, Nicht-Rheinauer inklusive. An diesem Abend sei diskutiert worden, ob, und wenn ja, wie der Grundeinkommen-Versuch weitergeführt werden soll. Der allgemeine Tenor sei gewesen, dass das Thema bedingungsloses Grundeinkommen Potenzial habe und keine Eintagsfliege sei. Dabei soll das anhaltende Medieninteresse auch in Zukunft genutzt werden. Die grosse Mehrheit sei der Ansicht, so fasst Jenni das Fazit des Treffens zusammen, den Versuch auf irgendeine Art weiterzuführen.

«Alle haben sich dafür ausgesprochen, dass das Projekt weitergeht.»Rebecca Panian, Initiantin

In der Analyse, weshalb die Geldsammelaktion gescheitert ist, darüber sei man sich allerdings nicht einig gewesen, erzählt Jenni weiter. Wurde das Geld am falschen Ort gesucht? Hätten statt eines breit angelegten Crowdfundings grosse Investoren gewonnen werden sollen? Oder wurde das Projekt ganz grundsätzlich falsch aufgegleist? «Diese Fragen sind recht kontrovers diskutiert worden.» Man werde nun eine Pause einlegen und Ende Januar, Anfang Februar im kleineren Rahmen nochmals zusammensitzen. Danach werde der Gemeinderat entscheiden, ob er ein Folgeprojekt weiterhin für unterstützungswürdig hält. An dieser Stelle betont Jenni aber nochmals, dass es letztlich ein privates Projekt sei und keines der Gemeinde Rheinau. Der Gemeinderat stehe der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens grundsätzlich wohlwollend gegenüber. Was man jedoch auch sagen müsse: «Nicht enden wollende Projekte laufen sich irgendwann tot.»

«Nicht enden wollende Projekte laufen sich irgendwann tot.»Andreas Jenni, Gemeindepräsident Rheinau

Die Stimmung in der Gemeinde Rheinau insgesamt bezeichnet Jenni als «durchzogen». Dass das Sammeln des benötigten Geldes scheitern würde, das habe sich schon länger abgezeichnet. Auch Sammelaktionen der Glückskette würden zeigen, wie schwierig es sei, mehrere Millionen Franken zusammenzubringen. Die Hoffnung der Initianten, dass sich die Idee fast wie von selbst verbreite, sei «auf etwas gar wackeligen Füssen gestanden». Auch hätten die Medien zwar ein grosses Interesse gezeigt – dass sie aber nicht aktiv zum Geldspenden aufrufen würden, das war für Jenni verständlich. Dass sich die Sammelaktion zum Selbstläufer entwickeln würde, «das war vermutlich eine falsche Annahme».

Geld geht zurück an Spender

Er persönlich hätte Freude, wenn das Projekt weitergehen würde-Denn die Gemeinde habe sich dabei als offen und fortschrittlich präsentieren können, sagt Andreas Jenni. Aber der Gemeinderat habe auch noch andere wichtige Aufgaben und müsse darauf achten, «dass die Behörde nicht auf ein einzelnes Projekt reduziert wird».

Das via die Crowdfunding-Plattform gespendete Geld geht nun zurück an die Spender. Die Initianten haben also keinen Zugriff auf die gut 150 000 Franken.

Erstellt: 11.12.2018, 12:03 Uhr

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